Feeds:
Artikel
Kommentare

Obskuristan bei Facebook

Lange habe ich mich dagegen gewehrt, letztendlich aber jeden Widerstand aufgegeben und so bin jetzt auch ich Mitglied bei Facebook geworden. Für Obskuristan-Leser zumindest bedeutet das einen Mehrwert, denn auf der entsprechenden Seite werdet ihr des öfteren kleinere Artikel, Fotos, Videos etc. finden, die hier keinen Platz haben und ihr könnt euch natürlich auch aktiver als hier an diversen Diskussionen beteiligen. Also, dies ist eine unverschämte Mitgliederwerbung!

Hier klicken, um Mitglied der entsprechenden Gruppe zu werden.

Hintergrundmusik: Gibt es diesmal auch wieder. Nichts passt besser zu einem Artikel über Träume als das feine Gespinst impressionistischer Musik; ihr hört das Andante aus Karol Szymanowski’s 4. Symphonie. Ergebt euch dem fremden Zauber!

***

Träume sind Schäume“ – nie war ich von der Unwahrheit einer Binsenweisheit mehr überzeugt als von dieser, vor allem seit ich vor längerer Zeit durch die Botschaften der geistigen Entität Seth endgültig von der objektiven Realität der Traumwelt überzeugt wurde.

Aussagen von Seth zu diesem Thema gibt es viele, ein bisschen was davon habe ich anno dazumal schon in meinem Artikel „Streiflichter“ angerissen – da ging es um Seth’s Darstellung der Traumwelt als einer dem „Tagesbewusstsein“ vollkommen gleichwertigen Realitätsebene, in der wir während unserer Schlafperiode jede Menge zu tun haben: in Schulungen durch Geisthelfer gewinnen wir neue Erkenntnisse, planen und reflektieren Ereignisse in unser Tageswelt, leisten anderen Seelenwesen Hilfestellung und besuchen unsere verstorbenen Gefährten.

Seth spricht durch Medium Jane Roberts

Seth spricht durch Jane Roberts

Die Sache ist bloß die: im dualen Paradigma besitzt unser Selbst sozusagen zwei eigenständige Wesenheiten, die sich im „unerleuchtetenZustand gegenseitig nicht zu kennen scheinen, und jeder dieser Bewusstseinssplitter nimmt an, er sei der alleinige Chef. Unserem Tagesbewusstsein ist es ja oftmals sehr unheimlich, was wir da im Traum so treiben. Laut Seth ist unserem Traumselbst allerdings der „Tagesboss“ mit seiner linearen, materiellen Sichtweise ebenso suspekt.

Diese Aussage ist übrigens ein gutes Beispiel dafür, warum ich Seth so verehre. In seinen Weitergaben sind es oftmals auf den ersten Blick nicht sonderlich auffällige Äußerungen, die, einmal gelesen, in mir plötzlich auf eine Hupe drücken und dabei jenen „Sense of Wonder“ auslösen, der meine Hirnwindungen rotieren lässt und mich letztendlich dazu treibt, hier den einen oder anderen Artikel zu schreiben. Diese plötzlich auftretenden, anderen Blickwinkel sind es vermutlich, die er ganz bewusst in seinen Weitergaben lanciert; eine Art von „Reality Interruption„, die einen innehalten und kurz aus dem illusionären Strudel des vermeintlichen täglichen Lebens auftauchen lässt.

Frederick E. Dodson

Reality Interruption“ – ein gutes Stichwort; da kommen wir nämlich zu jemandem, der diesen Begriff in seinen zahlreichen Reality Creation – Lehrbüchern oftmals einsetzt und der unglaublich viel mit Träumen am Hut hat: Frederick E. Dodson, ein in Deutschland lebender Amerikaner, eine Institution, wenn du wissen willst, was zur Hölle eigentlich wirklich über oder hinter dieser angeblich so unveränderlichen Realität steckt. Für Psychonauten (und solche, die es werden wollen) hat Dodson im Bohmeier-Verlag Werke zu jedem Aspekt verfasst, der für eine Reise über die materielle Welt hinaus wichtig ist: Neben der erwähnten „Reality Creation“ (eine wunderbare Alternative zu den gängigen LOA-Büchern) ist er ein richtiggehendes Auskunftsamt zu Astralexpeditionen, Zeitreisen, Highs ohne Drogenkonsum und eben zu der Technik des luziden Träumens.

Jenes „Klarträumen“ nämlich wäre die beste Möglichkeit, um ein informatives „Meet & Greet“ zwischen unserem Tagesbewusstsein und unserem Traumselbst zu arrangieren. Der Begriff „Klartraum“ erklärt sich praktisch von selbst: wer das luzide Träumen beherrscht, ist nicht mehr Spielball der oftmals absurd wirkenden Situationen, in die wir im Traumgeschehen immer wieder zu geraten scheinen (wenn wir uns nach dem „Erwachen“ denn überhaupt an sie erinnern) – mit der bewussten Steuerung der Traumrealität kann man Fähigkeiten trainieren, auf die das Tagesbewusstsein dann zugreifen kann; Ängste, Sehnsüchte, Aggressionen, all das kann gefahrlos ausagiert werden.

Das hat den Vorteil, dass uns das Unbewusste dann nicht mehr wie ein riesiges unbekanntes Tier erscheint, dessen ungestillte Triebe unser so wohlgeordnetes Leben jederzeit überfallen und ins Wanken bringen können. Und wem (so wie mir das nach dem Tod meines Vaters passierte) einmal die Gnade zuteil wurde, sich an eine Begegnung mit einem seiner verstorbenen Seelengefährten erinnern zu können, der wird durch luzides Träumen die Möglichkeit haben, dies gezielt und mit bewußter Erinnerung daran erleben zu können; ein unschätzbarer Beweis für unsere Weiterexistenz nach der Auflösung des materiellen Körpers.

In seinem Buch „Illumination des Träumens“ beschreibt Dodson unzählige Techniken, um das Klarträumen zu üben und so zum Oneironauten zu werden. Viele der Übungen haben allerdings mit der absichtlichen Unterbrechung der Nachtruhe zu tun und sind deswegen für grundsätzlich schlechte Schläfer (so wie ich einer bin) nicht sonderlich geeignet – mir gefällt am besten eine Technik, die der (erfundene oder tatsächlich existierende) Schamane Don Juan in einem von Carlos Castaneda’s zahlreichen Büchern einmal erklärt hat – vor dem Einschlafen soll man sich darauf konzentrieren, im Traum seine Hände anzusehen. Das klingt einfach, ist aber in Wirklichkeit ein unglaublicher Willensakt; wer diese Geste im Traum bewußt ausführen kann, dem ist auch andere willentliche Gestaltung seiner Traumumgebung möglich.

Nicht verwechseln sollte man allerdings das Klarträumen mit dem Astralreisen, obwohl das eine vermutlich einer der Auslöser für das zweitere sein könnte. Der Unterschied (da kann ich allerdings auch nur spekulieren) dürfte darin liegen, dass den astralen Welten bestimmte Gesetzmässigkeiten innewohnen, denen sich der Reisende zu beugen hat (siehe dazu die Bücher von Monroe), während man die Gesetze der Traumdimension als deren Erschaffer logischerweise alleine bestimmt, wenn man die erforderlichen Techniken beherrscht.

Nach exzessiver Comic-Lektüre hatte ich einmal einen unglaublich lebhaften Traum, in dem ich mittels „Lasergun“ auf Geisterjagd war; die „Geister“ konnte ich als sich bewegende Punkte auf einem tragbaren Display verfolgen. Kurz darauf stellte sich ein mächtiges Brausen ein, von dem ich ruckartig erwachte; ich merkte, dass mich etwas mit grosser Gewalt „nach unten“ zog, obwohl sich mein Körper scheinbar nicht bewegte – so scheint mein Traumszenario zu einer Art Astralwanderung oder zumindest zum Beginn einer solchen geführt zu haben (mehr dazu hier).

Auch eine Art von Paradies: Entenhausen

Comics vor dem Einschlafen zu lesen scheint sowieso eine besondere Art von „Trigger“ zu sein – nach wie vor mein allerschönster Traum bis heute ist derjenige, als ich zu der Zeit der kindlichen Faszination der „Lustigen Taschenbücher“ einmal Entenhausen besuchen durfte; ich kann mich noch heute lebhaft an mein unglaubliches Glücksgefühl nach dem Erwachen erinnern. Viele Jahre später haben sich Comics (nicht zuletzt dank der Existenz des Vertigo-Verlags und mythischer Autoren wie Alan Moore, Grant Morrison und Neil Gaiman) zu „Graphic Novels“ weiterentwickelt, die sich ausschliesslich an ein erwachsenes Publikum richten, inzwischen endlich auch als Kunstform anerkannt sind und die einen in Welten entführen, die man so weder in Büchern noch im Kino finden kann.

