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Die Zeit IST. Ihr sprecht vom “Marsch der Zeit”, aber die Zeit marschiert nirgendwohin. Du bist es, der weitermarschiert, du “bewegst dich durch die Zeit”, du erzeugst die Illusion von “vergehender Zeit”, während du dich durch Den Einzigen Moment Der Da Ist begibst. Und der “Einzige Moment Der Da Ist” ist unendlich, und daher hast du, während du ihn durchläufst, das Gefühl, dass “die Zeit läuft”.

Die Zeit ist etwas, was du der Reihenfolge nach, in Sequenzen, wahrnimmst, wohingegen sie in allen Räumen simultan existiert. Raum und Zeit sind sequentsimultan. Während du dich durch die Korridore der Zeit bewegst, machst du die Erfahrung, dass Raum/Zeit unermesslich sind. Der “Einzige Moment Der Da Ist” wird Raum-Zeit-KONTINUUM genannt, eben weil diese Raum-Zeit-Wirklichkeit sich in ihrem Sein immer fortsetzt.

Du kannst dich, als Reiner Geist, in endlosen Zyklen durch diese Singuläre Wirklichkeit (manchmal auch Singularität genannt) bewegen und fortfahren, die Erfahrung deines Selbst zu machen. Du BIST diese Singularität. Du bist der Stoff, aus dem sie gemacht ist. Die Reine Essenz. Die Energie. Du bist eine Individuation dieser Energie und dieser Essenz. Du bist eine “Individuation der Singularität.”

Neale Donald Walsch, zitiert aus “Zuhause in Gott. Über das Leben nach dem Tode“, Goldmann Arkana, 2009

Gateway

Hintergrundmusik: Passend zum Thema diesmal psychedelische Elektronik: Interrupted Transmission mit “Richard runs the Voodoo down“, stammt von einem uralten Sampler namens “Chill Out Voyages into Trance and Ambient“. Turn On, Tune In, Trance Out!

Manchmal, da will man einfach nur raus aus dieser Realität. Die meiste Zeit tut man ja so, als wäre das Leben hier für die Ewigkeit gemacht: man füttert seinen Körper immer zur rechten Zeit, hält ihn mittels Bedeckungen (oder ohne) bei der richtigen Temperatur und ist ängstlich darauf bedacht, im Strassenverkehr oder auf der Arbeitsstelle oder sonstwo in Gefahr zu geraten.

Und man ist verstrickt in seine täglichen Probleme: das Ego plappert ohne Unterlass vor sich hin, braucht ständig Linderung von irgendwelchen Schmerzen, Verletzungen, Kränkungen; es langweilt sich und verlangt nach immer stärkeren Reizen – die Erfüllung von Lustprinzipien scheint sich immer schneller abzunutzen.

Und dann gibt es eben auch die Sekunden oder Minuten (meistens wenn es einem schlecht geht), da willst du nur raus; raus aus diesem Sack aus Knochen und Fleisch, raus aus diesem entsetzlichem Rauschen in deinem Kopf, und du fragst dich bange – gibt es da mehr? Bin ich wirklich nur das: eingeklemmt in all diesen materiellen Zwängen und Fallen, unfähig daraus zu entkommen; oder stecke “ich” fest in diesem Körper, nur darauf wartend, dass um mich herum alles verfault und zerfällt, bin ich dann frei, kann ich dann zu den Sternen fliegen, bin ich dann federleicht, ein Leuchtkörper, ein Energiestrahl?

Antworten darauf will dir die Esoterik geben. Die hat sich darauf spezialisiert, die Kirchen zu beerben bei der Sinnsuche des aufgeklärten, modernen Menschen; die präsentiert dir statt Schuld und Sühne Karma und Wiedergeburt; statt Engeln Devas, statt Weihwasser Geruchstherapie und Tarotkarten statt der Beichte. Alles gleich dogmatisiert wie schon zuvor, glaubst du wirklich, dass die Antworten für dich haben? Ich nicht – die können mich kreuzweise mit all ihren fein ausgetüftelten Hierarchien von aufgestiegenen Meistern; glauben die, dass man damit die Realitäten jenseits unseres kleinen menschlichen Verstandes entschlüsseln kann?

Die DMT-Versuche von Rick Strassman haben meiner Meinung nach gezeigt, was wir erleben könnten, wenn wir den dünnen Schleier lüften, der uns glauben macht, wir hätten schon verstanden, was nach unserem Tod auf uns warten würde – da gibt es eben keine wohlgeordneten, säuberlich voneinander getrennten Bereiche, in denen verstorbene Erdenbürger, betreut von ihren geistigen Helfern brav auf ihre Wiederverkörperung warten; da herrscht eher das wimmelnde Chaos tausender Dimensionen und abertausender Realitäten, bewohnt von für uns unvorstellbaren Wesenheiten, die uns freundlich gesonnen sind oder aber auch nicht; die fähig sind, mit uns zu kommunizieren oder ebenso verwirrt wie wir, wenn da ein zufälliger oder von uns gewollter “Kontakt” zustandekommen sollte.

Robert A. Monroe (1915 - 1995)

Einer, dessen Aussagen zum Leben “ausserhalb” unserer engen Realitätsvorstellung ich Glauben schenke, ist Robert A. Monroe. Der ehrwürdige Pionier des Astralreisens hat sich in den 1950er-Jahren daran gemacht, seine Out of Body – Exkursionen zu katalogisieren und für Nachreisende verständlich zu machen – er musste sich erst ein Bezugssystem dafür erschaffen, da ihm niemand sagen konnte, ob er verrückt geworden sei oder nicht. Das alles kann man nachlesen in dem aufregenden Erfahrungsbericht “Der Mann mit den zwei Leben” und dieses Buch wiederum ist eine zwingende Voraussetzung, um sein Nachfolgewerk “Der zweite Körper” zu verstehen, welches ich euch wirklich dringend ans Herz legen möchte, denn dieses erscheint mir schon eher “the real stuff” zu sein in diesem riesigen Ozean von schlechter und vermenschlichter Esoterikliteratur.

Einige Leser auf der entsprechenden Amazon-Rezensionsseite scheinen mit “Der zweite Körper” so ihre Probleme zu haben und beschreiben Monroe’s Werk als “verwirrend” und “kompliziert“. Bei mir ist es eher umgekehrt – der einzige Vorwurf, den ich dem Buch machen könnte, ist, dass es nicht mindestens um 1000 Seiten dicker ist. Das hier ist nämlich die wirkliche Goldgräberzeit der Bewußtseinsforschung. Im ersten Teil “Nahbereiche” beschreibt Monroe bahnbrechende Experimente in den 1960er- und 1970er-Jahren in seinem damals neugegründeten Institut. Mit einem passenderweise “Erkundungsteam 1” genannten Kreis von mutigen Freiwilligen hat er da seine frisch erfundene Hemi-Sync-Methode ausprobiert, die vermutlich neben den DMT-Versuchen die einzige und im Vergleich dazu wesentlich ungefährlichere Möglichkeit darstellen dürfte, seinen Körper zu verlassen und sich mal umzuschauen, was in Wirklichkeit so abgeht um einen herum.

Hemi-Sync” hat mit der Fähigkeit der beiden Gehirnhälften zur Synchronisation und der Erzeugung eines sogenannten “binauralen Beats” zu tun. Wie das funktioniert, erklärt uns die deutsche Autorität auf diesem Gebiet, Wingman, einleuchtend auf seiner wunderbaren Thetawaves-Homepage: “Unser Gehirn schwingt sich auf Töne ein. Es passt sich an Frequenzen von außen an, indem es verstärkt Gehirnwellen von der selben Frequenz erzeugt. Diese Funktion wird “Frequenz-Folge-Reaktion” (FFR) genannt. Die Hemi-Sync-Technologie macht sich diese FFR zu Nutze, um Gehirnwellen gezielt so zu stimulieren, das bestimmte Bewußtseinszustände wesentlich einfacher erreicht werden können. Um das zu erreichen, werden die bereits genannten binauralen Beats angewendet. Dies geschieht, indem in das linke und in das rechte Ohr Töne von unterschiedlicher Frequenz eingespielt werden (z.B. 500 Hz und 504 Hz).”

“Das Gehirn kompensiert nun die Diskrepanz zwischen beiden Tönen, indem es einen dritten “Phantomton” erzeugt, der die Differenz von beiden Frequenzen bildet (z.B. 4 Hz). Dieser erzeugte Ton ist der binaurale Beat. Er macht sich beim hören einer Hemi-Sync-Sequenz durch ein “Pulsieren” oder “Wellen” bemerkbar, das beim Zusammenlegen beider Töne entsteht. Durch diesen binauralen Beat fängt das Gehirn nun an, eigene Wellen von gleicher Frequenz zu erzeugen. So können die Gehirnwellen (je nach Zweck) gezielt gesteuert werden. [...] Für AKEn (Ausserkörperliche Erfahrungen, Anm.) und andere Zustände bei tiefer körperlicher Entspannung ist vor allem der Thetawellen-Bereich interessant. In diesen gelangen wir nochmalerweise während des Traumschlafes. Durch Hemi-Sync hat man allerdings ein nützliches Werkzeug, um diese (normalerweise unbewußten) Zustände voll bewußt zu erreichen, und darin willentlich agieren zu können.

