Hintergrundmusik: Rätselhaftes Thema, geheimnisvolle Musik: Heute gibt es einen Auschnitt aus „Au Lait„, ein Track aus Pat Metheny’s 1982er- Release „Offramp„.
Als ich dieses Blog hier begann, dachte ich ja, ich könnte die Themen, die mich beschäftigen, durch die diversen Artikel darüber so quasi aus mir rausexorzieren, zu den Akten legen; natürlich passiert aber genau das Gegenteil davon. Das Spiricom zum Beispiel, diese angebliche Möglichkeit zur Echtzeit – Zwei-Wege-Kommunikation mit dem Totenreich, hat nach dem Schreiben darüber meine Gedanken erst so richtig in tage- und vorallem nächtelange Rotation versetzt.

Schlaflos in Obskuristan
Ähnlich geht es mir zur Zeit mit dem tragischen Computergenie Tron: Befeuert durch die vierte Episode „Das Handy-Komplott“ der Hörspielreihe „Offenbarung 23“ (welche sich explizit mit den möglichen Gründen zum mysteriösen Tod des Hackers auseinandersetzt), wälze ich mich des Nächtens unruhig hin und her und überlege, welche seiner Erfindungen ihm denn nun im Endeffekt das Leben (siehe „Illuminatus„-Artikel) gekostet haben könnte: Das Cryptophon? Für die NSA und ihr Abhörnetz Echelon dürfte Tron’s Entwicklung dieses vollkommen abhörsicheren ISDN – Telefons ein empfindlicher Rückschlag gewesen sein, wurde bis dahin die Abürzung ISDN in Geheimdienstkreisen doch lapidar mit „Im Sinne der Nachrichtendienste“ übersetzt; die durch Trons Tod unterbrochene Weiterentwicklung zum „Cryptron“ hätte auch Datenverbindungen auf wirksamste Weise verschlüsselt.

Tron's "Cryptophon" (originaler Prototyp)
Oder das Knacken des damals vom Pay-TV -Anbieter Premiere benutzten Nagravision/Syster- Verschlüsselungsverfahrens: das könnte Tron mächtige und unbarmherzige Feinde geschaffen haben. War dieser Hack vielleicht mit einer der Gründe, warum die Kirch-Gruppe letztendlich in die Insolvenz schlitterte? Und dann noch der (erfolgreiche) Angriff auf den damals unknackbaren GSM- Standard.. Ich glaube, daß Tron letztlich auch wegen dem unglaublichen Potenzial erledigt wurde, das in ihm gesteckt hat- der 26-jährige hätte ganz sicher noch viele, wichtige Sicherheitssysteme ins Wanken gebracht.

Aber, über Tron wollte ich ja gar nicht schreiben heute- ich wollte eigentlich noch einen weiteren Namen in den Ring werfen, noch so einen genialen Erfinder, der seine Erfindung nicht überlebt hat: Jan Sloot.

Jan Sloot
Sloot war ein Fernsehmechaniker mit schlechtem Geschäftssinn: Seine in den 1970er-Jahren gegründete Firma „Sloot Services“ ging in in Konkurs, weshalb der Niederländer ab 1984 ein kleines Geschäft für Fernseh- und Radioreparaturen gründete. Neben seiner Arbeit dort begann er sich auf Computern wie dem Commodore 64 und einem frühen IBM- Heimrechner das Programmieren beizubringen. Sloot hatte eine Vision: er wollte ein landesweites Netzwerk namens „RepaBase“ etablieren, in welchem sich Informationen zu jeder jemals im Land durchgeführten Reparatur befinden sollten; dieses Netzwerk sollte auf einer von ihm entwickelten Datenbank basieren. Während der vielen Jahre, an denen er an dem Konzept dafür tüftelte (RepaBase wurde nie realisiert) scheint er irgendwann eine unfassbare Erfindung gemacht zu haben: ein Codierungssystem, welches herkömmliche Datenträger und Komprimierungstechniken überflüssig machte.

Eine Chipkarte mit Unmengen von Daten...
Um die Tragweite dieser Erfindung mal zu verdeutlichen: Mittels eines „Super-Codes“ sollte es möglich sein, riesige Datenmengen auf allerkleinstem Platz zu speichern- ein kompletter Film (der ja bis heute fast den Platz eines ganzen DVD-Rohlings verbraucht) sollte auf die Größe von 1 Kilobyte(!) reduziert werden können; als Speicher sollte eine spezielle Chipkarte mit einer Kapazität von 64 Kilobyte dienen. Wie das „Sloot Digital Coding System“ funktionierte, verriet Sloot allerdings nur vage- es basierte darauf, daß alle Informationen (Daten, Bilder, Audioformate) in einen speziellen Zahlencode umgewandelt wurden. Das System sollte angeblich so einfach sein, daß schon „wenige Hinweise genügen würden, um es kopieren zu können“. Für Sloot bedeutete die Erfindung deswegen hauptsächlich eines: Paranoia. Er hatte panische Angst, daß jemand seine Entdeckung stehlen könnte, weswegen er nicht einmal engsten Familienangehörigen verriet, wie der „Super-Code“ beschaffen war.