Die heilige Trinität der Graphic Novels: Moore, Morrison, Gaiman

Das liegt vermutlich daran, dass die Rezeption von Comics eine andere ist – ich bin kein Spezialist in diesen Dingen, könnte mir aber vorstellen, dass Comics unsere beiden Gehirnhälften anders oder intensiver fordern als zum Beispiel die Lektüre eines Buchs. Ich will da nichts gegeneinander auf- oder abwerten, habe aber festgestellt, dass Comiclesen zu intensivsten Traumerlebnissen führt, wo man die aufgenommenen Szenarien weiterträumt oder sie als Rampe benutzt, um in eine eigene Traumkreation abzutauchen. So habe ich seit einigen Wochen den Habitus entwickelt, mich (gerne auch under the influence) des Nächtens früher als sonst ins Bett zu legen und bis zum Moment totaler Ermüdung Comics zu lesen, mit wunderbaren Ergebnissen in meinem Traumgeschehen.

Perfekt geeignet dafür ist übrigens eine ganze Serie von Graphic Novels namens „Sandman„, erdacht von „American Gods“ und „Coraline“ – Schöpfer Neil Gaiman. Inhaltlich geht es um, ja genau, Träume – Gaiman hat einen alten Superhelden umgedeutet, mit der Mythologie des uns als Kindern wohlbekannten „Sandmännchens“ vermischt und unter Zugabe eigener Ideen eine unglaublich starke Persönlichkeit namens „Morpheus“ („Dream„) erschaffen, den Herrn der Träume, dessen Wirken und Motive ebenso faszinierend wie unergründlich sind, und dessen Reich natürlich auch ein unendliches ist. Zahlreicher Stoff also für die 10-bändigeSandman“ – Saga samt etlichen Spinoffs; damit hat Gaiman nichts weniger als eines der komplexesten Meisterwerke zum Thema in der Comicliteratur, ja vielleicht in der Literatur überhaupt geschaffen. „Sandman“ wurde auch vollkommen zu Recht bereits mehrfach mit wichtigen Auszeichnungen bedacht.

Bleibt zum Schluss die faszinierende Frage, ob es irgendwann eine Möglichkeit geben wird, Träume mit einer Art TV-Kamera aufzeichnen zu können – also mit einer Art von unbestechlichem, unpersönlichen Aufnahmegerät wie es z.b. der Fotoapparat ist, der gerade in seiner digitalen Inkarnation oftmals Phänomene festhält, welche uns (zum Glück?) von den zahlreichen Filtern unseres Tagesbewusstseins vorenthalten werden – in welche Geisterwelten oder parallelen Dimensionen könnten wir ohne diese Filter wohl blicken? Und in welche abgründigen Reiche würden uns Aufzeichnungen unserer Träume entführen? Laut einem Artikel im „Spiegel“ ist der Tag nicht mehr allzu weit entfernt, an dem es den Wissenschaftlern möglich ist, via Messung und „Übersetzung“ der Gehirnströme unsere Träume quasi sichtbar zu machen – wie das genau funktionieren soll, könnt ihr hier nachlesen.

Liebe Jungs und Mädels! Um euch die Wartezeit auf den nächsten Obskuristan-Artikel zu verkürzen (keine Sorge, er ist demnächst fertig), hier ein wenig hochkarätiger Lesestoff: es handelt sich um ein Interview, welches CROPfm-Macher Tarek Al-Ubaidi und meine Wenigkeit vor geraumer Zeit Daniel Krcal für seine Reihe „Die Paranoia-Chroniken“ in der Wiener Zeitschrift Rokko’s Adventures gegeben haben.

Also: Wer wissen will, was wir zu den Themen Illuminaten, MKULTRA, HAARP, Bilderberger, FED, Jan Van Helsing, Chemtrails und ähnlichem zu sagen oder nicht zu sagen hatten, sollte sich das Interview zu Gemüte führen, welches mir von Herausgeber Herrn Rokko grosszügigerweise als PDF-Datei zur Verfügung gestellt wurde.

Hier zum Download bereit.

Übrigens finde ich, man sollte sich Rokko’s Adventures sowieso unbedingt am Kiosk kaufen oder im Internet bestellen: Es ist nämlich eine sehr ästhetisch aufgemachte Zeitschrift, die sich mit grösster Sorgfalt und Liebenswürdigkeit den mitunter allerabseitigsten Themen widmet. Ein frech glitzerndes Juwel im Misthaufen des heutigen Mainstream, sozusagen.

Die psychokinetischen und Materialisationserscheinungen stellen die Gültigkeit der entsprechenden physikalischen Erhaltungssätze in Frage. Insgesamt bricht das verläßlich geglaubte Gefüge der angeblich realen, objektiven Außenwelt-Wirklichkeit zusammen und erweist sich als bestenfalls intersubjektives, tatsächlich je eigenes persönliches psychisches Konstrukt.

Das Ursache-Wirkungs-Schema versagt bereits bei geschlossenen Kreisläufen, in denen jedes Glied ‘gleichzeitig’ Ursache und Wirkung ist. Jede gedankliche und experimentelle Trennung stört bzw. zerstört den Ablauf. [...]

Die Einordnung jener menschlichen Erlebnisse, die im spiritistisch/spiritualistischen Sinn als medial und hier als transkommunikativ verstanden werden, stößt auf weitere Schwierigkeiten. Während telepathische Kommunikationspartner als lebende Menschen identifizierbar sind und die Korrektheit einer Fernwahrnehmung auf normalen Wegen kontrolliert und eventuell verifiziert werden kann, erscheinen die jenseitsbezogenen Äußerungen eines Mediums zunächst als dessen nicht nachprüfbare subjektive Produktionen.

Gegebenenfalls ‘dahinterstehende’ Verursacher (Quellen, Entitäten, TW, ‘Extraterrestrier’, komplexe Informationsstrukturen) sind nicht unmittelbar erkennbar. Der ‘Animist’ beharrt auf seiner reduktionistischen Behauptung, das Medium selbst, begabt mit sonst niemals beobachteten extremen ’supertelepathischen’ Fähigkeiten, sei der unbewußt dramatisierende Erzeuger der TI, oder er nimmt teilautonome ‘Spaltpersönlichkeiten’ an.

Dagegen akzeptiert der ‘Spiritist’ in weitgehender Übereinstimmung mit den Formen und Inhalten der Botschaften und Dialoge die Existenz unabhängiger TW, die über oder durch das Medium als (Nachrichten-)’Kanal’ TI aus Transbereichen in unsere Bewußtseins’ebene’ ’senden’.

„Es gibt nur ein einziges ‘uneingeschränktes Universum’, in dem Lebende und Verstorbene nebeneinander leben; die ‘Lebenden’ sind sich dessen jedoch normalerweise nicht bewußt, denn sie sind durch ihre geringe Wahrnehmungsfähigkeit stark behindert“ (WHITE). Auch: BACCI, DI NOTO, HEINTSCHEL-HEINEGG, WOLSKE. Der Großteil des Informationsflusses zwischen den Transbereichen und der irdischen Ebene verläuft in uns unbewußten Kanälen!

Die Hilflosigkeit hinsichtlich einer Entscheidung wird vielleicht in einer verallgemeinerten Interpretation des Unvollständigkeitssatzes von GÖDEL (WATZLAWICK 1984) etwas verständlicher.

Danach ist ein komplexes System, hier der Mensch, nicht imstande, sich selbst oder höherkomplexe Strukturen vollständig zu beschreiben. Es vermag bestenfalls Systeme niedrigerer Komplexitätsgrade zu ‘verstehen’, (vgl. Systemtheorie D-27).

Trotz unübersehbarer Diskrepanzen, vielfacher inhärenter Widersprüche und nachweislich falscher Inhalte kann die Gesamtheit medialer Äußerungen eine transzendenzoffene Sichtweise veranlassen oder stützen.

[Abkürzungen: TW = Transwesenheit(en), TI = Transinformation(en)]

Dr. Ernst Senkowski, zitiert aus „Instrumentelle Transkommunikation: Ergebnisse und Probleme der medial-technischen Verwirklichung audio-visueller Kontakte mit autonom erscheinenden Strukturen unbekannter Bewußtseinsbereiche„, R. G. Fischer Verlag 2000

Anmerkungen: Das Buch kann auch online gelesen werden. Der Physiker und ITK-Forscher Dr. Ernst Senkowski ist übrigens einer der Interviewpartner in der Dokumentation „(R)Evolution 2012. Die Menschheit vor einem Evolutionssprung“ von Dieter Broers und ich kann nur sagen: Hut ab und ganz tiefe Verneigung vor diesem bald 90-jährigen Pionier, der bei den gezeigten Interviews durch Witz, fundiertes Wissen und einem tiefgehenden Verständnis vom Wesen der Realität (und den damit einhergehenden Illusionen) beeindruckt. Unbedingt anschauen!