Soweit die Erklärung von Wingman. Stellen wir uns nun also das Institut von Robert A. Monroe in den frühen 1970er-Jahren vor: da gab es kleine Kammern, in denen man sich auf ein Bett legen konnte, man bekam Kopfhörer aufgesetzt, in welche die entsprechenden Frequenzen eingespeist wurden und war zusätzlich noch mit einem “Operator” (meistens Monroe selbst) verbunden, der die jeweiligen Experimente überwachte.

Für die freiwilligen Pioniere vom “Erkundungsteam 1” war es kein Problem, mit Hilfe der Hemi-Sync-Methode alle bekannten Realitäts-Begrenzungen zu überwinden und in die nahen und weiteren Bereiche der geistigen Welt zu reisen. Was dabei auffällt: jede Versuchsperson schien dabei ihr ganz eigenes Paradigma zu erleben. Die eine erfuhr Non-Dualität, während eine andere zum Beispiel zum Channel eines “kosmischen Christus” wurde. Viele erlebten die Präsenz freundlich gesinnter Lichtwesen, die mit unbekannter “spirituellerTechnologie operierten – sie lösten die Seele der Versuchsperson aus ihrem Körper, schickten diese auf eine begleitete Reise in andere Sphären, während sie deren Körper als Vehikel benutzten, um über die Stimmbänder Botschaften an den Operator weiterzugeben; nebenbei wurden auch noch “heilende” Energien” in den Körper eingespeist.

Auch Monroe selbst hatte natürlich weiterhin ausserkörperliche Erfahrungen gemacht, und erzählt im zweiten Teil des Buches, “Fernbereiche“, von seinen dabei gewonnenen Erlebnissen, die ihn oftmals zwangen, über sein Weltbild und Selbstverständnis hinauszuwachsen. Um mit den Wesen, denen er begegnete, kommunizieren zu können, entwickelte er eine spezielle Art von nonverbaler Kommunikation, “Routine” genannt, die aus einem vollständigen Gedankenbild inklusive aller dazugehörigen Empfindungen bestand und ohne Zeitverlust übermittelt werden konnte – dagegen mag einem menschliche Sprache wie hilfloses Gestammel vorkommen. Apropos Sprache: um dem Leser von “Der zweite Körper” einen einigermassen stimmigen Eindruck seiner Erfahrungen vermitteln zu können, hat Monroe neue Vokabeln erfunden, die zum Glück in einem öfters wiederkehrenden Glossar gesammelt sind, sodass keine Hemmung des Leseflusses entsteht.

Es fällt auf, dass Monroe in grossen Teilen der Erzählungen seiner Begegnungen undogmatisch bleibt – wenn man mit einem “menschlichenVerstand auf das Fremde trifft, fallen Kategorisierungen logischerweise auch ziemlich schwer oder scheinen gänzlich unmöglich. Dazu ein Beispiel: Eine bestimmte Gattung von Wesenheiten, die mit Monroe arbeiten, ihn an bestimmte Orte in anderen Dimensionen transportieren und überhaupt im Verdacht stehen, seine Exkursionen schon seit Beginn verursacht zu haben (diese aber auf jeden Fall begleiten und beschützen), werden von ihm in Ermangelung eines besseren Namens “INSPES” (Intelligent Species) genannt. Monroe versucht herauszufinden, wer diese INSPES sind und was der Zweck ihres Daseins ist: Sind sie Engel? Ausserirdische? Individualisierte Teile seines Höheren Selbst? Doch alle Versuche der genauen Einordnung scheitern, Herkunft und Aufgabe dieser Wesenheiten bleiben in letzter Konsequenz unbestimmbar.

Im letzten Teil von “Der zweite Körper” versucht Monroe, das Prinzip des “Menschseins” noch einmal aus “ausserkörperlicher Sichtweise” zu beschreiben und verfällt bei der Aufzählung aller menschlichen Begierden dann leider doch in negative Wertungen – man merkt, dass er keine grosse Lust mehr auf materielle Erfahrungen zu haben scheint. Er erklärt die menschliche Sexualität für verzichtbar (weil sie nur ein winziger Teil eines viel grösseren energetischen Vorgangs sei), geisselt die Fähigkeit des Menschen zu Begierde, Übermass und Exzess und warnt davor, dass die Erfahrung des Menschlichensüchtig” mache, also “Wiederholungstäter” hervorbringe. Ich finde nicht, dass materielle Erfahrungen als “schlecht” angesehen werden müssen, da mir keine “übergeordnete Instanz” bekannt ist, welche diese werten würde; da hätte ich ja gleich Katholik bleiben können und würde mich noch immer mit meinem grundsätzlich “sündigenLeben herumplagen.

Aber dieser letztendlich erhobene, mahnende Zeigefinger sei Monroe verziehen, denn so ganz unrecht hat er ja auch nicht: sobald man sich ausschliesslich in seine menschlichen Beschäftigungen verstrickt und jegliche Perspektive darauf verliert, dass das “Menschsein” vielleicht nur einen kleinen Teil jener Erfahrungen von uns selbst als nahezu unendliche Lichtwesen ausmacht, lauern bekanntlich Unglück, Depression und Aussichtslosigkeit. Für den Ansporn, mich in meinem täglichen Leben eben als “mehr” zu betrachten, bin ich Monroe sehr dankbar. Und wie sagt der uralte Pionier in einem späten Interview: “…because if you know you survive physical death.. you are free…“. Was für eine einfache Weisheit, und doch so schwierig zu akzeptieren.

Robert A. Monroe hat seine Hemi-Sync-Methode unter dem Namen “The Gateway Experience” veröffentlicht. Besorg dir diese Audiofiles und probier es selbst aus – ich mache das derzeit auch und werde in absehbarer Zeit mal berichten, wie es mir ergangen ist.

***

Diese drei Bücher von Robert Monroe solltest du auf jeden Fall lesen:

1. Der Mann mit den zwei Leben.

2. Der zweite Körper.

3. Über die Schwelle des Irdischen hinaus.

Hier ist die Homepage des Monroe Instituts.

Und hier das Thetawaves-Forum.

Im zweiten Teil unseres Features über “PSI-Superhelden und Paraspione” (Teil 1 gibts hier zum Nachlesen) beschäftigen wir uns zu Beginn mit der russischen Seite der PSI-Spionage und gehen der Frage nach, ob auch hier, wie in den USA, die Visionen von Science Fiction-Autoren den militärischen Apparat oder den Geheimdienst dazu gebracht haben könnten, über “esoterische” Formen der Kriegsführung nachzudenken.

Das legendäre Brüderpaar Arkadi und Boris Strukatzki thematisierte z.b. ebenso wie ihre westlichen SF-Schriftstellerkollegen in ihrer Maxim Kammerer-Trilogie den Aufstieg des Homo sapiens zu einem Hypermenschen; im Gegensatz zu den hermetischen Allmachtsphantasien von L. Ron Hubbard blickten die überaus intelligenten Strugatzkis allerdings weit über ihre eigene Vision hinaus und sahen als unausweichliche Konsequenz die Unterdrückung des “normalen” Menschen durch die von ihm geschaffene Superrasse voraus.

Karsten Kruschel schrieb in der Anthologie “Das Science Fiction Jahr 1994” über das “misanthropische” Konzept der Strugatzkis, “Die Vertreter des homo sapiens, die diesen Planeten und sich selbst so gründlich zuschanden gemacht haben, kommen nicht einmal mehr als Zöglinge oder Gegner des ‘homo superior’ in Betracht; sie werden von den höheren Wesen wie unschädliche und unwichtige Insekten ihrem unwichtigen und hoffnungslosen Schicksal überlassen. Der Mensch kann diesen Geschöpfen nicht einmal mehr lästig fallen“.

Arkadi und Boris Strugatzki

Einige Werke der Strugatzkis konnten aufgrund ihrer Kritik am kommunistischen System erst nach dem Zerfall der Sowjetunion erscheinen oder wurden heimlich ausser Landes geschmuggelt, um im Westen veröffentlicht zu werden. Es wäre natürlich auch in der damaligen UdSSR gut möglich gewesen, dass sich ein Parteifunktionär oder ein hochrangiger Angehöriger des Militärs heimlich mit Science Fiction befasste – denn auch die Sowjetunion hat im Zeitalter des Kalten Krieges sowie die USA streng geheim mit “übersinnlichenTechnologien experimentiert und diese Versuche vermutlich viel konsequenter betrieben als ihr westlicher Todfeind.

Zur russischen Militärforschung im Bereich PSI ist im Internet im Gegensatz zu den amerikanischen Experimenten so gut wie nichts zu finden. Für Informationen darüber muss man auf Bücher von Autoren zurückgreifen, die sich in den 1970er- und 80er-Jahren ausführlich mit dem Thema beschäftigt haben. Zum einen ist dies der 2008 verstorbene grenzwissenschaftliche Autor Ernst Meckelburg, mit dem wir uns am Schluss des Artikels noch ausführlicher auseinandersetzen wollen und zum anderen der Wiener Parapsychologe Elmar R. Gruber, älteren Herrschaften vielleicht noch als Co-Moderator von Rainer HolbesUnglaublichen Geschichten” in den 1980er-Jahren auf dem damals noch jungen Privatsender RTL (und deren Nachfolgesendung “Phantastische Phänomene” auf SAT1) bekannt. Gruber hat viele grenzwissenschaftliche Bücher geschrieben, unter anderem auch den Bestseller “Die PSI-Protokolle“, in dem er sich neben der Beschreibung der einschlägigen US-Experimente auch der militärisch-parapsychologischen Forschung in Russland widmet.

