Hintergrundmusik: Heute mal was von dem Label, welches ich zusammen mit meinem Bruder Gert betreibe: Herwig Holzmann mit der wunderbaren Stanislaw Lem – Würdigung Nekroevolution; das ganze Album (namens “LEM”) gibts als freien Download unter www.bruit.at. Infos zum Künstler bekommt ihr unter www.photophob.net.
Dr. Michio Kaku ist aussergewöhnlicher Wissenschaftler. Nicht nur, weil der Mitentwickler der Stringtheorie, der als Professor für theoretische Physik an der City University Of New York lehrt, mit über 60 Jahren ein Buch geschrieben hat, in welchem er sich als Science Fiction – Fan outet und sich ernsthaft mit den physikalischen Grundlagen utopischer Erfindungen wie Schutzschilden, Laserwaffen und Zeitmaschinen beschäftigt, sondern auch wegen seinem in vielen Interviews offen bekundetem Interesse am UFO-Phänomen und an der Möglichkeit der Existenz ausserirdischen Lebens (unter vielen von Kaku`s Berufskollegen gilt sowas ja noch immer als Häresie).

Unkonventioneller Physiker: Dr. Michio Kaku
Klare Worte findet Dr. Kaku allerdings zum SETI- Programm: In dem Buch “Die Physik des Unmöglichen” schreibt er: “Die Suche nach Hinweisen für intelligente Signale [...] ist bisher jedoch enttäuschend verlaufen. [...] Nach Jahrzehnten harter Arbeit hat das eklatante Ausbleiben jeglichen Fortschritts in der SETI-Forschung die Befürworter gezwungen, unbequeme Fragen zu stellen.“

SETI - Erfinder Frank Drake
Die unbequemste Frage zu SETI ist allerdings: “Wozu das Ganze?” Auch wenn sich SETI- Pionier Frank Drake vor einiger Zeit wieder einmal dahingehend geäussert hat, “er sei optimistisch, daß in den nächsten 20 Jahren ein entsprechendes Signal eintreffen werde“, mag man das kaum mehr glauben- die Resultate der Suche nach ausserirdischen Intelligenzen sind (ausser dem “Wow”- Signal des Astrophysikers Jerry R. Ehmann, welches allerdings nicht ernst genommen wurde) bis heute, fast 50 Jahre nach Beginn der ersten Experimente mit Radioteleskopen, gleich Null.

Da konnte sie noch lachen: Blossom Goodchild
Ist SETI bloß ein gigantisches Ablenkungsmanöver von Alien-Kontakten, die schon längst stattgefunden haben? Oder gibt es einfach keine Aliens, mit denen man einen Kontakt herstellen könnte? Die Szene der UFO- Kontaktgläubigen windet sich derzeit unter Schmerzen, nachdem das australische Medium Blossom Goodchild vor kurzem ein Desaster anrichtete: Sie hatte durch “Channeling” von der “Federation Of Light” erfahren, daß sich ab dem 14. Oktober 2008 für mehrere Tage der ganzen Welt ein UFO zeigen würde, “in such a way as to prove to us the existence of other life forms in the Universe“, und machte diese Botschaft öffentlich. Nachdem an diesem Datum keine Ausserirdischen (in welcher Form auch immer) zu sehen waren, brach ein Sturm der Entäuschung los- die Australierin musste ihr Blog wegen zahlreicher Mordrohungen, Aufforderungen zum Selbstmord und anderen Hassbotschaften schliessen.
Esoterische Bankrotterklärung: Blossom Goodchilds Entschuldigungsorgie
Keine guten Neuigkeiten an der Alien-Front also. Woran liegt es bloß, daß die Ausserirdischen keine Botschaften schicken, welche unsere Teleskope aufffangen können? Warum sind auf “Beweisfotos” von angeblichen UFOs immer nur verschwommene Lichtflecke zu sehen (andersum gefragt: warum stellen sich “detaillierte” UFO-Fotos in den meisten Fällen als Fälschungen heraus?) Warum bekamen berühmte “Contactees” wie Adamski, Angelucci oder Van Tassel Besuch von Venusiern und anderen “Botschaftern aus dem All“, bloß der Rest der Menschheit bekam sie nie zu sehen? Wenn man mal typisch esoterische Erklärungsversuche a lá ” Es ist noch nicht der richtige Zeitpunkt” oder “Die amerikanische Regierung ist schuld” weglässt, bleibt nur ein einziges Argument übrig: Unsere Konzepte von dem, was “ausserirdisch” ist, verhindern jegliche Möglichkeit der Kontaktaufnahme.

Botschaften via Laserstrahlen...
Bevor wir uns damit ausführlicher beschäftigen, hier noch ein paar technische Überlegungen: Möglich wäre es, daß wir schon längst Signale erhalten haben; die jedoch könnten solcherart beschaffen sein, daß wir sie nicht als Alien-Botschaften erkannt haben- die Signale könnten dermassen stark komprimiert sein, daß man sie nur als das übliche monotone Rauschen wahrnimmt. Ein weiteres Problem der SETI- Forscher ist ihre Fixierung auf Funksignale und deren Frequenzbänder: Dr. Kaku weist darauf hin, daß Ausserirdische ja genausogut Lasersignale benutzen könnten; bei dieser Technologie ist es im Vergleich zu Funk möglich, mehr Signale in eine Welle zu packen, da die Wellenlänge kürzer ist.