Dr. Ernst Senkowski (Foto von www.rodiehr.de)

Die sieben rockenden Toten

Um meine geliebten toten Rockstars schleiche ich meistens rum wie ein Hund um einen leckeren Knochen: bereit, lustvoll zuzuschnappen, wenn sich die Gelegenheit ergibt. Und die ergibt sich ziemlich oft, denn für einen echten Fetischisten wie mich gibt es da jede Menge zu tun – Gespräche mit den wenigen auserwählten Freunden führen, die vom Thema wenigstens ein bisschen so fasziniert sind wie ich, meine Bibliothek ordnen und die besten Stories immer wieder nachblättern bzw. von vorne lesen, im Internet nach neuen Fotos und Beweisen für passende Verschwörungstheorien Ausschau halten und am Eingang vom Amazon-Tempel lauern, um sich die leider viel zu seltenen Neuerscheinungen sofort nach deren Auftauchen zu sichern.

Unlängst hat man wieder mal ein Einsehen mit mir gehabt und hat mir ein neues Suchtmittel in Form eines Buches geschickt. „The Rock & Roll Book of the Dead“ heisst es und hat mir schon aufgrund des Titels Rührungstränen in die rotgeränderten Augen getrieben. Der mir bisher unbekannte Autor David Comfort beschreibt darin „The Fatal Journeys of Rock’s Seven Immortals„, meint mit diesen sieben Unsterblichen Elvis Presley, Jimi Hendrix, Jim Morrison, Janis Joplin, John Lennon, Kurt Cobain sowie Jerry Garcia und hat zu meiner Freude ein ziemlich tiefgängiges und vor allem mutiges Werk abgeliefert.

David Comfort

Über tote Rockstars zu schreiben ist nämlich sicherlich ein lohnender Job, kritisch über tote Rockgötter zu schreiben hingegen ein Wagnis. David Comfort tut Letzteres und steht damit in der Tradition eines anderen, sehr streitbaren amerikanischen Professors namens Albert Goldman, der sich bereits 20 Jahre zuvor mit kritischen Biographien gehörig in die Nesseln gesetzt hat: Er schrieb ein Buch über Elvis Presley, dessen Tod durch Medikamentenüberdosis er als Selbstmord interpretierte und danach eines über John Lennon, den er (wohl als erster Biograph überhaupt) als gewalttätigen, höchst neurotischen Menschen porträtierte. Das war allerhöchste Blasphemie, denn im Schwarz/Weiss-Denken seiner zahllosen Fans ist Lennon natürlich immer nur der Friedensengel schlechthin gewesen – dass er ein ziemlich unsympathischer, fieser Typ gewesen ist und sich gleichzeitig ebenso (werbeträchtig) für den Weltfrieden einsetzte, wollten (und wollen) seine Verehrer natürlich auf gar keinen Fall verstehen.

Das meistgehasste Buch unter Lennon-Fans...

Goldman’s sorgfältig recherchierte Biographie (die nicht frei von Fehlern ist, aber welche Biographie ist das schon?) wurde selbstverständlich kollektiv als ein aus reinem Hass entstandenes Lügenmachwerk abgestempelt. Darüber zu lesen, dass Lennon vermutlich eine Affäre mit dem 1967 freiwillig aus dem Leben geschiedenen Beatles-Manager Brian Epstein gehabt hatte oder dass er die letzten, armseligen Jahre seines Lebens quasi als „Gefangener“ seiner psychotischen Frau Yoko Ono in einem Zimmer seines Appartments in jenem fluchbeladenen Dakota-Gebäude in New York verbracht hat (der letzte Sekretär der Lennons, Frederik Seaman, hat unabhängig von Goldman ausführlich in einem Buch darüber berichtet), dass mag natürlich weh tun; es ist aber einer ehrlichen, posthumen Auseinandersetzung mit der vielschichtigen, deswegen überaus faszinierenden Persönlichkeit Lennons mehr als dienlich.

Diva und Nervensäge: Janis Joplin

So ist das eigentlich generell mit den auf so hohe Sockel gehobenen toten Rockgöttern: als Menschen waren sie ausnahmslos meilenweit davon entfernt, nett zu sein. Der überaus sensible und hochbegabte Jimi Hendrix neigte fast immer dazu, im Suff seine zahllosen Groupies und Freundinnen zu verhauen; Janis Joplin, die Hippie-Göttin schlechthin, war unter all ihrer theatralischen Kostümierung und dicken Schminke eine hässliche und deswegen sehr unsichere junge Frau, was sie zu einer nahezu unerträglichen Diva und Nervensäge machte, ebenso wie der Doors-Frontmann und Exzess-Gigant Jim Morrison im täglichen Umgang mit Bandkollegen und Freunden ein richtiges Arschloch gewesen sein soll.

Desgleichen Kurt Cobain, der sich (wie Nick Kent in seiner vorzüglichen Essaysammlung „The Dark Stuff“ schreibt) in seiner Jugend nichts sehnlicher gewünscht hatte, als ein Rockstar zu sein – als er es dann letztendlich war, wollte er nur noch schlafen, in Ruhe gelassen werden und sich mit Muße seinem Leiden an der bösen, lästigen Welt und der seiner Meinung nach als Schutzpanzer gegen diese fungierenden Drogensucht widmen.

Und wieder mal 'ne Überdosis: Kurt Cobain

Die Drogen-, Alkohol- und Betäubungsmittelsucht, all den genannten „Sieben Unsterblichen“ (und allen anderen toten Rockstars) in verschiedensten, phantasievollen Variationen eigen, veränderte deren Charakter logischerweise nicht nur massiv, sondern führte in ihrer Entgleisung ausserdem dazu, dass jene gegen Ende ihres kurzen Lebens abseits der Auftritte im Rampenlicht kaum noch oder gar nicht mehr lebensfähig waren. Tony Sanchez, ehemaliger Drogendealer der Rolling Stones, beschreibt einen typischen Tag im Leben des mit 27 Jahren verstorbenen frühen Stones-Gitarristen Brian Jones so: „He’d wake up in the morning, take leapers (speed), cocaine, some morphine, a few tabs of acid, and maybe some mandrax. Then he’d try to get dressed and end up with, like, a lizard-skin boot on one foot and a pink shoe on the other. Then he’d find he could’nt stand up.“ (Zitat aus Nick Kent, „Brian Jones, Tortured Narcissus“ in „The Dark Stuff„, Faber and Faber, 2007).

Dead Men Walking: Brian Jones und Jimi Hendrix

Elvis Presley wiederum, der Drogen nicht nur strikt ablehnte, sondern sich ausserdem von Präsident Nixon 1970 bizarrerweise zum „Federal Agent“ im „Kampf gegen Drogenmissbrauch“ ernennen liess, hatte einen Tablettenkonsum in Rekordhöhe nachzuweisen – Biographen haben ausgerechnet, dass sich der „King“ in seinen letzten Lebensjahren an die 12.000 Betäubungsmittel verschiedenster Wirkung verschreiben liess.

Bizarres Treffen: Tricky Dick und Agent Elvis

Solche Exzesse konnten logischerweise zu nichts anderem als zu einem frühen Tod führen, ob nun gewollt oder ungewollt. Ganz klar, dass der für uns Normalsterbliche unvorstellbare Druck auf diese Superstars als Ikonen ganzer Generationen und ihr praktisch nicht mehr existentes Privatleben sich sehr zu Ungunsten auf ihr Suchtverhalten auswirkte; Comfort zeigt in „The Rock & Roll Book of the Dead“ aber auch bisher weniger bekannte Details aus der Kinder- und Jugendzeit der genannten Rockstars auf – da findet sich fast bei jedem/jeder eine Liste an Missbrauch, Alkoholismus der Eltern, dramatisch frühe Tode derselben und daraus resultierende Vereinsamung des jeweiligen Kindes; davon abhängig oder nicht freilich auch eine geradezu krankhafte Selbstbezogenheit, ja Selbstverliebtheit der späteren Stars in jugendlichem Alter.