Grubers Einblicke in die russische Para-Wissenschaft sind abenteuerlich: In Nowosibirsk gründete man in den frühen 1960er-Jahren ein Labor, dass sich der Erforschung der “Biokommunikation” widmen sollte (der Begriff erklärt sich aus der Überzeugung russischer Forscher, dass Partikel aus lebenden Zellen als Informationsträger fungieren würden und so “übersinnlichePhänomene ermöglichen könnten). Unter dem Deckmantel von “Untersuchungen” sollen in diesem Labor ziemlich wilde Dinge geschehen sein – Tiere wurden mittels Elektroschocks gequält, Versuchspersonen wurden via Übermittlung von “negativen Emotionen” durch erfahrene Medien an den Rand des Zusammenbruchs gebracht.

So wie die USA hatte natürlich auch die UdSSR grosses Interesse an der Erschaffung eines Super-Soldaten, der seine Feinde mittels übersinnlicher Fähigkeiten bezwingen konnte. Die russischen Experimente dazu vermitteln einem den Eindruck eines trashigen Science Fiction-Films: Aus den unzugänglichsten Gebieten Zentralasiens flog man Schmananen, Meister obskurer Kampftechniken, Mönche, Magier und alle weiteren Arten von übersinnlich begabten Personen ein, um ihre Fähigkeiten in den Forschungseinrichtungen von Nowosibirsk zur “Fernbeeinflussung” zu testen.

Die russischen Wissenschaftler gingen bei ihren Versuchen (ebenso wie bei ihren frühen Raumfahrt-Experimenten) mit Menschenleben nicht gerade zimperlich um. Um Korrelationen in den EEG-Mustern ihrer Testpersonen festzustellen, wurden diese mit schmerzhaften Stromstössen gereizt und in einigen Fällen auch verletzt und/oder getötet. Als diese Experimente durch entsprechende Spionagetätigkeit zumindest teilweise an die USA verraten wurden, führte das zu grosser Paranoia unter den amerikanischen Militärs; man befürchtete zum Beispiel, dass US-Diplomaten mit “negativer PSI-Energie” bestrahlt werden könnten (und hatte dabei gar nicht so unrecht, wie der heute schon legendäre Strahlenangriff auf die amerikanische Botschaft in Moskau zu Beginn der 1970er-Jahre beweisen sollte – dieser geschah allerdings mittels Mikrowellen und nicht mit PSI-Energie).

Russisches Supermedium: Nina Kulagina (1926 – 1990)

Unglaubliche Gerüchte machten die Runde: Angeblich soll es dem russischen Psychokinese-Medium Nina Kulagina damals gelungen sein, aus der Entfernung von einem Meter ein isoliertes Froschherz zu stoppen; ausserdem soll sie die Vitalfunktionen von Mäusen so verlangsamt haben, dass diese “wie tot” gewesen seien. Das konnte das amerikanische Militär natürlich nicht auf sich sitzen lassen: künftig versuchte eine super-geheime Spezialeinheit in Fort Bragg im US-Bundesstaat North Carolina, Ziegen durch Anstarren dazu zu bringen, tot umzufallen.

Lieutenant Colonel Jim Channon

Wie kam es dazu? Nach dem endgültigen Scheitern des Vietnamkrieges, all dem sinnlosen Blutvergiessen und dem darauffolgenden Hass der friedenshungrigen US-Bevölkerung auf alles Militärische hatte die US-Army die grösste kollektive Depression in ihrer bisherigen Geschichte durchzustehen. Nur so ist es zu verstehen, dass ein Vietnamveteran namens Jim Channon vom Pentagon erhebliche finanzielle Mittel zur Verfügung gestellt bekam, um auf einer zweijährigen Reise sämtliche damals in den USA existierenden esoterischen Strömungen zu erforschen, die er später als Grundlage seines “First Earth Battalions” verwenden wollte.

Dieses “First Earth Battalion” war eine unglaublich versponnene Idee, um eine Art New Age-Soldaten zu schaffen; als Channon seinen Kommandeuren das entsprechende Operations Manual vorlegte, sollen die hartgesottenen Generäle angeblich zu Tränen gerührt gewesen sein – absolut erstaunlich, wenn man sich dieses Schriftstück zu Gemüte führt.

Ein Satz des “First Earth Battallion Operation Manuals” lautet: “The US Army doesn’t really have any serious alternative than to be wonderful.” Und weiters: “It is America’s role to lead the world to paradise.Channon stellte sich den kommenden US-Krieger so vor: ausgerüstet mit Kräuterbeuteln, Wünschelrute, Akupunktur-Werkzeug und an der Uniform angebrachten Lautsprechern, welche länderspezifische “Eingeborenenmusik” und “Worte des Friedens” ausstrahlten, sollte es die Hauptaufgabe des Soldaten sein, das feindliche Territorium voller “positiver Schwingungen” zu betreten, dort als “Friedenssymbol” ein kleines Lamm abzuladen, und den ersten gesichteten Feind innig zu umarmen. Warum Channon statt dieser unfassbar obskurantischen Ideen nicht gleich für den “Weltfrieden” eintrat, bleibt ein Geheimnis; in der bereits angesprochenen speziellen Situation der Kriegsmüdigkeit fielen seine Spinnereien in der US-Army allerdings tatsächlich auf fruchtbaren Boden.

Links im Bild Michael Echanis (1950 - 1978)

Kurze Zeit später wurde nämlich vom “Army’s Intelligence and Security Command” (INSCOM) in Fort Bragg eine Spezialeinheit gegründet, die einige der Ideen Channons in abgewandelter Form übernahm, allerdings auch ein eigenes Remote Viewing – Programm startete und von Spezialisten wie dem mysteriösen Michael Echanis in asiatischen Kampftechniken trainiert wurde. Weiters übte man sich eher erfolglos in Disziplinen wie “Unsichtbarkeit“, “Durch Wände gehen” und im bereits erwähnten “Anstarren” von Ziegen, um diese mittels “geistiger Beeinflussung” zu töten. Die Geschichte der dort ausgebildeten “Jedi Warriors” erzählt Journalist und “Them – Adventures with Extremists“-Erfolgsautor Jon Ronson ausführlich in seinem grossartigen Buch “The Men Who Stare At Goats“; welches übrigens auch als Inspiration für den gleichnamigen Hollywoodfilm fungierte, der allerdings leider nur sehr wenig mit Ronson’s Untersuchungen zu tun hat.

Zum Schluss möchte ich unbedingt noch zwei Autoren erwähnen, die man, falls man sich für die bis dato wenig bekannte okkulte Geschichte des Militärs interessiert, unbedingt lesen sollte. Zum einen ist das Ernst Meckelburg, dessen inzwischen leider nur noch antiquarisch erhältliche Werke “Geheimwaffe PSI” und “PSI-Agenten – Die Manipulation unseres Bewusstseins” trotz ihres Alters bis heute beide als Standardwerke zu der übersinnlich-militärischen Forschung in den USA, vor allem aber in der ehemaligen UdSSR gelten. Meckelburg berichtet ausführlich über Themengebiete, deren Umfang und Komplexität den Rahmen meiner Blogartikel eindeutig sprengen würden; so erfahren wir in seinen Büchern alles über Hypno-Waffen, Astralprojektionen im Feindeinsatz, Prägognitive Spionage und noch exotischere Angriffstechniken wie “Pyrokinese” (Das menschliche Bewusstsein als Brandstifter).

Und wem diese kleine Themenauswahl noch immer zu wenig phantasievoll erscheint, dem empfehle ich wärmstens das im Jahr 2000 erschienene Buch “The Psychic Battlefield” von W. Adam Mandelbaum. Aus diesem grossartigen Werk möchte ich abschliessend eine kleine Textstelle zitieren, die sich mit der Gefährlichkeit der russischen PSI-Experimente beschäftigt: “A report on the ‘Military Development of Remote Mind Control Technology’ by scientist Turan Rifat, claims, ‘There is reason to believe that their (Russian) research in the biophysical domain became so advanced that they opened doorways to other continuums and themselves fell prey to malevolent forces.’ This idea is possibly borrowed from the reported claims of a retired former Pentagon analyst, Lieutenant Colonel Thomas E. Bearden. Internet sources report that Bearden claims that Soviet psychic experiments aroused the collective unconsciousness of man, an entity he calls ‘Zarg’. Zarg is an extradimensional entity and to date has not yet posed for any publicity pictures”.

Zarg?

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PS: Mir ist gerade aufgefallen, dass ich vor lauter Para-Schmara auf den Uri Geller vergessen hab :) Ich werde mich zu gegebener Zeit mal in einem eigenen Artikel mit unserem Lieblings-Löffelbieger beschäftigen.

