Hintergrundmusik: Zum “atmosphärischen Lesen” gibt es hier einen kleinen Auschnitt aus dem Soundtrack zu dem Film “The Mothman Prophecies“.
Aussergewöhnliche Ereignisse werfen ihre Schatten voraus- manchmal wälzt sich eine riesige paranormale Welle auf einen singulären Punkt zu und die Ausläufer dieser Welle sind schon zuvor heftig zu spüren. Meisterregisseur John Carpenter hat das in seinem Film “The Fog” von 1980 anschaulich demonstriert: Bevor sich das Grauen in Gestalt einer undurchdringlichen Nebelwolke (der Nebel als “Medium“, innerhalb dessen die Geisterpiraten die Möglichkeit haben, ihr blutiges Todeshandwerk zu verrichten) über eine Kleinstadt legt, geschehen allerlei seltsame Ereignisse: Glas zerbricht wie von Geisterhand, die Scheinwerfer von abgestellten Autos schalten sich an, während ihre Hupen verrückt spielen; auf einer Tankstelle machen sich die Zapfhähne selbstständig, Benzin spritzt umher.

Man könnte die Anhäufung von paranormalen Ereignissen in einem abgegrenzten Gebiet und abgesteckten zeitlichem Rahmen auch wie ein physikalisches Feld betrachten- meist als Vorbote eines negativen Ereignisses. Eigentlich müsste ja das determinierte Ereignis, wenn es ein solches Feld bedingt, dieses sozusagen in die Vergangenheit zurückschicken- zumindest vom Standpunkt der linear ablaufenden Zeit aus betrachtet; vermutlich ist es aber eher so, daß alles gleichzeitig passiert: das Ereignis löst das Feld aus sowie auch das Feld das Ereignis bedingt.

Studieren kann man das sehr gut anhand der Geschehnisse in der amerikanischen Kleinstadt Stadt Point Pleasant im Bezirk West Virgina und deren umliegenden Ortschaften- ab November 1966 begann dort nämlich die Realität verrückt zu spielen. Auf dem Gelände einer ehemaligen Sprengstoff-Fabrik aus dem zweiten Weltkrieg zeigte sich verschiedenen Zeugen zu unterschiedlichen Zeiten eine Wesenheit, welche als Mischung aus Nachtfalter und Mensch beschreiben wurde. Der “Mothman“, wie er bald genannt wurde, erschreckte zahlreiche Menschen mit seinen “riesigen roten Augen” und Lauten, die wie eine “in höchster Panik schreiende Frau” geklungen haben sollen.

Der Mothman, Originalzeichnung eines Zeugen
Die Sichtungen dieses bizarren Wesens bildeten den Auftakt zu einer Anhäufung seltsamer Erlebnisse unzähliger Menschen der Region; innerhalb dieses speziellen paranormalen Feldes kam es zu Lichterscheinungen am Nachthimmel, UFO-Sichtungen, Poltergeist- Phänomenen (wie sich von selbst öffnende und schließende Fenster und Türen), “Geisterstimmen” waren zu hören und es gab massive Störungen elektrischer Systeme: Telefone, Fernseher und Radios funktionierten nicht; Autos blieben stehen, da ihre Elektronik kurzzeitig zusammenbrach.

John A. Keel
Die genaue Beschreibung dieser Phänomene durch die Befragung hunderter Zeugen verdanken wir John A. Keel, dem großen alten Forscher des Paranormalen. Keel kam zu der Zeit zufällig in die Gegend, weil er im benachbarten Ohio UFO-Sichtungen untersucht hatte- er blieb für einige Zeit in Point Pleasant und erregte die Aufmerksamkeit des Feldes. Dieses hatte sich nicht nur in dem Mothman-Fabelwesen materialisiert, sondern schickte möglicherweise auch Agenten, die ordentlich für Verwirrung sorgten: seltsame Männer in schwarzen Anzügen, die bei verschiedenen Bewohnern zu Hause auftauchten und eigenartige Fragen stellten. Diese Männer fielen durch ihr irrationales Benehmen, ihre absonderliche Sprechweise (mit Klickgeräuschen, oder mit abnorm beschleunigtem, abgehackten Redefluss wie ein zu schnell abgespieltes Tonband) sowie durch ihr seltsames Äußeres auf- viele der Zeugen gaben später an, “sie hätten sich in deren Gegenwart unwohl gefühlt”, konnten aber nicht sagen warum.