Was man bei der Lektüre über all diese skandalträchtigen, kurzen Leben dieser Menschen niemals vergessen sollte, ist die künstlerische Glanzleistung, die von persönlichen Kalamitäten im Nachhinein unangetastet bleibt und den Platz der toten Rockstars in ihrem ewigen Olymp mehr als rechtfertigt: wenn man heute Jimi Hendrix hört, klingen seine vor 40 Jahren aufgenommenen Platten noch immer mehr nach wunderbar spaciger Science Fiction als nach Sixties-Gitarrenrock; die Stimme von Janis Joplin lässt einem noch immer die bluesigen Gänsehäute en Masse über den Rücken laufen; Jim Morrisons Gesang thront noch immer majestätisch über einem brodelnden Abgrund undurchdringlicher Schwärze, während John Lennon mit seinem „Imagine„, jenem ebenso simplen wie überirdisch schönen Lied bis in alle Ewigkeit die Tränen seiner Hörer sofort fast ungehindert fliessen lassen wird – pure Magie, wie sie eben nur diese schwierigen wie ebenso aussergewöhnlichen Persönlichkeiten zustande bringen konnten.

***

The Rock & Roll Book of the Dead“ ist im September dieses Jahres erschienen.

Die Homepage zum Buch, mit Leseproben desselben und, voll lässig – mit Geistergitarre!

Essentiell: „The Dark Stuff“ von Nick Kent.

Zum Weiterlesen: meine eigenen, bescheidenen Blog-Beiträge zu

John Lennon,

Paul McCartney,

Jim Morrison,

Phil Ochs,

Joe Meek und

Jimi Hendrix.

Zum Weiterhören: euer Docteur als Gast zum Thema bei CROPfm.

Und als Spezialist beim Deutschlandradio (zum Thema Suizid von Rockstars am Beispiel von Joy Division-Sänger Ian Curtis).

Channeling the hard way

Habt ihr schon mal Pierre de Foret, den harten Mann unter den Channeling – Medien gelesen? Foret channelt eine Entität namens „Begleiter“ und mit dessen Aussagen verglichen erscheinen selbst die heftigeren Botschaften des umstrittenen Kryon ziemlich sanft.

"Der Einsiedler", Rudolf Wirth

Foret (Pseudonym) ist ein Einsiedler, der als autonomer Selbstversorger irgendwo im deutschen Hinterland lebt; er lässt sich nicht fotografieren, hält keine Seminare, besitzt keine Homepage und hat, ausser in einem einzigen Fall, bis heute kein einziges Interview gegeben. Über die Ursachen dafür kann man natürlich spekulieren: entweder hat er sich Thomas Pynchon zum Vorbild genommen (für einen Rätselkult um seine Persönlichkeit sind seine bis dato drei Bücher allerdings zu wenig bekannt), oder er hat gute Gründe, um in Deckung zu bleiben – die Aussagen seines „Begleiters“ könnten, eine zahlreichere Leserschaft als bisher vorausgesetzt, in der Esoterik – Szene nämlich für ziemliche Entrüstung sorgen.

Berühmter Unbekannter: Thomas Pynchon

Wie schon bei Kryon sind die provokanten Aussagen dieses geistigen Wesens einer näheren Betrachtung wert; sei es auch nur, um gewisse liebgewonnene Werte und Positionen der „esoterischen Religion“ zu hinterfragen bzw. neu zu überdenken. Warum wir Menschen nicht mehr wert sind als eine Ameise und warum die Reinkarnationslehre nichts als eine politisch motivierte Lüge ist, damit wollen wir uns in einem kleinen Potpourri aus den entsprechenden Botschaften beschäftigen.

Die Zitate stammen aus dem zweiten Foret-Buch „Die Weisheit deiner Seele“ , welches auf die zahlreichen Leserzuschriften nach dem Erstlingswerk „Im Herzen der Wirklichkeit – Über Seelengeheimnisse und psychische Welten“ (Silberschnur Verlag, 1998, vergriffen) eingeht, die vom „Begleiter“ detailliert beantwortet werden – es entsteht der Eindruck, dass sich entweder die geistige Wesenheit(?) oder deren Channel in ihrem ersten Buch ziemlich missverständlich ausgedrückt haben. Das wirft natürlich erstmal ein etwas seltsames Licht auf die Botschaften an sich; um deren Glaubwürdigkeit kümmern wir uns später. Here we go:

1. Kein individuelles Leben hat einen Sinn.

Im Gegensatz zu den unzähligen LOA-Büchern, die dem Leser sein Leben als ultimativen Spielplatz all dessen präsentieren, was er sich schon immer erträumt hat, sieht der Begleiter die individuelle Seele bloß als Material, welches einem höheren Zweck (dem Wachstum aller Seelen) dienen soll. Auf die Frage eines Lesers nach dem „Sinn der Existenz des Einzelnen“ antwortet er: „Einmal abgesehen von – zugegebenermassen recht amüsanten – esoterischen Theorien; wer hat denn jemals behauptet, dass dein Leben oder das Leben irgendeines Wesens einen individuellen Sinn hat? Wenn euch die umfassende Wirklichkeit über euren Verstand nicht zugänglich ist, dann ersetzt ihr diese durch Glaubensüberzeugungen und nennt es dann „Wirklichkeit“. Der grundlegende Fehler daran ist im vorliegenden Fall, dass ihr nicht mehr nach dem Sinn des Lebens sucht, sondern nach dem Sinn eures Lebens. [...] Du bist – aufgrund welcher Lehren und Thesen auch immer – davon überzeugt, dass dem Sein eines jeden Individuums ein Sinn innewohnt, der sich aus einer individuellen, in sich geschlossenen Aufgabe ergibt. Wenn das aber tatsächlich so sein sollte, dann erkläre mir doch den Sinn des Seins einer einzelnen Ameise. Glaube mir, auch wenn du das anders wertest, deinem Sein als Individuum wohnt kein grösserer oder umfassenderer Sinn inne als dem Sein dieser Ameise.[...] Sie ist sich – wie jeder Teil der Schöpfung mit Ausnahme des Menschen – der Tatsache bewusst, dass der einzige Sinn ihrer Existenz in der Existenz und der Aufgabe des grösseren Ganzen zu finden ist.

2. Die Reinkarnationslehre als „sozialpolitisch“ bedingte Lüge.

Mit den Lehren der fernöstlichen Religionen scheint der „Begleiter“ auf Kriegsfuß zu stehen; gleich bei mehreren Gelegenheiten entlarvt er diese als „Lügen“ und propagiert stattdessen „christliche Werte“ : Es sind – einmal abgesehen von falschen Interpretationen – nicht die eurem Kulturkreis entsprechenden religiösen Lehren, die euch suggerieren, dass eurer Existenz ein individueller Sinn inhärent sei. Die These, wonach jeder einzelne Mensch in seinem Leben eine ganz individuelle, seiner eigenen Seele dienliche Aufgabe zu erfüllen habe, stammt ausschliesslich aus fernöstlichen Religionslehren, die in eurem Kulturkreis schon deshalb vollkommen deplaziert sein müssen, weil ihnen eben ein völlig anderes Verständnis von menschlichem Sein zugrunde liegt, dass sich nicht einfach zusammenhanglos in eure Weltsicht integrieren lässt. Der in diesen Lehren beschriebene Sinn der menschlichen Existenz ergibt ausschliesslich im Kontext der Reinkarnationslehre einen Sinn. Diese steht aber, soweit es sich um eine Reinkarnation im Sinne von Wiederkehr in die materielle Dimension handelt, im Widerspruch zu den Lehren eurer Religion. Diese könnt ihr – auch wenn das viele von euch glauben – nicht einfach durch eine im fernöstlichen Kulturkreis angesiedelte Religion ersetzen, denn dazu fehlt euch ganz einfach das Wesentliche, der kulturelle Hintergrund.

Ein paar Anmerkungen dazu: Die gelungene Integration von morgenländischen und abendländischen Weisheitslehren durch die Theosophen (Blavatsky z.b.) scheint der „Begleiter“ wohl nicht mitbekommen zu haben. Interessant auch, dass man sich als individuelle Seele anscheinend streng nach den Gesetzmässigkeiten seiner angestammten Religion zu richten hat; das klingt nicht sonderlich nach New Age. Was der „Begleiter“ von der Reinkarnationslehre der „fernöstlichen Religionen“ hält, erfahren wir in einer Antwort auf eine weitere Leseranfrage: „Wenn du die Reinkarnationstheorie als eine „sozialpolitisch“ bedingte Lüge verstehst, der ausschliesslich in ihrer Ursprungsregion ein tieferer Sinn zukommt, dann bist du der umfassenden Wahrheit sehr nahe! Der eurem Kulturkreis entsprechenden Wertung des Seins kommt die Erklärung, welche die christliche Religionslehre beinhaltet – wonach das irdische Leben einmalig ist und „am Tag des jüngsten Gerichts“ in ein „ewiges Leben“ übergeht – der umfassenden Wahrheit bedeutend näher, auch wenn diese darin, sagen wir mal, äusserst abstrakt beschrieben wird.“ Wow! Bedeutet das also, dass ich ein schlechtes Gewissen haben muss, weil ich vor vielen Jahren aus der katholischen Kirche ausgetreten bin? Die scheint ja laut dem „Begleiter“ die Wahrheit gepachtet zu haben, auch wenn wir, wie er ganz subtil andeutet, möglicherweise ein bisschen zu doof sind, um den abstrakten Sinn der ihrer Lehre innenwohnenden Wahrheit zu verstehen.