Hier noch ein paar weiterführende Links:

Das Manual des First Earth Battalion.

Das hat sogar eine eigene Homepage!

Auch Jim Channon hat natürlich eine.

Und hier die Webpräsenz von Elmar R. Gruber.

Neues aus Obskuristan

Hallo zusammen,

Leider verschiebt sich der Erscheinungstermin des 2. Teils der “PSI-Superhelden und Para-Spione” – Serie aus derzeit akuter Zeitknappheit eures Docteurs ein wenig weiter nach hinten, ich bitte um Nachsicht!

Dafür gibt es ein paar Neuigkeiten rund um dieses Blog hier zu berichten. Im Printbereich tut sich was – für die nächste Ausgabe der genialen Zeitschrift “Rokko’s Adventures” (die Tarek und mich kürzlich interviewt hat) wurde ich gebeten, einen ausführlichen Artikel zu verfassen; über das Thema wird noch nachgedacht, aber die Richtung ist klar definiert: Wissenschaftlicher Anspruch und Wahnsinn! Sehr sympathisch, diese Leute.

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Das “spirituelle HochglanzmagazinWelt der Esoterik wird in seiner neuen Ausgabe im Februar einen Artikel aus der hier vieldiskutierten Parallele Dimensionen-Reihe veröffentlichen, was mich natürlich sehr ehrt – demnächst beim Zeitschriftenhändler eures Vertrauens erhältlich.

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Und ein lokaler Radiosender hat kürzlich um eine regelmässige Sendung meinerseits angefragt – was bedeutet, dass der schon lang angedachte Obskuristan-Podcast in absehbarer Zeit endlich Gestalt annehmen könnte. Wie ich das zeitlich schaffen werde, weiss ich noch nicht, da ich ja oftmals wegen meiner zwei Dayjobs kaum dazu komme, regelmässig Artikel zu schreiben, aber irgendwie muss sich das ausgehen. Ein möglicher Rhythmus wäre eine einstündige Sendung pro Monat, die dann in einem eigenen Archiv hier downloadbar wäre.

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Die österreichische Gothic-Community Gothic.at hat kürzlich meinen Artikel “Zeremonie und Chaos” auf ihre Homepage übernommen; eine nette Geste, wie ich finde. Mir gefällt die stylishe schwarze Umgebung, in dem sich mein Artikel dort befindet, übrigens unglaublich gut – besser als das Obskuristan-Design. Aber das letzte Mal, als ich hier auf Schwarz umgestellt habe, brachten mich die Proteste diverser Stammleser schnell dazu, wieder zu dem alten, besser lesbaren Boardstyle zurückzukehren.

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Eine Mitteilung noch zu Thema CROPfm: Sendungsmacher Tarek Al-Ubaidi hat mich im März dieses Jahres zu einer weiteren Sendung eingeladen, die sich diesmal ausschliesslich mit dem Thema Obskuristan befassen wird. Und als Special Guest wird (wenn alles klappt) ausserdem noch Matrix2012, Buchautor und fleissiger Blogposter mit dabei sein. Cool!

Bis demnächst in diesem Theater,

euer Docteur.

In den 1970er-Jahren machte meine Familie im Sommer regelmässig Urlaub in einem der Ferienhäuser, die der Arbeitgeber meines Vaters seinen Angestellten zu billigen Preisen zur Verfügung stellte. So ein Ferienhaus hatte einen grossen Fernseher, auf dem ich zum ersten Mal voller Begeisterung Jerry Lewis- und Spencer/Hill-Filme sehen konnte; ausserdem gab es auch eine Bibliothek, welche ich als begeisterte Leseratte natürlich ausführlich plünderte.

Kleine Leseratte: Der Docteur in den 1970ern

Zum ersten Mal las ich da Science Fiction – Kurzgeschichten, die sich mir unauslöschlich eingeprägt haben. In einer der Geschichten ging es z.b. um eine überbevölkerte Erde, in der die Menschheit nach dem Zufallsprinzip äusserst kaltblütig dezimiert wurde: wenn man im Auto durch einen Tunnel fuhr, senkten sich plötzlich gewaltige Tore herunter und die so gefangenen Insassen wurden vergast. Eine andere Story handelte von einer Zukunft, in der Menschen fähig waren, die Gedanken anderer zu lesen und mittels ihrer enormen geistigen Kräfte ihren Mitmenschen auch Schmerzen zufügen oder sie gar töten konnten.

Den oder die Autoren dieser Kurzgeschichten habe ich leider trotz meiner späteren Science Fiction – Sammelleidenschaft nicht mehr ausfindig machen können. Das Konzept des PSI-Supermenschen, der zu Telepathie und Telekinese fähig ist, beschäftigte mich noch lange sehr intensiv – natürlich waren das auch Machtphantasien eines Aussenseiters, als den ich mich oft in der Schule oder im Sport erfahren habe. Viele Jahre später stiess ich auf SF-Autoren, die genau diese mit gedanklichen Superkräften ausgestatteten Menschen zum Mittelpunkt ihres Schaffens gemacht hatten. Da gab es zum Beispiel einen gewissen Pulp-Schreiber namens L. Ron Hubbard (1911 – 1986), von dem böse Zungen behaupten, sein einziger genialer (wie folgenschwerer) Gedanke sei es gewesen, mit seinen mitunter recht sadistischen SF-Allmachts-Phantasien nach und nach eine selbsterfundene Heilslehre namens “Dianetik” auszuschmücken, die dann später zu dem für Aussenseiter schwer begreifbaren Dogma der Scientology-Sekte mit “Thetanen“, “Xenu” und ähnlichen Fantasy-Mythen mutierte.

Ein genialer Einfall? L. Ron Hubbard hat Visionen...

Die Dianetik beeinflusste in den 1950er-Jahren einen Schriftstellerkollegen Hubbards, den weitaus begabteren Alfred Elton Van Vogt – oder besser gesagt: da befruchteten sich zwei Geister mit ähnlichen Intentionen. Der 1912 in Kanada geborene und 1944 in Kalifornien eingewanderte Van Vogt war ein typischer Protagonist jener überaus obskuren Welt des Kalten Krieges, deren tiefgründiger Schrecken sich in seinen Kurzgeschichten und Romanen widerspiegelte; abgesehen von der naiven Verherrlichung der Atomkraft, die wir in Grundzügen auch im Frühwerk des Foundation-Verfassers Isaac Asimov finden, wurden Van Vogts Werke bevölkert von nietzscheanischen Übermenschen; biologisch höherwertige Wesen, die mit unglaublich mächtigen parapsychischen Fähigkeiten ausgestattet waren und aufgrund ihrer Andersartigkeit von einer feindlich agierenden Umwelt gejagt wurden.

Vergessenes Genie: A. E. Van Vogt (1912 - 2000)

Das mag heute obskurantisch klingen, man sollte allerdings anmerken, das Van Vogt hochtalentiert, aussergewöhnlich und zur damaligen Zeit höchst erfolgreich war. Seine Ideen entwickelte er mit einer speziellen Technik: er erfuhr sie in seinen Träumen. In der kreativsten Phase seines Lebens zu Beginn der 1940er-Jahre unterbrach er seinen Schlaf exakt alle 90 Minuten und notierte seine Traumideen, die er dann zu Geschichten ausarbeitete. Für seine formal meisterhaften Short Stories entwickelte er eigene Grundkonzepte wie den “Nexialismus” (eine Methode, um das Verhalten Ausserirdischer zu studieren); weiters setzte er sich intensiv mit der “Allgemeinen Semantik” des polnischen Linguistikers Alfred Korzybski auseinander und verarbeitete diese in seiner legendären Null-A-Trilogie; der Begriff “Null-A” wurde von ihm im Sinne einner non-aristetotelischen Logik verwendet, dem intuitiven Verstehen im Gegensatz zu logischer Deduktion. Korzybski entwickelte übrigens einen sogenannten Anthropometer, der für den berüchtigten “Scientology-E-Meter bei der Technik des Auditing Pate gestanden haben dürfte.

Auch Tomaten brauchen Auditing: Hubbard am E-Meter

Auf dem Höhepunkt seiner Karriere brach Van Vogt seine schriftstellerische Tätigkeit im Science Fiction – Genre ab. Hubbard hatte ihn dazu gebracht, sich stattdessen mit neuartigen Hypnosetechniken zu beschäftigen (vermutlich gab es Pläne, diverse Gehirnwäsche-Techniken zu entwickeln, oder diese als Abwehr zu damals bei der CIA üblichen Mind-Control-Experimenten zu planen, dazu ein anderes Mal mehr); ausserdem gründete er eine kurzlebige Dianetik-Agentur in Los Angeles, um die neue Lehre zu verbreiten und vor allem Geld für den Guru und seine schnell wachsende Gemeinde heranzuschaffen. Es war dies ein Schritt, den Van Vogt in späteren Lebensjahren bereute: da beklagte er sich bitterlich darüber, dass er dermassen unter Druck gesetzt wurde, sodass ihm nichts anderes übriggeblieben sei, als sich von Hubbard zu distanzieren – auch, weil die Dianetik in die “Scientology-Kirche” umgewandelt wurde und immer deutlicher sektiererische Züge annahm, was Van Vogt missfiel.