Für mich ist dies die genaueste und gleichzeitig wunderbar absurdeste Beschreibung des sogenannten “Men in Black“- Phänomens. Drei der Herren verieten gegenüber Zeugen übrigens auch ihre absonderlichen Namen: Sie hiessen Karl Ardo, Demo Hassan und Indrid Cold (Anagramme?). Cold war derjenige, der schließlich damit begann, Keel jede Nacht zu einer bestimmten Zeit anzurufen: mit einer Stimme, die elektronisch verfremdet klang, erzählte er ihm verwirrende Details von kommenden Katastrophen in verschiedensten Gegenden der Welt. Manchmal hörte Keel (der begonnen hatte, die Telefonanrufe aufzunehmen) auch nur schrille Pfeiflaute oder eine Mischung aus verzerrten Stimmen und weissem Rauschen (EVP?). Man hat später spekuliert, daß Indrid Cold eine “menschlichere” Manifestation des Mothman war, oder aber auch ein Alien- das zumindest behauptete ein Mann aus der Gegend von Point Pleasant namens Woodrow Derenberger, der angab, von Cold telepathisch kontaktiert zu werden. Derenberger erzählte später wilde Geschichten über Cold und seine Kollegen als Zeitreisende von einem Planeten namens “Lanulos” und schrieb seine Erlebnisse 1971 in einem Buch namens “Visitors from Lanulos” nieder.

Woodrow Derenberger (li)
Ganz egal, was der mysteriöse Cold und andere dieser Männer erzählten oder behaupteten zu sein; all diese seltsamen Ereignisse- die Lichter am Himmel, die Störungen elektrischer Systeme, die Poltergeistphänomene, die Sichtungen jenes Fabelwesens mit den roten Augen- kulminierten in einem gewaltigen negativen Ereignis: am späten Nachmittag des 15. Dezember 1967 stürzte die Silver Bridge ein, die Point Pleasant mit der Nachbarstadt Kanauga Point Pleasant über dem Ohio River verband. Zahlreiche Autos fielen in das eiskalte Wasser des Flusses, 46 Todesopfer waren zu beklagen. Zur Zeit der Katastrope beobachteten weiter entfernte Zeugen eine dramatische Zunahme der schon Monate zuvor registrierten seltsamen Lichterscheinungen. In den Tagen danach kam es weiters zu vermehrten Aktivitäten vieler Männer in schwarzen Anzügen, die überall Fragen zu den UFO-Sichtungen stellten, meistens aber auch sehr schnell wieder verschwanden- oftmals, “als hätten sie sich in Luft aufgelöst“.

Die Silver Bridge nach ihrem Einsturz 1967
Was genau ist eigentlich in Point Pleasant passiert? Die Erscheinungen dieses paranormalen Feldes lassen sich in keine gängige Theorie (Prophezeiung etc.) einpassen- weder wurden Menschen vor Schaden bewahrt, noch wurden sie explizit vor der Katastrophe gewarnt; die Motive all dieser Apparitionen lassen sich keinesfall mit menschlicher Logik entschlüsseln. Das Feld löste sich übrigens bald nach dem Einsturz der Brücke auf; weder der Mothman noch UFOs oder Männer in Schwarz wurden in der Gegend jemals wieder gesehen. Point Pleasant hat den Schrecken des Mottenmannes übrigens mit viel Geschäftssinn transformiert: die Stadt fungiert heute als paranormales “Disneyland“; mit einer Statue, einem Museum und regelmässigen Veranstaltungen zum Thema.