3. Schwangerschaftsabbruch – die ultimative Sünde.

Wenn es um Schwangerschaftsabbruch geht, wird der „Begleiter“ zum Apokalyptiker. Selbst wenn die Schwangerschaft eine Folge einer Vergewaltigung sein sollte (!!!, Anm.) habe man als Frau seinen Teil der Vereinbarung, die man vor seiner irdischen Existenz getroffen habe, einzuhalten, da man sonst „physische Erfahrungen“ verhindere, der schwerste Verstoss überhaupt: „Ob ihr eine Handlung mit ausschliesslich juristisch relevanten Begriffen wie Mord, Totschlag, Notwehr, Abtreibung und dergleichen umschreibt, ändert nichts an der Tatsache, dass damit in jedem Fall der schwerste Verstoss gegen das umfassende Gesetz geschieht – die Verhinderung physischer Erfahrungen. [...] Ich will hier nicht auf die aus solchen Handlungen resultierenden Konsequenzen für das Individuum eingehen. Ihr solltet euch aber bewusst sein, dass die Gesamtheit aller Seelen nicht zulassen kann und wird, dass ihr auf Dauer physische Erfahrungen vorenthalten werden, die für ihr eigenes Werden unabdingbar sind. Sie verfügt über Korrekturinstrumente, deren Anwendung in ihrer Konsequenz für die Menschheit mit so viel Leid und Schrecken verbunden wäre, dass sie die Vorstellungskraft des menschlichen Verstandes übersteigen.

Soweit also ein kleiner Auschnitt aus den Weitergaben des Begleiters, der damit wohl eine der arrogantesten und anmaßendsten Channeling-Entitäten darstellt, die mir je untergekommen ist und manchmal eher an einen fundamentalistisch-christlichen Hassprediger erinnert, wie man sie heute auf Sendern wie dem notorischen God Channel zu sehen bekommt. Kann ein geistiger Helfer so sein? Was für ein unfassbarer Kontrast zu den humorvollen und nachsichtigen Botschaften eines Seth oder dem uns in jeder Weitergabe ehrenden und liebenden Kryon.

Ich habe aus Interesse kürzlich mit meinem Freund Bernhard (ebenfalls ein Channeling-Medium) eine Lesung von ausgewählten Messages des „Begleiters“ gemacht und uns wurde dabei eines sehr schnell klar: Dies ist ein perfektes Beispiel für einen sogenannten „unreinenChannel. Man kann in den Weitergaben ganz genau festmachen, wo die hin und wieder durchaus authentisch durchkommenden Botschaften der geistigen Entität in die persönlichen, sehr verbitterten Ansichten jenes Pierre de Foret übergehen – der das entweder nicht zu merken scheint, oder dies mit Absicht betreibt.

Überhaupt: „Pierre aus dem Wald“ – das Pseudonym in Verbindung mit den negativen Botschaften verrät vermutlich mehr über die Intentionen des Autors, als ihm lieb sein dürfte. Da sitzt irgendwo in der deutschen Pampa ein an der Welt frustrierter Aussteiger, ein an der Gesellschaft Verzweifelter, der via Geisthelfer das geisselt, was seiner persönlichen Weltsicht gegen den Strich geht: Abtreibung, persönliches Glück bzw. Wohlergehen des Individuums und die Lehre fernöstlicher Religionen – und da ärgert ihn das Konzept der Reinkarnation am allermeisten. Stattdessen propagiert er fundamentale christliche Werte.

Sehr entlarvend übrigens, wenn der „Begleiter“ an einer Stelle behauptet, die Lehre der Reinkarnation wäre im Abendland vor dem „fernöstlichen Boomunbekannt gewesen; das ist schlicht und einfach nicht wahr, denn sowohl bei den alten Kelten, den Griechen (Pythagoras, Empedokles), den Römern, bei den Katharern, in der Neuzeit (Giordano Bruno) sowie in der deutschen Philosophie, Literatur und Musik der vergangenen Jahrhunderte (die „Seelenwanderung“ bei Wedekind, Schopenhauer, Wagner etc. etc.) spielte der Reinkarnationsgedanke immer schon eine äusserst wichtige Rolle. Einer „echten“ Channeling-Entität sollte eine so gravierende Falschaussage wohl nicht passieren.

Mich haben die galligen Botschaften von Foret mehrmals an den Mathematik-Professor Theodore Kaczynski erinnert, der aus Enttäuschung an der seiner Meinung nach verdorbenen Gesellschaft im Jahr 1971 eine Hütte in den Wäldern von Lincoln, Montana bezog, dort ohne Elektrizität oder fliessendes Wasser sein Leben fristete und ein ausführliches Manifest namens „Industrial Society and It’s Future“ schrieb, welches er der „Washington Post“ zur Veröffentlichung anbot (Kaczynski baute auch Sprengsätze und wurde später als der gesuchte „Unabomber“ entlarvt, aber das ist eine andere Geschichte).

So weit würde Foret ganz sicher nicht gehen. Aber seine enttarnte persönliche Vision einer „spirituellenGesellschaft, in welcher Freude, Spaß und das Glück des Einzelnen keine Rolle spielen dürfen und sich jeder nur dem „grossen Werk“ unterzuordnen hat, einem Ganzen, welches gegenüber dem Schicksal seiner Individuen vollkommen neutral, ja gleichgültig gegenübersteht – das gemahnt schon sehr an George Orwell’s1984“ oder an den chinesischen Kommunismus. Keine sehr wünschenswerte Zukunftsvision.

Bleibt die Frage, wie der „Begleiter“ (wenn es ihn denn wirklich gibt) zu den Aussagen seines Channeling-Mediums steht. Kann ein Botschafter, ein Vermittler aus der geistigen Welt denn zulassen, dass seine Botschaften dermassen für eigenmächtige Zwecke manipuliert werden? Lässt er dies aus einer umfassenden Liebe heraus geschehen? Oder (der Verdacht liegt nahe), Herr Foret hat möglicherweise gar keine so „positiveWesenheit angezogen… wie wir seit Star Wars wissen, verfügen auch die Sith über eine gewisse Art der Erleuchtung – sie gebrauchen ihr Wissen allerdings zu sinistren Zwecken. Für Channeling – Einsteiger ist bei den Werken Forets also definitiv Vorsicht geboten.

Meine Freunde, betrachtet euren Körper, als sei er ein Übergewand. Dann nehmt an, dass dieses Gewand durchschossen, verbrannt oder durchnässt wird, und ihr müsst zugeben, dass ein Gewand weder fühlen noch leiden kann. [...] Im gegebenen Augenblick wird der Geist aus dem Körper entfernt. Dies geschieht auf eine Art, die ihr nicht verstehen könnt. Es ist, als ob ein Schleier vorgezogen würde, so dass sich der Geist des körperlichen Leidens nicht mehr bewusst ist. Der Tod wird zu einem wunderbaren Erlebnis, trotzdem es anders aussieht, denn der Schein trügt. Das Herz erschrickt vor dem Gedanken an Schmerz und Tod, doch wenn der Tod eintritt – schwindet alle Angst.

Diejenigen, die in der Schlacht sterben, mögen sich des nahenden Todes bewusst sein, und plötzlich befinden sie sich ausserhalb ihres Körpers. Sie können sogar ihren fallenden Körper beobachten, doch in ihnen selber ändert sich nichts. Jemand erwartet sie und bringt sie an einen Ort, wo sie Ruhe und Erholung finden. Für sie ist alles natürlich und normal. Sie sind glücklich. Auch von ihren Verwandten, die sie häufig während der Schlafenszeit besuchen, sind sie nicht getrennt.

Die Seelen der Menschen sind wie Tropfen im Ozean oder wie Sand am Meer. Jede Seele ist ein Individuum, jede eine Einheit, alle aber können sich zu einem grossen Ganzen vereinigen. Viele Menschen fürchten, dass sie, wenn sie eine bestimmte Vergeistigung erreicht haben, ihre Identität in Gott verlieren, doch das ist nicht so. Gott hat euch erschaffen als Seinen Sohn oder Seine Tochter, und das für alle Ewigkeit. Natürlich seid ihr stets ein Teil Gottes, doch ihr habt einen individuellen Geist, und wenn ihr euch dereinst mit der grossen Familie Gottes vereinigt habt, bleibt ihr trotzdem ein individuelles Wesen und behaltet eure Identität.