Berühmter Van Vogt-Schüler: Phillip K. Dick

In seiner zweiten Lebenshälfte versuchte er verzweifelt, an seine früheren Erfolge anzuknüpfen. Seine Kurzgeschichten und Romane wurden qualitativ schlechter und auch seltsamer, vermutlich eine Vorahnung der Alzheimer-Krankheit, die ihn von den 1990er-Jahren an bis zu seinem Tod im Jahr 2000 gnadenlos nach und nach seiner geistigen Kräfte beraubte. Heute ist Van Vogt vollkommen vergessen, seine Werke nur noch über Antiquariate zugänglich. Ich bin den früheren deutschen Ausgaben seiner Bücher im über Jahre hinweg nachgejagt und zähle die teuer erstandenen, abgegriffenen und vergilbten Taschenbücher zu den Schätzen meiner Bibliothek. Aufmerksam auf diesen Autor wurde ich übrigens durch seine Erwähnung in der Sutin-Biographie über Phillip K. Dick: der Meister zählte ihn zu seinen wichtigsten Einflüssen und wenn man das Dick’sche Frühwerk liest, kann man den Einfluss Van Vogts auch recht gut darin erkennen.

Heissgeliebt: meine Van Vogt-Sammlung

David Cronenberg setzte sich mit 1981 mit dem Konzept des PSI-Supermenschen auseinander. In seinem Film “Scanners” lässt er zwei durch sinistre Experimente veränderte Supermenschen zum ultimativen Kampf good vs. evil antreten; seine Protagonisten besitzen die Fähigkeit, ihre Umgebung in Brand zu setzen sowie die Köpfe ihrer Feinde platzen zu lassen, was dem Regisseur natürlich jede Menge Gelegenheiten verschaffte, für (damals als furchterregend angesehene) Splatter-Effekte zu sorgen. Aber, man sollte “Scanners” nicht als blosses Horror-B-Movie abtun, denn irgendwie schwebt über dem ganzen Film ein bösartiger, für das Frühwerk des Regisseurs typischer Subtext, der für spürbares Unwohlsein des Zusehers über die ganze Filmlänge sorgt.

Bösartige PSI-Kräfte: Szene aus David Cronenberg's "Scanners"

Der US-Geheimdienst CIA scheint sich in den 1950er-Jahren bei den oben erwähnten Science Fiction – Autoren auf jeden Fall Inspirationen geholt zu haben, um gegen den ehemaligen Alliierten und neuen Todfeind UdSSR zumindest strategische Vorteile zu sammeln; denn da der Krieg gegen Russland ein Kalter Krieg war, hatten diverse Herren in hohen Machtpositionen Zeit und Musse, um über neue Wege nachzudenken, wie man der neuen Bedrohung aus dem Osten Schaden zufügen könnte.

Der "kälteste aller kalten Krieger" : Allen Dulles

Einer derjenigen, der seine Gedanken um zukünftige Spionage-Strategien gegen Russland schliesslich in streng geheime Vorhaben umsetzte, war der oberste CIA-Chef Allen Dulles, der später mit dem zweifelhaften Ehrentitel finsterster aller Kalten Krieger” versehen wurde. 1953 initiierte er MKULTRA, ein erst in den 1970er-Jahren durch den Freedom of Information Act und eine entsprechende Untersuchungskommission aufgedecktes Projekt zur Erforschung von “Bewusstseinskontrolle“, welches nach dem Vorbild skrupelloser Naziärzte in den Konzentrationslagern des Zweiten Weltkriegs furchtbare Experimente an meistens ahnungslosen Opfern durchführte, um mittels Gehirnwäsche und Drogenbeeinflussungperfekte Attentäter” zu erschaffen. Wie heute bekannt ist, brachten von der CIA angeheuerte Dealer in den frühen 1960er-Jahren Psychodrogen wie LSD unter der amerkanischen Jugend in Umlauf; die damals aufkommende Bewegung der “Blumenkinder” eignete sich perfekt als unfreiwilliges Testlabor.

Zauberkünstler und CIA-Mitarbeiter: John Mulholland

Über das Zeitalter des Hippie-Movements als gigantisches Feldexperiment der CIA wurde in diesem Blog schon an anderer Stelle ausführlich berichtet. Ein weiteres wichtiges Anliegen von Allen Dulles war es, seine Feldagenten mittels “Tricks” zu effektiven Killern zu machen. Dafür brauchte er eine Art Daniel Düsentrieb und engagierte einen damals berühmten Zauberkünstler namens John Mulholland, der die Zeitschrift “The Sphinx” herausgab und ausserdem ein renommierter Sammler von Zauberbüchern und entsprechenden Requisiten war; seine Hinterlassenschaft befindet sich heute Besitz von David Copperfield. In den Jahren nach 1953 entwickelte Mulholland in Zusammenarbeit mit der berüchtigten Special Operations Division in Fort Detrick tödliche Gimmicks wie vergiftete Zahnpasta, mit Sprengladungen präparierte Zigarren oder mit giftigen Sporen versetzte Taschentücher – wie man aus den heute bekannten zahllosen fehlgeschlagenen Attentaten auf Fidel Castro zu Beginn der 1960er-Jahre weiß, waren die entsprechenden CIA-Agenten jedoch nicht fähig, diese speziellen Trickwaffen effektiv einzusetzen.

Märtyrer? Frank Olson (1910 - 1953)

John Mulholland scheint auch Kontakt zu dem 1953 (was für ein finsteres Jahr!) durch einen mysteriösen Fenstersturz in New York zu Tode gekommenen Biophysiker Frank Olson gehabt zu haben, da man bei Olsons Leiche ein Taschentuch mit seinen Initialen fand (Quelle) – mehr zu der Geschichte des bemitleidenswerten Frank Olson kann man bei Interesse hier nachlesen. Mulholland spielte zumindest zu Beginn eines weiteren wichtigen Unterfangens von Allan Dulles eine wichtige Rolle: er wurde von diesem beauftragt, ausgewählte Kanditaten auf ihre PSI-Fähigkeiten zu untersuchen. Obwohl der ehemalige Zauberkünstler bei diesem Vorhaben später nicht mehr aktiv mitgewirkt zu haben scheint, markieren seine Untersuchungen doch einen wichtigen Wendepunkt in der Geschichte der CIA: die Schaffung einer eigenen Einrichtung für Spione mit “übersinnlichenFähigkeiten, die schliesslich jene Technik hervorbrachte, die man heute gemeinhin als Remote Viewing bezeichnet – das gezielte Fernwahrnehmen feindlicher Ziele.

Geeignete Probanden wurden in unter höchster Geheimhaltungsstufe am Stanford Research Institute in Kalifornien getestet; finanziert wurden die Experimente aus geheimen Fonds der CIA und der US-Army, die sich ebenfalls für derart “esoterischeKonzepte zu interessieren begann. Die besten Ergebnisse in den Auswahlverfahren erzielte ein Hellseher namens Ingo Swann, dem es möglich gewesen sein soll, “versteckte Gegenstände in Kisten” und sogar damals noch nicht entdeckte Jupitermonde im Rahmen einer “Out of Body – Reise wahrzunehmen.

Swanns Erfolge sowie die seiner Kollegen bzw. Nachfolger Paul H. Smith, Lyn Buchanan, Joe McMoneagle und Ed Dames sind bis heute umstritten, da ausser ihren eigenen Prahlereien in zahlreichen Autobiographien keine objektiven Belege für ihre “Trefferquote” existieren. Besonders Ed Dames beschädigte durch falsche Hinweise auf die angeblichen Verstecke von US-feindlichen Terroristen sowie durch absurde, zum Glück nicht eingetroffene “Visionen” von Weltuntergangsszenarien wie “verseuchter Milch“, im “Wüstensand versteckten schwangeren Marsianern” sowie einem ominösen Pflanzenvirus, das angeblich durch den Kometen Hale-Bopp eingeschleppt worden sei (Quelle) seine Reputation und die seiner Kollegen nachhaltig.

Nachdem interne Untersuchungen ergaben, dass die Trefferquote der “Para-Spione” alarmierend niedrig war, wurde zu Beginn der 1990er-Jahre den letzten der zahlreichen PSI-Geheimprojekte wie z.b. “Stargate” der Geldhahn abgedreht; die arbeitslosen Remote Viewer engagierten sich daraufhin in der Remote Viewers Association, gründeten Privatfirmen wie Psi Tech, um ihre Dienste künftig privat anzubieten und schrieben, wie bereits erwähnt, ihre Autobiographien, in denen sie sich ihrer Erfolge rühmten. Trotz der vielen offensichtlichen Pleiten wurden übrigens alle diese vermeintlichen “Superspione” ab 2001 im Rahmen des “War on Terror” wieder in ihren alten Jobs eingesetzt.