Sloot: Business in New York
Natürlich wollte Sloot Geld mit seiner Erfindung machen: Er präsentierte sie dem Phillips-CTO Roel Pieper, der daraufhin bei seiner Firma kündigte, für Sloot Investoren auftrieb und Gelder bereitstellte. Leider kam dann wieder der schlechte Geschäftssinn Sloots zum Tragen: aus der ursprünglich gemeinsam gegründeten Firma „Davoc“ wurde „Dipro“ und dann „Fifth Force„- letztendlich wurde ein Unternehmen, in welches von einer Bank und zahlreichen Privatinvestoren bereits Millionen investiert worden waren, in den Sand gesetzt. Ein gigantischer Flop.

Auszug aus einem internen Memo von "Fifth Force"
Das lag vor allem an der Unfähigkeit des linkischen Erfinders: Er hatte Schwierigkeiten, Patente zu bekommen, Vorführungen der „Wunderkiste“ (so groß wie eine Zigarettenschachtel) scheiterten aus diversen Gründen immer wieder (einmal stolperte er während einer Präsentation und machte den Prototyp kaputt). Auch vertraute Sloot weiterhin absolut niemandem – zu Recht: als er einmal einen mit Lack versiegelten Prototypen zur Vorführung verlieh, waren nach der Rückgabe Werkzeug-Spuren an dem Gerät zu sehen. Zwei Tage, bevor trotz aller Widrigkeiten der Vertrag unterzeichnet werden sollte, der das „Sloot Digital Coding System“ auf dem Markt etabliert hätte, verstarb dessen 54-jähriger Erfinder am 11. Juli 1999 während der Arbeit in seinem Garten plötzlich an Herzversagen.

Sloot und Pieper gründen "Fifth Force" - zwei Monate später war der Erfinder tot.
Am eigentlichen Tod Sloots (der schon länger vor seinem Ableben mit Herzproblemen zu kämpfen hatte) ist nichts mysteriöses- an den Umständen rund um seinen Tod allerdings schon. Wenige Tage vor seinem unerwarteten Ableben hatte den Erfinder laut späteren Angaben seiner Frau das „Ordnungsfieber“ gepackt: sein Büro war danach nahezu leergeräumt. Als die alarmierten Geschäftspartner nach seinem Tod das Schließfach öffneten, in dem Sloot laut eigenen Aussagen den Quellcode zu seiner Erfindung deponiert hatte, mussten sie feststellen, daß die entsprechenden Unterlagen fehlten. Immerhin es gab ja noch den Prototyp- allerdings war auch der, trotz zahlreicher verzweifelter Versuche, nicht mehr zu gebrauchen.

Die Erfindung, die Jan Sloot gemacht hatte, war natürlich äußerst brisant: wenn das Speicherverfahren mittels des „Super-Codes“ marktfähig geworden wäre, hätte es das Aus für sämtliche bis dato (und noch heute) erhältlichen digitalen Datenträger bedeutet; da liegt es nahe, daß man an einen raffiniert herbeigeführten Mordplan denkt (wie das einige der damaligen Investoren noch heute tun).
Andererseits ist es auch höchst wahrscheinlich, daß Sloot einfach ein Schwindler war, der unter Vorspiegelung falscher Tatsachen versuchte, zu sehr viel Geld zu kommen- bei den wenigen stattgefundenen Vorführungen des Prototyps hätte zum Beispiel der gezeigte Film auch von ausserhalb übertragen werden können. Wir werden es nie erfahren, denn Jan Sloot hat alle seine ängstlich gehüteten Geheimnisse mit in sein Grab genommen.

Weiterführende Materialien zu Sloots angeblicher Erfindung gibt es kaum- ausser einem dürren Wikipedia-Eintrag, einer holländischen Homepage und kurze Nennungen auf einschlägigen Internetseiten.
Hier allerdings gibt es einen sehr interessanten (englischsprachigen) Artikel, der ausführlich erklärt, warum Sloots „Super-Code“ niemals funktionieren konnte.
Print:
Einen ausführlichen Artikel zum Thema gibt es in der September/Oktober – Ausgabe der Zeitschrift mysteries; weiters ein Buch namens „Der Super-Code“ von Journalist Eric Smit.







Sehr toller Bericht über die Erfindung und die Geschichte es Jan Soot.
Habs mit Interesse gelesen und so ein Thema will einem einfach keine Ruhe lassen.
Zumal ich auch dass Buch lese bzw gelese habe.
Empfinde die allgemeinen Umstände auch als sehr sehr fragwürdig.
Mehr info zum Buch ist zu finden auf:
http://jansloot.telcomsoft.nl
Die Webseite von Eric Smit existiert nicht anscheinend nicht mehr!