Grace Cook, „Das Leben jenseits der Todespforte„, zitiert aus „White Eagle Lesebuch„, Knaur Verlag 1994

Die White Eagle Lodge.

Zeremonie und Chaos

Ich gebe es ehrlich zu: Das Thema Magie ist in diesem Blog bisher ein wenig zu kurz gekommen, es war einfach nicht so mein Ding. Irgendwie scheint sich das aber in der letzten Zeit zu ändern; schuld daran sind einige Bücher zum Thema, die ich mit wachsendem Interesse zu lesen begonnen habe, ausserdem der angenehme Luxus eines exklusiven Einzel-Coachings, welches mir von Mythomagier Bernhard Reicher gewährt wurde und mich im Rahmen des LOA-Themenkreises mit hochinteressanten magischen Techniken bekannt gemacht hat.

In den letzten Tagen (und Nächten) habe ich viel recherchiert, quergelesen, war irritiert und fasziniert. Was ich nach wie vor kaum aushalte, ist die sicherlich ehrwürdige, nichtsdestotrotz fürchterlich unzeitgemässe Zeremonial-Magie. Man nehme als Beispiel nur die leichteste aller magischen Übungen, das „Kleine bannende Pentagrammritual“ : Es ist dies eine furchtbar langwierige Angelegenheit, bestehend aus dem Ziehen des „Kabbalistischen Kreuzes“ , dem mehrmaligen Schlagen von Pentagrammen, der Imagination eines Hexagramms, dem Ziehen eines magischen Schutzkreises, der Anrufung von vier Erzengeln, einem weiteren „Kabbalistischen Kreuz“ und der Rezitation einer „Entlassungsformel“ .

Frater V. D. aka Ralph Tegtmeier

Frater V.·.D.·. aka Ralph Tegtmeier

Frater V.·.D.·. (alias Ralph Tegtmeier) rät in seinem Buch „Schule der Hohen Magie“ (welches auch für Nichteingeweihte einen recht interessanten Blick hinter die Kulissen der magischen Zunft bietet), dieses Ritual mindestens zweimal täglich zu vollführen – es gehört sozusagen zur „Grundausrüstung“ der Magie und begleitet deren Ausführenden ein Leben lang – ausserdem ist es, der Name verrät es schon, nur das „kleine“ Ritual, kaum auszudenken, wie lange man für das „Grosse bannende Pentagrammritual“ brauchen mag.

Auch ein Magiesystem: "The Secret"

Magische Techniken: "The Secret"

Man verstehe mich nicht falsch: Ich habe nichts gegen Traditionen und auch Rituale finde ich im richtigen Rahmen äusserst sinnvoll (dazu später noch mehr). Wozu man aber mindestens zweimal täglich eine dermassen aufwendige Litanei herunterbeten soll, nur um sich 1. in Imagination, Visualisierung und Konzentration zu üben und 2. sich gegen die beschworenen Mächte schützen zu können, ist mir wirklich ein Rätsel. Dieses Ritual erscheint mir eher als Geduldsprobe und/oder als Abschreckung: Erdung und eine schützende Hülle kann sich heute schon in Sekundenschnelle imaginieren, wer auch nur einmal „The Secret“ oder Ähnliches gelesen hat.

Es ist für mich auch nicht einzusehen, warum man sich freiwillig mehrmals täglich an Bewußtseinsfelder der jüdischen Mystik und noch dazu der katholischen Kirche andocken soll, nur um Magie betreiben zu können. Und das mit den „bösen Mächten“ , vor denen man sich mit einem Bannkreis schützen muss, ist auch so eine Sache – während Frater V.·.D.·. in seinem Buch eingangs mehrmals darauf hinweist, dass „Angst“ der grösste Hemmschuh der Magie sei, malt er kurz darauf in den Erklärungen zum „Kleinen Pentagrammritual“ bereits in düstersten Farben aus, was passieren könnte, wenn man den einmal imaginierten Bannkreis vorzeitig verlässt: da blühen dem Magier nämlich Wahnsinn und Tod.

Ob diese Aussagen für den erste Schritte in der zeremoniellen Magie unternehmenden Adepten besonders sinnvoll sind, sei dahingestellt; meine anfängliche Irritation wandelte sich allerdings in Verständnis durch Bernhards Erklärung, dass das „Angstmachen“ zu der „Initiation“ als Magier dazugehört – damit würde sich die Gilde der Magier so quasi ihren exklusiven Status bewahren und die Mysterien schützen sich selbst. Tegtmeier erzählt also mit voller Absicht „Geistergeschichten am Lagerfeuer“ und agiert somit wie die patriachalischen Geheimgesellschaften früherer Zeiten, vermutlich sowas wie eine Art „Berufskrankheit“ dieser Zunft.

Scheibenwelt-Meister: Terry Pratchett

Scheibenwelt-Meister: Terry Pratchett

Heutzutage gibt es keine Isis mehr zu entschleiern – die „ultimative Blasphemie“ , also dass der Mensch gleich Gott ist, muss nicht mehr in jahrzehntelangen geheimen Unterweisungen erfahren werden, sie bildet die Grundlage modernen, positiven Denkens. Wenn ich die langwierigen Unterweisungen der Zeremonial-Magie studiere, muss ich automatisch an eine grossartige Szene in Terry Pratchetts Scheibenwelt-Roman „Das Licht der Phantasie“ denken, in welcher der altehrwürdige Obermagier Galder Wetterwachs vor seinen ebenfalls altehrwürdigen Kollegen das Ritual von Ashk-Ente durchführt; in einer, wie Pratchett schreibt, sehr „ernsten, okkulten Atmosphäre“ : „Überall lagen Widderhörner, bleiche Totenschädel, verschnörkeltes Metall und dicke Kerzen – obgleich einige jüngere Magier herausgefunden hatten, dass man das Ritual von Ashk-Ente problemlos mit drei kleinen Holzstücken und vier Kubikzentimetern Mausblut durchführen konnte“ .

Nach langer Intonation von mit bebender Stimme vorgetragener Beschwörungsformeln erscheint dann endlich eine grosse, dunkle Gestalt: „Eine schwarze Kutte samt Kapuze verhüllte den grössten Teil des Körpers, und das war auch besser so. In der einen Hand hielt der Unbekannte eine lange Sense, und selbst den kurzsichtigen Magiern entging nicht, dass die Finger nur aus weißen Knochen bestanden. In der anderen Hand sah Galder einige Käsewürfel und eine Ananasscheibe am Spieß. ‘NUN?’ fragte der Tod mit einer Stimme, die kälter war als ein Eisberg. Er bemerkte die verwunderten Blicke der Magier und sah auf den Käse. ‘ICH HABE GERADE EINE PARTY BESUCHT’ fügte er ein wenig vorwurfsvoll hinzu“ .

Der coolste Typ der Scheibenwelt: Tod

Der coolste Typ der Scheibenwelt: Tod

Der Tod (der sicherlich die allergenialste Figur in Pratchetts fantastischem Paralleluniversum darstellt) reagiert recht ungehalten auf das bitter ernste, ewig andauernde Ritual, da er wenig Zeit hat – er will zurück auf die Party, auf der einstweilen noch eine prächtige Stimmung herrscht – was sich um Mitternacht ändern wird, denn dann erwarten die anderen Gäste nämlich von Tod, dass er seine Maske ablegt. Soweit die Szene aus Pratchetts „Das Licht der Phantasie“ (deren äusserst hintergründigen Humor man nur schwer wiedergeben kann); neben den humorvollen Aspekten der Scheibenwelt kommt man nicht umhin zu bemerken, dass Pratchett einen mehr als tiefgründigen Blick hinter die Kulissen der zeremoniellen Magie geworfen haben dürfte; immer wieder parodiert er überkommene magische Traditionen und deren Protagonisten auf köstliche Art und Weise.

Obwohl natürlich noch jede Menge konservativer Seilschaften den beschriebenen traditionalistischen Formen der Zeremonial-Magie huldigen (und dabei am liebsten auf ewig unter sich bleiben wollen) hat zum Glück für uns moderne Menschen schon vor längerer Zeit eine Revolution in der Magie und damit ein Zusammenbruch der überkommenen Werte stattgefunden. Es ist gar nicht hoch genug einzuschätzen, was die zu ihrer Zeit „jungen Wilden“ Aleister Crowley, Austin Osman Spare und später Peter Carroll bewirkt haben: sie haben die Magie von alten, hindernden Fesseln gelöst und für den heutigen Menschen erschlossen. Während mir persönlich Crowley vermutlich immer suspekt bleiben wird, ermuntert mich die von Spare entwickelte „Sigillenmagie“ und Carroll’s „Chaosmagie“ dazu, meine eigene Kreativität spielen zu lassen.