Höchst interessant finde ich übrigens, dass Ingo Swann in den 1970er-Jahren Scientology-Mitglied war und dort auch das höchst erreichbare Level (Operating Thetan) innehatte – das muss für den damals noch lebenden L. Ron Hubbard wohl die Erfüllung all seiner Science Fiction – Wunschträume gewesen sein…

***

Soweit der erste Teil unseres Streifzugs durch die seltsame Welt der Visionen von übersinnlichen Supermenschen und den eher vergeblichen Versuchen der CIA, Spione zu ebensolchen zu machen. Im zweiten Teil dieses Specials beschäftigen wir uns mit der russischen Seite der PSI-Spionage, weiters mit den Psychic Warriors der US-Army, mit Michael Echanis, dem “gefährlichsten Mann der Welt” und last but not least mit Eso-Kasper Uri Geller, der in Wirklichkeit vielleicht ein höchst effektiver US-Superspion sein könnte.

Demnächst auf Obskuristan!

The All Seeing Eye

Im letzten Obskuristan-Artikel habe ich kurz über den Fotoapparat als “alles sehendes Auge” spekuliert; als Möglichkeit, einen unbestechlichen Blick in Dimensionen zu werfen, die unserem Tagesbewusstsein durch zahlreiche Filter (Implantate, wie sie die Wesenheit Kryon genannt hat) nicht zugänglich sind – lass uns diesen Gedanken heute mal etwas weiterspinnen.

Vermutlich bereits seit der Erfindung der Fotografie (und besonders seit dem Aufkommen der Digicam) existiert eine Art “Foto-Underground” mit verstörenden Bildern, die zeigen, was eigentlich nicht sein kann, ja nicht sein darf: da ist plötzlich die verstorbene Omi oder der längst verblichene Grossvater auf harmlosen Familienaufnahmen zu sehen, da sind mitten in Gruppenporträts auf einmal rätselhafte Personen abgebildet, von denen sämtliche Beteiligten schwören, dass sie während der Aufnahme nicht zugegen gewesen wären; da verunstalten seltsame Licht- oder Nebelphänomene verschiedenster Art die Schnappschüsse von Hobbyfotografen.

Berühmtes Foto: Raynham Hall, England, 1936

Schon früh bildeteten sich urbane Legenden darüber, was auf solchen Fotos zu sehen ist: die Toten sind es, die (anscheinend mit grosser Verzweiflung oder Sehnsucht, auf jeden Fall mit Beharrlichkeit) eine Verbindung zu der Welt der Lebenden suchen und natürlich auch die vielzitierten, sogenannten erdgebundenen Seelen, die an unzähligen Orten mit oder ohne besondere Bedeutung anzutreffen sind, verirrte Geister mit dem Wunsch nach Einflussnahme auf die Angelegenheiten der Menschen.

"Engelwesen", aufgenommen während der Messe in einer englischen Kirche

Modernere Interpretationsmöglichkeiten von unerklärlichen Phänomenen auf Fotos gibt es auch: es könnten “Engel“, sein, “Geistführer” oder “Aufgestiegene Meister” (eine vor allem seit dem Aufkommen der “Orbs” in Eso-Kreisen beliebte Glaubensüberzeugung), ausserdem könnte man meinen, die Kamera gebe zufällige Einblicke in die Überlappungen paralleler Dimensionen. All diesen alten und neuen Hypothesen ist eines gemein: sie nehmen den Fotoapparat als unpersönliche, vollkommen objektive Instanz als Voraussetzung zur Abbildung übersinnlicher Phänomene an.

Montage von Stefan Tomanek, stefans.datenbruch.de

Bei diesen Annahmen wird jedoch derjenige vergessen, welcher das technische Hilfsmittel, die Kamera, bedient. Denken wir an die in der Quantenphysik so revolutionäre “Kopenhagener Deutung” oder an Schrödingers Katze, wissen wir, welch fundamentale Bedeutung ein Beobachter samt seinen Erwartungen an den Ausgang eines Experiments hat; als “Experiment” könnte man ja genausogut auch den Vorgang des Fotografierens betrachten.

Der Medienphilosoph Vilém Flusser hat einmal geschrieben: “In der Malerei bilden wir [...] selbst eine “Idee”, um das Phänomen auf eine Oberfläche zu bannen. In der Fotografie dagegen erzeugt das Phänomen seine eigene Idee für uns auf einer Oberfläche.” (*) Dies würde bedeuten, dass der Fotograf ungewöhnlicher Phänomene diesen erst durch seine Erwartung Sinn verleiht, ja sie durch diese Erwartung überhaupt erst selbst erzeugen könnte.

Vilém Flusser

Nun könnte man einwenden, dass die meisten Fotografen ja vollkommen andere Intentionen hatten, als ein “Geisterphänomen” auf Film zu bannen; der starke Impuls zur Realisierung einer ungewöhnlichen Erscheinung könnte allerdings auch vollkommen unbewusst ablaufen. Hier könnte man eine Parallele zu sogenannten “Foppgeist-” oder “Poltergeist-Phänomenen” ziehen, die seit vielen Jahren von aufgeklärteren Zeitgenossen nicht mehr im Rahmen des “Geistermodells“, sondern psychologisch gedeutet werden.

Ein Poltergeist räumt um...

In den meisten Fällen von herumfliegendem Geschirr, Klopfzeichen oder ähnlichen Phänomenen entpuppen sich deren “Erzeuger” als un- oder unterentwickelte Persönlichkeiten, oftmals z.b. sind es pubertierende Teenager, deren altersbedingte Unfähigkeit, sich dem “Erwachsenwerden” zu stellen, eine unbewusste, unglaublich starke Energie erschafft, die zu Telekinese und ähnlichen, als “Geistererscheinungen” wahrgenommenen Erscheinungen führen kann.

Der berüchtigte "Enfield Poltergeist" hob sogar seine Opfer in die Luft - im Zentrum der Geschehnisse: zwei pubertierende Schwestern

Nimmt man eine solche “psychologische” Erklärung als gegeben hin, muss man sich natürlich gleichzeitig fragen, ob die “materielleSichtweise, uns allen lebenslang eingeimpft durch Kirche, Staat und traditionelle Wissenschaft, heute wirklich noch Bestand hat – vermutlich ist der Mensch zu viel Grösserem fähig, als er sich in seinem Glaubenssystem gemeinhin zutraut. Er kann zum Beispiel “gezielte menschliche Absicht in einem tiefen, meditativen Zustand auf ein einfaches, elektrisches Gerät übertragen“, wie der Stanford-Physiker Dr. William A. Tiller das in zahlreichen Experimenten schlüssig bewiesen hat.

Dr. William A. Tiller

Tiller lernte Mitte der 1970er-Jahre einen Mann namens Stanislav O`Jack kennen, dem es unmöglich war, “normale” Fotos zu schiessen. Sobald er jenes versuchte, waren auf den entwickelten Bildern nämlich zusätzlich “schlangenartige Lichtröhren“, “Kondensstreifen” oder seltsame “bananenartige Strukturen” zu sehen. O`Jack konnte diese Fähigkeit auf jede beliebige Kamera übertragen, dazu musste er sie nur ein paar Tage am Körper tragen – die Fotoapparate hatten die Fähigkeit zu solch aussergewöhnlichen Fotos übrigens auch noch ein paar Tage danach, selbst wenn sie von anderen Personen bedient wurden.

Tiller untersuchte O`Jacks Fähigkeiten unter Laborbedingungen und kam zu dem Ergebnis, dass Fotoapparate durch das “Biofeld” seiner Versuchsperson “sensibilisiert” wurden und “Zugang zu anderen Realitätsebenen erhielten“; er veröffentlichte seine Untersuchungsergebnisse später in dem Buch “Science and Human Transformation“.(**).

Ted Serios und eines seiner "Gedankenfotos"

Noch extremere Fähigkeiten im Bezug auf Fotografie hatte der aussergewöhnliche Ted Serios (1918 – 2006): Dem ehemaligen Hotelpagen gelang es, “Gedankenphotographien” auf Fotopapier zu bannen, entweder, indem ihm ein Motiv gezeigt wurde, welches er dann in seiner Vorstellungskraft “nachbildete” oder gänzlich aus seiner Vorstellungskraft heraus. Bizarrerweise musste Serios immer betrunken sein, um erfolgreiche Ergebnisse vorweisen zu können – man könnte mutmassen, ob der Alkohol die Funktion des Blockadebrechers für den Zensor seines logischen Verstandes übernehmen musste – Serios stellte seine Fähigkeit jedenfalls immer wieder unter strengen Sicherheitsvorkehrungen unter Beweis.

Verstörend: Mädchen blickt aus brennendem Gebäude - Experten untersuchten die Aufnahme und fanden keine Manipulationen

Die geschilderten Beispiele sind aussergewöhnliche Einzelfälle, gewiss – sie sind aber auch gute Beispiele dafür, zu welch für uns “übersinnlich” erscheinenden Ergebnissen der Mensch fähig ist. Ich stelle mir vor, dass wir, ohne es bewusst zu merken, oftmals (vermutlich aber eher ständig) “Resonanzfelder” erzeugen, in die wir nicht nur die passenden Ereignisse unseres täglichen Lebens ziehen, sondern damit auch andere Wesenheiten oder Lebensformen (Geister, Seelen etc.) “anlocken”, deren Erscheinungen auf diversen Fotos dann zu den eingangs erwähnten “unerklärlichen” Erscheinungen führen; da eröffnet sich ein weites und faszinierendes Feld für Spekulationen.