Der Roswell - Alien: Fake
Die wirklich essentielle Frage allerdings ist: würden wir einen Kontakt mit Ausserirdischen überhaupt als solchen erkennen? Sebastian Maliezefski hat zu diesem Thema 2006 in einem Essay geschrieben: “Wir verlangen eine bestimmte Art von Bewusstsein und Vernunft, um uns miteinander zu verständigen, nur in diesem Rahmen können wir agieren, denken und wissen. Was aber wenn irgendwo im Universum eine Lebensform existiert, deren Vernunft und Bewusstsein sich von der unseren vollständig unterscheidet? Eine Lebensform, die anders handelt, einen anderen Wissensstand hat, oder in völlig anderen Dimensionen denkt? Ob diese Lebensform aus unserer Sicht intelligent handelt ist rein subjektiv. Es wäre töricht, wenn man denkt, eine solche Vernunft ist auf der Suche nach uns oder einer anderen Zivilisation“.

Genius: Stanislaw Lem
Und selbst wenn wir einen Kontakt zu einer fremden Lebensform hergestellt hätten, würden wir sozusagen immer nur in einen “Spiegel blicken”. Der grosse polnische Denker Stanislaw Lem hat in seinen äusserst komplexen Romanen “Die Simme des Herrn” (1981) und “Fiasko” (1986) nicht nur dem naiven SETI-Konzept ein paar schallende Ohrfeigen verpasst, sondern auch die These des “kosmischen Vorbeiredens” postuliert: Letztlich würden wir im Kontakt mit einer ausserirdischen Rasse nur das verstehen können, was uns gleicht. In Lem`s “Fiasko” führt dieses vollkommene Unvermögen, sich in eine fremde Intelligenz einzufühlen, zu einem obsoleten (von der menschlichen Seite geführten) Krieg und zu der vollständigen Vernichtung eines Planeten samt seiner ausserirdischen Zivilisation.

Christian Fleck schreibt zu diesem Buch: “Die Erkenntnisse die wir von etwas gewinnen, was von sich aus keine Informationen hergibt, werden ausschließlich von unseren Fragen bestimmt. Wir erfahren immer nur das, was wir erfragen können – die Art der Frage bestimmt dabei die Antwort und läßt uns über die Hintergründe im Dunkeln“.
Keine guten Voraussetzungen also für den Kontakt mit einer ausserirdischen Zivilisation. Es scheint wohl seine Richtigkeit zu haben, daß ein solcher bisher nicht erfolgt ist- vielleicht sollte das auch in Zukunft so bleiben.




aus aktuellem anlass: “Wir werden E.T. innerhalb der nächsten zwei Dutzend Jahre finden”, meinte SETI-Astronom Seth Shostak
was für eine riesige geldverschwendung.
vor allem: was für eine bewusste ablenkung!!!!
le docteur
Das sehe ich anders. Erst einmal zur Kompression: warum sollte eine Intelligenz, die sich bemerkbar machen will, ihr Signal hochgradig komprimieren oder verschlüsseln? Es sollte eher so einfach wie möglich gehalten werden.
Ich denke nicht, dass es das primäre Ziel von SETI ist, sich mit Außerirdischen zu “unterhalten”. Ganz klar: das wäre utopisch und sicherlich auch nicht besonders fruchtbar.
Allerdings halte ich es für wichtig, zu wissen, ob überhaupt andere Intelligenzen im Universum existieren. Eine Antwort würde unser Weltbild verändern (erweitern?) – ich denke, diese Frage ist mindestens so fundamental wie die nach dem Sinn des Lebens. Eine Triebfeder der Menschheit ist die Neugier, sie treibt uns voran.
Das bisschen Geld, das SETI benötigt, halte ich im Vergleich zu dem, was wir ausgeben, um uns gegenseitig umzubringen und zu schaden, für angemessen.
hi david!
ich glaube das Problem ist keineswegs, ob das Signal verschlüsselt ist oder nicht (ist ja nur eine Möglichkeit unter vielen) sondern ob wir das Signal als solches überhaupt erkennen würden (bzw. die Intelligenz die sich dahinter verbirgt) – ich würde dir empfehlen, “Die Stimme des Herrn” und “Fiasko” von Stanislaw Lem zu lesen, der sich ausführlich und wissenschaftlich mit diesem Thema auseinandergesetzt hat- und z.b. beweist, dass eine x-beliebige Zivilisation, die vor unzähligen Zeiten aus dem weiten All ein Signal an uns abgesetzt hat, beim Eintreffen unserer Antwort entweder bereits ausgestorben sein dürfte oder sich dermassen weit fortentwickelt hat, daß eine sinnvolle Kommunikation nicht mehr stattfinden kann.
Dass SETi sich mit solchen Überlegungen nicht auseinandersetzt (zumindest hab ich in deren Publikationen keinen Hinweis darauf gefunden) ist einfach naiv, und ja, deswegen ist SETI eine Geldverschwendung- mal ganz abgesehen von der Möglichkeit, daß etwaige erfolgreiche Kontakte NASA-mässig heruntergespielt werden (siehe Wow-Signal, http://de.wikipedia.org/wiki/Wow-Signal )
liebe grüsse,
doc