Mothman-Statue in Pleasant Point
Der Mothman- oft auch als “Engel des Todes” bezeichnet, taucht seither immer wieder in zeitlicher Nähe zu allfälligen Katastrophen auf. Mehr dazu gibt es auf dem Blog des (ziemlich durchgeknallten) Fotografen Andy Colvin zu lesen, der dem Fabelwesen selbst mehrmals begegnet sein will und es auch fotografiert hat. Ob man das glauben mag oder nicht, Colvin ist zumindest eine interessante Quelle zu den beunruhigenden Ereignissen in Point Pleasant, so hat er zum Beispiel herausgefunden, daß zusätzlich zu all den verrückten Vorkommnissen damals auch ein Serienkiller in der Gegend unterwegs war: “John Keel stated in one of his talks that there was a sociopath on the loose during the Mothman flap. This sociopath was a mentally ill wealthy kid who was suspected of murders and abductions. He was never prosecuted by authorities because of political connections. Was this Dr. Larry Layton, Jr. who was later imprisoned for his role in the Jonestown massacre? Was it Charles Manson? David Ferrie? Strangely, no one ever talks about who this person was, even though Keel said the identity of this sociopath was an open secret at the time. [...] It could be years (and more lives?) before we find out who this criminal was.“

Wegen der Atmosphäre und der ausgezeichneten schauspielerischen Leistungen kann ich den entsprechenden Film “Die Mothman Prophecies” uneingeschränkt empfehlen (auch wenn eine zusätzliche Liebesgeschichte eingebaut und viele wichtige Details weggelassen wurden).
“The Real Thing” ist aber natürlich der dem Film und diesem Bericht zugrunde liegende Tatsachenbericht “The Mothman Prophecies” von John A. Keel- ein Buch, das mir nächtelang den Schlaf geraubt hat.
Ist inzwischen leider längst vergriffen, ich schenke es euch hier (auf englisch) als pdf-File
)







Hallo !
Ich bin durch Zufall auf diese seite gelangt,weil ich neulich den bsagten Film im Tv geshen habe .Ich war recht fasziniert von Ihm und suche nun nach dem Buch dazu. Es scheint ,ausser in englisch keie übersetzung in deutsch zu geben oder? Ich kann zwar Schulenglisch aber das reicht wohl leider nicht au um ein ganzes Buch zu lesen . Wissen sie ob es da Buch wirklich nur in englisch gibt?
Vielen Dank für die Mühe .
Gruß N.
hallo n!
stimmt, auf deutsch ist das buch seit jahren vergriffen, wird nicht mal mehr im amazon marketplace geführt. ich habs aber auf booklooker aufgestöbert, gebraucht ab 8 €….
findest du auf http://www.booklooker.de, man muß sich allerdings registrieren, um da einkaufen zu können (kann ich aber wirklich sehr empfehlen…)
wirst sehen, gegen das buch ist der film harmlos
viel spaß und liebe grüße
docteur
@”Paranormale Felder”
Sowas scheint es auch in Italien zu geben – in dem sizilianischen Dorf namens Canneto di Caronia. Zwar ohne Mothmen oder Men-in-Black, dennoch sehr merkwürdige Ereignisse, darunter z.B. spontane Selbstentzündungen von Gegenständen.
Für weitere Informationen siehe z.B.
http://www.abendblatt.de/daten/2004/03/29/278533.html
oder einfach nach “Canneto di Caronia” googeln.
cheers
Erazor
hui! klingt sehr interessant! danke für den tipp!
le docteur
Sehr gute Seite! Danke, war wirklich sehr interessant. Hast du noch mehr solcher Ereignisse behandelt und untersucht?
Gerne mehr!
Danke!
hello kaRninchen!
ich wollte mal einen artikel über einen weiteren “hotspot” mit dermassen massiven geschehnissen, nämlich die “skinwalker ranch” in utah schreiben, bin aber leider noch nicht dazugekommen.. falls du dich für solche hotspots mit verschiedensten phänomenen interessierst, möchte ich dich auf die CROPfm-seite verweisen (banner rechts oben anklicken), dort in der suchfunktion bitte das wort “knittelfeld” eintippen: im dortigen gebiet (ganz in der nähe meiner heimatstadt) gehts seit einiger zeit nämlich so richtig “rund”…
liebe grüsse,
dein docteur