Bei den Beweisstücken sollte man eines nicht vergessen: dass vermutlich über 90 Prozent dieser sogenannten “Geisterfotos” mehr oder weniger gelungene Fälschungen sind – die wenigen dann übrigbleibenden Fotografien, bei denen dieses nicht zuzutreffen scheint, sind dafür allerdings umso rätselhafter.

Mein persönlicher Favorit: Aufgenommen von einem Ehepaar während eines Urlaubs in Südengland - eine Dimensionsüberlappung?

***

(*) zitiert aus:  Silvia Wagnermaier und Nils Röller: “absolute Vilém Flusser“, Orange Press 2009

(**) zitiert aus:  Miceál Ledwith und Klaus Heinemann: “Das Orb Projekt – Auf der Suche nach Energiephänomenen mit Digitalfotografie”, Goldmann Verlag 2008

Obskuristan bei Facebook

Lange habe ich mich dagegen gewehrt, letztendlich aber jeden Widerstand aufgegeben und so bin jetzt auch ich Mitglied bei Facebook geworden. Für Obskuristan-Leser zumindest bedeutet das einen Mehrwert, denn auf der entsprechenden Seite werdet ihr des öfteren kleinere Artikel, Fotos, Videos etc. finden, die hier keinen Platz haben und ihr könnt euch natürlich auch aktiver als hier an diversen Diskussionen beteiligen. Also, dies ist eine unverschämte Mitgliederwerbung!

Hier klicken, um Mitglied der entsprechenden Gruppe zu werden.

Hintergrundmusik: Gibt es diesmal auch wieder. Nichts passt besser zu einem Artikel über Träume als das feine Gespinst impressionistischer Musik; ihr hört das Andante aus Karol Szymanowski’s 4. Symphonie. Ergebt euch dem fremden Zauber!

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Träume sind Schäume” – nie war ich von der Unwahrheit einer Binsenweisheit mehr überzeugt als von dieser, vor allem seit ich vor längerer Zeit durch die Botschaften der geistigen Entität Seth endgültig von der objektiven Realität der Traumwelt überzeugt wurde.

Aussagen von Seth zu diesem Thema gibt es viele, ein bisschen was davon habe ich anno dazumal schon in meinem Artikel “Streiflichter” angerissen – da ging es um Seth’s Darstellung der Traumwelt als einer dem “Tagesbewusstsein” vollkommen gleichwertigen Realitätsebene, in der wir während unserer Schlafperiode jede Menge zu tun haben: in Schulungen durch Geisthelfer gewinnen wir neue Erkenntnisse, planen und reflektieren Ereignisse in unser Tageswelt, leisten anderen Seelenwesen Hilfestellung und besuchen unsere verstorbenen Gefährten.

Seth spricht durch Medium Jane Roberts

Seth spricht durch Jane Roberts

Die Sache ist bloß die: im dualen Paradigma besitzt unser Selbst sozusagen zwei eigenständige Wesenheiten, die sich im “unerleuchtetenZustand gegenseitig nicht zu kennen scheinen, und jeder dieser Bewusstseinssplitter nimmt an, er sei der alleinige Chef. Unserem Tagesbewusstsein ist es ja oftmals sehr unheimlich, was wir da im Traum so treiben. Laut Seth ist unserem Traumselbst allerdings der “Tagesboss” mit seiner linearen, materiellen Sichtweise ebenso suspekt.

Diese Aussage ist übrigens ein gutes Beispiel dafür, warum ich Seth so verehre. In seinen Weitergaben sind es oftmals auf den ersten Blick nicht sonderlich auffällige Äußerungen, die, einmal gelesen, in mir plötzlich auf eine Hupe drücken und dabei jenen “Sense of Wonder” auslösen, der meine Hirnwindungen rotieren lässt und mich letztendlich dazu treibt, hier den einen oder anderen Artikel zu schreiben. Diese plötzlich auftretenden, anderen Blickwinkel sind es vermutlich, die er ganz bewusst in seinen Weitergaben lanciert; eine Art von “Reality Interruption“, die einen innehalten und kurz aus dem illusionären Strudel des vermeintlichen täglichen Lebens auftauchen lässt.

Frederick E. Dodson

Reality Interruption” – ein gutes Stichwort; da kommen wir nämlich zu jemandem, der diesen Begriff in seinen zahlreichen Reality Creation – Lehrbüchern oftmals einsetzt und der unglaublich viel mit Träumen am Hut hat: Frederick E. Dodson, ein in Deutschland lebender Amerikaner, eine Institution, wenn du wissen willst, was zur Hölle eigentlich wirklich über oder hinter dieser angeblich so unveränderlichen Realität steckt. Für Psychonauten (und solche, die es werden wollen) hat Dodson im Bohmeier-Verlag Werke zu jedem Aspekt verfasst, der für eine Reise über die materielle Welt hinaus wichtig ist: Neben der erwähnten “Reality Creation” (eine wunderbare Alternative zu den gängigen LOA-Büchern) ist er ein richtiggehendes Auskunftsamt zu Astralexpeditionen, Zeitreisen, Highs ohne Drogenkonsum und eben zu der Technik des luziden Träumens.

Jenes “Klarträumen” nämlich wäre die beste Möglichkeit, um ein informatives “Meet & Greet” zwischen unserem Tagesbewusstsein und unserem Traumselbst zu arrangieren. Der Begriff “Klartraum” erklärt sich praktisch von selbst: wer das luzide Träumen beherrscht, ist nicht mehr Spielball der oftmals absurd wirkenden Situationen, in die wir im Traumgeschehen immer wieder zu geraten scheinen (wenn wir uns nach dem “Erwachen” denn überhaupt an sie erinnern) – mit der bewussten Steuerung der Traumrealität kann man Fähigkeiten trainieren, auf die das Tagesbewusstsein dann zugreifen kann; Ängste, Sehnsüchte, Aggressionen, all das kann gefahrlos ausagiert werden.

Das hat den Vorteil, dass uns das Unbewusste dann nicht mehr wie ein riesiges unbekanntes Tier erscheint, dessen ungestillte Triebe unser so wohlgeordnetes Leben jederzeit überfallen und ins Wanken bringen können. Und wem (so wie mir das nach dem Tod meines Vaters passierte) einmal die Gnade zuteil wurde, sich an eine Begegnung mit einem seiner verstorbenen Seelengefährten erinnern zu können, der wird durch luzides Träumen die Möglichkeit haben, dies gezielt und mit bewußter Erinnerung daran erleben zu können; ein unschätzbarer Beweis für unsere Weiterexistenz nach der Auflösung des materiellen Körpers.

In seinem Buch “Illumination des Träumens” beschreibt Dodson unzählige Techniken, um das Klarträumen zu üben und so zum Oneironauten zu werden. Viele der Übungen haben allerdings mit der absichtlichen Unterbrechung der Nachtruhe zu tun und sind deswegen für grundsätzlich schlechte Schläfer (so wie ich einer bin) nicht sonderlich geeignet – mir gefällt am besten eine Technik, die der (erfundene oder tatsächlich existierende) Schamane Don Juan in einem von Carlos Castaneda’s zahlreichen Büchern einmal erklärt hat – vor dem Einschlafen soll man sich darauf konzentrieren, im Traum seine Hände anzusehen. Das klingt einfach, ist aber in Wirklichkeit ein unglaublicher Willensakt; wer diese Geste im Traum bewußt ausführen kann, dem ist auch andere willentliche Gestaltung seiner Traumumgebung möglich.

Nicht verwechseln sollte man allerdings das Klarträumen mit dem Astralreisen, obwohl das eine vermutlich einer der Auslöser für das zweitere sein könnte. Der Unterschied (da kann ich allerdings auch nur spekulieren) dürfte darin liegen, dass den astralen Welten bestimmte Gesetzmässigkeiten innewohnen, denen sich der Reisende zu beugen hat (siehe dazu die Bücher von Monroe), während man die Gesetze der Traumdimension als deren Erschaffer logischerweise alleine bestimmt, wenn man die erforderlichen Techniken beherrscht.

Nach exzessiver Comic-Lektüre hatte ich einmal einen unglaublich lebhaften Traum, in dem ich mittels “Lasergun” auf Geisterjagd war; die “Geister” konnte ich als sich bewegende Punkte auf einem tragbaren Display verfolgen. Kurz darauf stellte sich ein mächtiges Brausen ein, von dem ich ruckartig erwachte; ich merkte, dass mich etwas mit grosser Gewalt “nach unten” zog, obwohl sich mein Körper scheinbar nicht bewegte – so scheint mein Traumszenario zu einer Art Astralwanderung oder zumindest zum Beginn einer solchen geführt zu haben (mehr dazu hier).

Auch eine Art von Paradies: Entenhausen

Comics vor dem Einschlafen zu lesen scheint sowieso eine besondere Art von “Trigger” zu sein – nach wie vor mein allerschönster Traum bis heute ist derjenige, als ich zu der Zeit der kindlichen Faszination der “Lustigen Taschenbücher” einmal Entenhausen besuchen durfte; ich kann mich noch heute lebhaft an mein unglaubliches Glücksgefühl nach dem Erwachen erinnern. Viele Jahre später haben sich Comics (nicht zuletzt dank der Existenz des Vertigo-Verlags und mythischer Autoren wie Alan Moore, Grant Morrison und Neil Gaiman) zu “Graphic Novels” weiterentwickelt, die sich ausschliesslich an ein erwachsenes Publikum richten, inzwischen endlich auch als Kunstform anerkannt sind und die einen in Welten entführen, die man so weder in Büchern noch im Kino finden kann.