Gerade die Chaosmagie mit ihrem erfrischend respektlosen Umgang mit dem „magischen Erbe“ ist mir dabei höchst sympathisch. Für entsprechende Systeme wird ausgewählt, was Spaß macht, da finden sich Elemente aus Terry PratchettsScheibenwelt„-Romanen wie Symbole, die von den Fantasy-Werken Michael Moorcocks inspiriert sind, da findet der absurde Witz der seligen Marx-Brothers ebenso seinen Platz wie das verrückte Universum des „Illuminatus!„-Erfinders Robert Anton Wilson. Am besten gefällt mir der sogenannte „Paradigmenwechsel“ , ein grundsätzliches Element chaosmagischer Beschwörungen: Magiemodelle werden (auch oder gerade wenn sie als unvereinbar gelten) je nach Lust und Laune verwendet – der Magier gestattet sich, für die Zeit des Rituals fest an das dahinterstehende Paradigma zu glauben; in diesem Sinne wäre dann sogar auch das eingangs erwähnte „Pentagrammritual“ mit Spaß an der Sache durchführbar.

Chaosmagier werden oftmals als lustige, weltoffene Menschen beschrieben – welch ein angenehmer Unterschied zu der (bewusst angestrebten?) muffig-düsteren Selbstdarstellung der magischen Zunft. Mir macht das unglaubliche Lust, „magisches Lego“ zu spielen und mein eigenes magisches System zu entwerfen – „ObskuriMagie“ würde ich das dann nennen und das zugehörige Grundlagenwerk „Liber Obskuristan“ .

Mythomagier: Bernhard Reicher

Mythomagier: Bernhard Reicher

Abseits von solchen Spielereien hat mein Freund Bernhard Reicher in jahrzehntelanger Arbeit ein geniales System entwickelt, welchem er den Namen „Mythomagie“ gegeben hat. Mittels der bildhaften Sprache von Mythen, Sagen und Legenden werden dem Interessierten „symbol-logische Veränderungen in Teilen des Unbewußten [und damit] auch Änderungen in der persönlichen Wahrnehmung ermöglicht“ (Zitat). Einige „magische Techniken“ von Bernhard durfte ich, wie eingangs erwähnt, vor kurzem kennenlernen – in einer meiner Meinung nach genialen Verquickung zwischen den LOA-Prinzipien (mehr dazu hier) und Ritualen, welche die Realisierung des Gewünschten oder Herbeigesehnten verstärken.

***

Die Homepage der Mythomagie mit weiterführenden Informationen.

Mehr zur Chaosmagie.

Tipp: Um Chaosmagie geht es auch in der CROPfm -Sendung vom 06.11. 2009hier nachzuhören.

Es wurde der Versuch gemacht, einem abwesenden Freund in einem weit entfernten Land einen liebenden, hilfreichen Gedanken zu senden. Das Ergebnis war sehr bezeichnend. Es bildete sich eine Art von vibrierendem Energiefeld in der Materie der Ebene und verbreitete sich nach allen Richtungen um den Denkenden herum, ganz ähnlich den Kreisen, die sich auf einer glatten Wasseroberfläche von dem Punkt aus, wo ein Stein hineingeworfen worden ist, bilden, nur mit dem Unterschied, dass sich diese Kreise nach vielen Dimensionen verbreiten, anstatt, wie im Wasser, nur auf der Oberfläche desselben.

[...] Auf der Mentalebene ist somit jedes Wesen ein Zentrum ausstrahlender Gedanken, und demnach kreuzen sich alle diese Ausstrahlungen nach allen Richtungen, ohne aufeinander im Geringsten hemmend einzuwirken, ebenso wie die Lichtstrahlen hier unten. Dieses sich ausdehnende Energiefeld leuchtete in verschiedenen Farben und schimmerte opalisierend. Die Farben wurden aber mit ihrer weiteren Ausbreitung immer schwächer.

Die Wirkung auf der Mentalessenz der Ebene war nun aber eine ganz andere. In dieser verursachte der ausgesandte Gedanke sofort das Entstehen einer ganz bestimmten Form, der menschlichen Gestalt ähnlich, doch nur in einer Frabe, wenn auch in verschiedenen Schattierungen dieser Farben spielend. Diese Form bewegte sich blitzartig über den Ozean hinüber, dem Freund zu, an den der freundliche Wunsch gerichtet war, nahm dort Elementalessenz der Astralebene an sich und wurde so zu einem gewöhnlichen künstlichen Elemental dieser Ebene, auf eine Gelegenheit wartend, seinen hilfreichen Einfluss über den Freund auszugießen.

Dadurch, dass es die Astralform annahm, verlor das mentale Elemental viel von seiner Leuchtkraft, obgleich seine glühende Rosenfärbung innerhalb der Schale der niederen Materie, mit der es sich umhüllt hatte, noch deutlich sichtbar war. Dies zeigt, dass ebenso wie der ursprüngliche Gedanke die Elementalessenz seiner eigenen Ebene beseelte, derselbe Gedanke, verbunden mit seiner Form als mentales Element, als Seele für das astrale Element wirkt. Er befolgte somit diesselbe Methode, deren sich der höchste Geist selbst bedient, der Hülle auf Hülle annimmt, wenn er durch die verschiedenen Ebenen und Unterebenen der Materie hinabsteigt.

aus: Charles W. Leadbeater, „Die Mentalwelt – Wie uns Gedanken im Diesseits und im Jenseits prägen“, Aquamarin Verlag, 2008

Ein paar Anmerkungen noch zum letzten Obskuristan-Artikel, in dem ich über die Annunaki als gentechnische Urväter der heutigen Menschenzivilisation spekuliert habe: Laut Informationen des etwas blümeranten Sheldan Nidle hat sich ein Teil der ehemaligen finsteren Sklavenherrscher um 1995 herum der „Galaktischen Föderation des Lichts“ angeschlossen und hilft der Erde nun beim Aufstieg; weswegen der bekehrte Teil der Annunaki seit damals auch „Annanuki“ genannt werden will; mich erinnert das eher an das ScheingefechtScientology versus Freie Zone“ , aber bitte – wer das glauben will, soll es tun. Ein Freund hat mich ausserdem darauf hingewiesen, dass es seit den Manipulationen der Ur-Annunaki natürlich auch immer wieder den Menschenkindern im Guten helfende ausserirdische Rassen gegeben hat, wie z.b. die Venusier. Ausführliche Informationen dazu liefert bei Interesse die Channelingentität Ahastar.

Alien-channel: Sheldan Nidle

Alien-Channel: Sheldan Nidle

Grundsätzlich kann man also festhalten, dass die Interventionen verschiedenster Alien-Rassen in der Geschichte unserer Erde zahlreich waren (oder noch immer sind). Vermutlich ist auch die einstige Superzivilisation Atlantis mit der Hilfe Ausserirdischer entstanden, in diesem Fall fungierten die Sirianer als Urväter. Woher man das weiss? Aus atlantischem Schriftgut, welches die Templer mal besessen haben; diese Schriften sollen übrigens auch das wirklich echte und ultimativewahre Geheimnis“ der rebellischen Tempelritter sein (und nicht irgendein bloody Jesus-Pokal, der diente bloß zur Ablenkung).

Im Jahr 1094 soll der später heiliggesprochene Bernhard von Clairvaux eine Vision gehabt haben, in der ein Engel ihm auftrug, ins Heilige Land zu fahren, in einer Gruft die dort verborgene Bundeslade auszugraben und nach Frankreich zu transportieren; dies sollte dem Zweck dienen, die Bundeslade als „biblisches Gleichnis“ wieder neu im Bewußtsein der Menschen zu verankern, ausserdem sollte in ihr der Beweis zu finden sein, dass Gott wirklich existiert. Bernhard von Clairvaux begab sich zu Papst Urban II. und scheint ihn von seiner Vision dermassen überzeugt zu haben, dass dieser mittels kirchlich geübter Volksverhetzung die Massen zum „Heiligen Krieg“ mobilisierte; der wahre Grund für die Kreuzzüge scheint also nichts anderes als die geheimzuhaltende Bergung jener ominösen „Bundeslade“ gewesen zu sein, die letztendlich – nach langen, zermürbenden Kämpfen – im Jahr 1119 in der Nähe des Felsendoms in Jerusalem ausgegraben wurde.