Die heilige Trinität der Graphic Novels: Moore, Morrison, Gaiman

Das liegt vermutlich daran, dass die Rezeption von Comics eine andere ist – ich bin kein Spezialist in diesen Dingen, könnte mir aber vorstellen, dass Comics unsere beiden Gehirnhälften anders oder intensiver fordern als zum Beispiel die Lektüre eines Buchs. Ich will da nichts gegeneinander auf- oder abwerten, habe aber festgestellt, dass Comiclesen zu intensivsten Traumerlebnissen führt, wo man die aufgenommenen Szenarien weiterträumt oder sie als Rampe benutzt, um in eine eigene Traumkreation abzutauchen. So habe ich seit einigen Wochen den Habitus entwickelt, mich (gerne auch under the influence) des Nächtens früher als sonst ins Bett zu legen und bis zum Moment totaler Ermüdung Comics zu lesen, mit wunderbaren Ergebnissen in meinem Traumgeschehen.

Perfekt geeignet dafür ist übrigens eine ganze Serie von Graphic Novels namens “Sandman“, erdacht von “American Gods” und “Coraline” – Schöpfer Neil Gaiman. Inhaltlich geht es um, ja genau, Träume – Gaiman hat einen alten Superhelden umgedeutet, mit der Mythologie des uns als Kindern wohlbekannten “Sandmännchens” vermischt und unter Zugabe eigener Ideen eine unglaublich starke Persönlichkeit namens “Morpheus” (“Dream“) erschaffen, den Herrn der Träume, dessen Wirken und Motive ebenso faszinierend wie unergründlich sind, und dessen Reich natürlich auch ein unendliches ist. Zahlreicher Stoff also für die 10-bändigeSandman” – Saga samt etlichen Spinoffs; damit hat Gaiman nichts weniger als eines der komplexesten Meisterwerke zum Thema in der Comicliteratur, ja vielleicht in der Literatur überhaupt geschaffen. “Sandman” wurde auch vollkommen zu Recht bereits mehrfach mit wichtigen Auszeichnungen bedacht.

Bleibt zum Schluss die faszinierende Frage, ob es irgendwann eine Möglichkeit geben wird, Träume mit einer Art TV-Kamera aufzeichnen zu können – also mit einer Art von unbestechlichem, unpersönlichen Aufnahmegerät wie es z.b. der Fotoapparat ist, der gerade in seiner digitalen Inkarnation oftmals Phänomene festhält, welche uns (zum Glück?) von den zahlreichen Filtern unseres Tagesbewusstseins vorenthalten werden – in welche Geisterwelten oder parallelen Dimensionen könnten wir ohne diese Filter wohl blicken? Und in welche abgründigen Reiche würden uns Aufzeichnungen unserer Träume entführen? Laut einem Artikel im “Spiegel” ist der Tag nicht mehr allzu weit entfernt, an dem es den Wissenschaftlern möglich ist, via Messung und “Übersetzung” der Gehirnströme unsere Träume quasi sichtbar zu machen – wie das genau funktionieren soll, könnt ihr hier nachlesen.

Liebe Jungs und Mädels! Um euch die Wartezeit auf den nächsten Obskuristan-Artikel zu verkürzen (keine Sorge, er ist demnächst fertig), hier ein wenig hochkarätiger Lesestoff: es handelt sich um ein Interview, welches CROPfm-Macher Tarek Al-Ubaidi und meine Wenigkeit vor geraumer Zeit Daniel Krcal für seine Reihe “Die Paranoia-Chroniken” in der Wiener Zeitschrift Rokko’s Adventures gegeben haben.

Also: Wer wissen will, was wir zu den Themen Illuminaten, MKULTRA, HAARP, Bilderberger, FED, Jan Van Helsing, Chemtrails und ähnlichem zu sagen oder nicht zu sagen hatten, sollte sich das Interview zu Gemüte führen, welches mir von Herausgeber Herrn Rokko grosszügigerweise als PDF-Datei zur Verfügung gestellt wurde.

Hier zum Download bereit.

Übrigens finde ich, man sollte sich Rokko’s Adventures sowieso unbedingt am Kiosk kaufen oder im Internet bestellen: Es ist nämlich eine sehr ästhetisch aufgemachte Zeitschrift, die sich mit grösster Sorgfalt und Liebenswürdigkeit den mitunter allerabseitigsten Themen widmet. Ein frech glitzerndes Juwel im Misthaufen des heutigen Mainstream, sozusagen.

Die psychokinetischen und Materialisationserscheinungen stellen die Gültigkeit der entsprechenden physikalischen Erhaltungssätze in Frage. Insgesamt bricht das verläßlich geglaubte Gefüge der angeblich realen, objektiven Außenwelt-Wirklichkeit zusammen und erweist sich als bestenfalls intersubjektives, tatsächlich je eigenes persönliches psychisches Konstrukt.

Das Ursache-Wirkungs-Schema versagt bereits bei geschlossenen Kreisläufen, in denen jedes Glied ‘gleichzeitig’ Ursache und Wirkung ist. Jede gedankliche und experimentelle Trennung stört bzw. zerstört den Ablauf. [...]

Die Einordnung jener menschlichen Erlebnisse, die im spiritistisch/spiritualistischen Sinn als medial und hier als transkommunikativ verstanden werden, stößt auf weitere Schwierigkeiten. Während telepathische Kommunikationspartner als lebende Menschen identifizierbar sind und die Korrektheit einer Fernwahrnehmung auf normalen Wegen kontrolliert und eventuell verifiziert werden kann, erscheinen die jenseitsbezogenen Äußerungen eines Mediums zunächst als dessen nicht nachprüfbare subjektive Produktionen.

Gegebenenfalls ‘dahinterstehende’ Verursacher (Quellen, Entitäten, TW, ‘Extraterrestrier’, komplexe Informationsstrukturen) sind nicht unmittelbar erkennbar. Der ‘Animist’ beharrt auf seiner reduktionistischen Behauptung, das Medium selbst, begabt mit sonst niemals beobachteten extremen ’supertelepathischen’ Fähigkeiten, sei der unbewußt dramatisierende Erzeuger der TI, oder er nimmt teilautonome ‘Spaltpersönlichkeiten’ an.

Dagegen akzeptiert der ‘Spiritist’ in weitgehender Übereinstimmung mit den Formen und Inhalten der Botschaften und Dialoge die Existenz unabhängiger TW, die über oder durch das Medium als (Nachrichten-)’Kanal’ TI aus Transbereichen in unsere Bewußtseins’ebene’ ’senden’.

“Es gibt nur ein einziges ‘uneingeschränktes Universum’, in dem Lebende und Verstorbene nebeneinander leben; die ‘Lebenden’ sind sich dessen jedoch normalerweise nicht bewußt, denn sie sind durch ihre geringe Wahrnehmungsfähigkeit stark behindert” (WHITE). Auch: BACCI, DI NOTO, HEINTSCHEL-HEINEGG, WOLSKE. Der Großteil des Informationsflusses zwischen den Transbereichen und der irdischen Ebene verläuft in uns unbewußten Kanälen!

Die Hilflosigkeit hinsichtlich einer Entscheidung wird vielleicht in einer verallgemeinerten Interpretation des Unvollständigkeitssatzes von GÖDEL (WATZLAWICK 1984) etwas verständlicher.

Danach ist ein komplexes System, hier der Mensch, nicht imstande, sich selbst oder höherkomplexe Strukturen vollständig zu beschreiben. Es vermag bestenfalls Systeme niedrigerer Komplexitätsgrade zu ‘verstehen’, (vgl. Systemtheorie D-27).

Trotz unübersehbarer Diskrepanzen, vielfacher inhärenter Widersprüche und nachweislich falscher Inhalte kann die Gesamtheit medialer Äußerungen eine transzendenzoffene Sichtweise veranlassen oder stützen.

[Abkürzungen: TW = Transwesenheit(en), TI = Transinformation(en)]

Dr. Ernst Senkowski, zitiert aus “Instrumentelle Transkommunikation: Ergebnisse und Probleme der medial-technischen Verwirklichung audio-visueller Kontakte mit autonom erscheinenden Strukturen unbekannter Bewußtseinsbereiche“, R. G. Fischer Verlag 2000

Anmerkungen: Das Buch kann auch online gelesen werden. Der Physiker und ITK-Forscher Dr. Ernst Senkowski ist übrigens einer der Interviewpartner in der Dokumentation “(R)Evolution 2012. Die Menschheit vor einem Evolutionssprung” von Dieter Broers und ich kann nur sagen: Hut ab und ganz tiefe Verneigung vor diesem bald 90-jährigen Pionier, der bei den gezeigten Interviews durch Witz, fundiertes Wissen und einem tiefgehenden Verständnis vom Wesen der Realität (und den damit einhergehenden Illusionen) beeindruckt. Unbedingt anschauen!

Dr. Ernst Senkowski (Foto von www.rodiehr.de)

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