Populär: Jan van Helsing

Populär: Jan van Helsing

So zumindest steht es in dem 2004 erschienen Werk „Hände weg von diesem Buch“ des heißumstrittenen Jan van Helsing (Pseudonym für Jan Udo Holey). Eine kleine Recherche zu dieser fantasievollen Story zeigt, dass sich der Bestsellerautor ordentlich mit den Jahreszahlen vertan hat: Laut seinen Angaben hatte wie gesagt der Heilige Bernhard seine Vision 1094, im darauffolgenden Jahr soll er bereits die ersten Ritter um sich geschart haben, während Urban II. zu den Kreuzzügen aufrief. Das Problem: laut allen glaubhaften historischen Quellen wurde Bernhard von Clairvaux erst im Jahr 1090 in Dijon geboren, er muss also im Alter von 5 Jahren schon ziemlich überzeugend gewesen sein, wenn er einen Papst dazu überreden konnte, zu einem folgenschweren und blutigen Krieg aufzurufen; und das auch nur, um in Ruhe ein paar Steinkisten ausbuddeln zu können, was Bernhard übrigens auch vor Ort mit seinen Rittern bewerkstelligt haben soll. Auch das ist leider vollkommen unmöglich, denn just zu dieser Zeit gründete er bekanntermassen in der französischen Champagne das Kloster Clairvaux; falls der heilige Bernhard also nicht seinen Astralkörper ausgesandt hat, kann er kaum gleichzeitig in Jerusalem Archäologe gespielt haben.

So schnell kann eine wunderbare Verschwörungstheorie in den Lokus gehen: Hatte ich mir während der Lektüre von Helsing’s Buch schon in leuchtenden Farben ausgemalt, wie das geheime Wissen der Atlantier die heutige Welt im Guten und im Bösen beeinflusst hat, verspürte ich dann logischerweise keine Lust mehr, darüber auch nur irgendetwas zu schreiben. Etwas interessierte mich dann aber doch: Wo hatte Helsing/Holey diese Theorie eigentlich her? Weitere Recherchen enthüllten den wahren Urheber, einen mehr als obskuren und kaum bekannten „Privatforscher“ namens L. W. Göring. Zu diesem Mann gibt es genau eine einzige Quelle, nämlich die Homepage www.tachyonen-energie.de, welche „tachyonisierte Mineralsteine“ verkauft, durch die man die Körperheilung bei Verletzungen etc. beschleunigen kann.

Privatforscher L. W. Göring (? - 1998)

"Privatforscher" L. W. Göring (? - 1998)

Eine Technologie, die, so erfahren wir, auf den Erkenntissen eben jenes (1998 verstorbenen) L. W. Göring basiert, die dieser wiederum aus dem Studium atlantischer Schriften gewann. Wie kam er zu diesen Schriften? Angeblich in den 1960er-Jahren, Göring war damals, so  scheint es ein erfolgreicher Unternehmer, während eines Urlaubs in Nizza. Originalzitat: „Alleine zog es ihn zu einem Cafe am Strand, wo ihm ein weißhaariger, älterer Mann im langen Mantel auffiel. Er konnte nicht nach Hause fahren ohne diesen Mann einmal aus der Nähe zu sehen. Dabei erstaunte es ihn sehr, dass der Mann ihn mit Namen ansprach und erklärte, dass er schon auf ihn gewartet hätte. L.W. Göring erhielt von diesem Mann eine Adresse und ein Datum, an dem er in Frankreich eine Anzahl von Unterlagen und Modellen empfangen sollte, die er überprüfen und mit Anderen zu gegebener Zeit veröffentlichen sollte.Er erfuhr weiterhin, dass es sich um Niederschriften handelte, die die Templer aus der Bundeslade übersetzten, die sie im Jahre 1119 n.Chr. aus Jerusalem herausbrachten. [...] Bei Ausgrabungen des Wissenschaftlers Roger Lhamoy 1946 wurde die Grotte entdeckt. Doch die französische Geheimpolizei beschlagnahmte sämtliche Funde, noch bevor Lhamoy eine Truhe öffnen konnte. Heute, so erfuhr L.W.Göring, befindet sich auch ein Teil dieser Schätze im Besitz des Vatikans. In den 60er Jahren wäre es nicht einfach, mit einem LKW voll er Kisten die französische Grenze zu überqueren, bedachte L.W. Göring. Doch der Mann beruhigte ihn, und meinte es würde alles geregelt werden. Damit ließ er ihn allein.Zuerst belustigt, doch dann interessiert, verliefen die nächsten Wochen bis der Termin anstand.

Alleine begab er sich mit dem LKW nach Frankreich, erhielt die versprochenen Kisten, und kam ohne kontrolliert zu werden nach Deutschland.Es dauerte Monate, bis er sich einen kleinen Überblich über die Unterlagen verschaffen konnte. Und er mußte feststellen:Wenn dies alles wahr sein sollte, dann müßte er sein gesamtes Weltbild umstellen!Außerdem war es unumgänglich die Bereiche Physik, Quantenphysik, Kosmologie, Theologie, Biologie und Medizin zu studieren, oder sich auf den neuesten Stand der Wissenschaft zu bringen.Dies verschlang weitere Jahre in denen auf wundersame Weise die finanziellen Mittel und die jeweils wichtigen Menschen auf ihn zukamen. In der Zeit baute er auf der ganzen Welt einen Kreis auf, der mit ihm an der wissenschaftlichen und experimentellen Überprüfung der Unterlagen arbeitete. Vor allem Wissenschaftler aus der UdSSR waren mit ihm in ständigem Kontakt. Alle, die an der Überprüfung beteiligt waren, sind davon überzeugt, daß die Aussagen in den Unterlagen absolut realistisch sind.Hierbei sei bemerkt, dass es sich bei den Unterlagen um das Wissen handelt, das aus einer 12600 Jahre alten Zivilisationsgesellschaft stammt. Bezeichnet sind die Unterlagen als „Das A-OMEGA-PROJEKT“ .

Soweit die wundersame Geschichte auf der Homepage www.tachyonen-energie.de. Was mich dabei extrem wundert: Wenn L. W. Göring mit „Wissenschaftlern aus der ganzen Welt“ zusammengearbeitet haben soll, wieso wurde darüber nie etwas publiziert? Es scheint das geheimste Geheimprojekt aller Zeiten gewesen zu sein, denn ausser auf jener vorhin erwähnten Seite ist trotz intensivster Recherchen kein Wort über diesen L. W. Göring (ein Nachfahre vom dicken Herrmann?) oder jenes ominöse „A-OMEGA-PROJEKT“ zu finden. Und die paar aufgefundenen Webseiten und Blogs zum Thema „Atlantisches Geheimwissen der Templer“ entpuppen sich als absolut originalgetreue Abschriften der Passagen aus Helsing’s „Hände weg von diesem Buch“ .

Wer im Glashaus sitzt soll nicht mit Steinen werfen. Ich gebe es ja zu, auch ich falle oftmals hier der einen oder anderen unbewiesenen Verschwörungstheorie anheim. Der Unterschied zu manch anderem Autor liegt vielleicht darin, dass ich in einem Artikel über solche Theorien von „Möglichkeiten“ spreche und auf das „So ist es und nicht anders!“ , an welchem die meisten Werke der Verschwörungsliteratur kranken, so weit wie möglich verzichte. Am Beispiel dieses ominösen „Atlantischen Geheimwissens“ (welches im übrigen hauptsächlich aus dem inzwischen schon sattsam publiziertem „Gesetz der Resonanz“ , also dem LOA-Prinzip, bestanden haben soll) kann man wirklich sehr schön betrachten, wie eine Verschwörungstheorie entsteht, die irgendwann für wahr gehalten wird; deswegen, weil eine unbewiesene Primärquelle unkritisch übernommen wird, wobei dann in weiterer Folge ein Autor beim anderen einfach abschreibt.

Extreme Form der Copyright-Verletzung: "Hände weg von diesem Blog"

Extreme Form der Copyright-Verletzung: "Hände weg von diesem Blog"

Im Fall von Helsing’s Buch ist das besonders krass. Man betrachte sich nur die Homepage „Hände weg von diesem Blog “ , erstellt von einer gewissen „Annunnakai“ (sic!), die, abgesehen von ein paar grammatikschwachen Einleitungsssätzen Helsing’s „Hände weg von diesem Buchbuchstabengetreu kopiert hat. Also wenn ich der Holey wäre, die würde ich wirklich verklagen. Nur ein Fall unter vielen: es ist unglaublich, wie viele Leute dessen Aussagen ohne Quellenangabe auf ihre Webseiten stellen; da kann man nur noch sagen: es lebe das geistige Eigentum!

Ältere Artikel »