Hintergrundmusik: Heute was Feines aus den Ambient/Dub – Zeiten der 1990er-Jahre: Das Deep Space Network mit „Number Nine“ aus der CD „Big Rooms„.
Einer der wichtigsten Bestandteile einer Verschwörung ist die Vorbereitung dieser durch eine sorgfältige Inszenierung, ähnlich wie ein gigantisches Theaterstück, mit einer Spieldauer von mehreren Jahren bis Jahrzehnten, unzähligen „Schauspielern“ und einem Hauptdarsteller, der nichts oder nur wenig von der Rolle durchschaut, die ihm dabei zugedacht ist: die des Sündenbocks (engl. „Patsy„).
Wie kommt eigentlich ein harmloser Normalbürger dazu, den Sündenbock darstellen zu müssen (ein Part, der ausnahmlos mit dem Leben oder dem Verlust geistiger Gesundheit bezahlt wird)? Oft stolpert er ahnungslos in ein bisher gut gehütetes Geheimnis, wie das z.b. dem bedauernswerten Paul Bennewitz passierte; aufgrund seiner privaten UFO-Ermittlungen verhedderte er sich in einem eigens von der CIA für ihn gewobenen Netz, bestehend aus Verhören angeblicher „Regierungsbeamter“, gefälschten Geheimdokumenten, Abhöraktionen und rigorosen Mind-Control- Maßnahmen- siehe dazu den Artikel „Mind Control und UFO-Entführungen“ in diesem Blog.

Ikone: Lee Harvey Oswald
Üblicherweise ist der Sündenbock allerdings eine Fabrikation diverser Geheimdienste; die Ikone all jener Unschuldigen, die im Endeffekt nicht nur mit Attributen wie „Einzeltäter“ oder „Amokläufer“ gebrandmarkt werden, sondern auch ihr Leben lassen müssen, ist natürlich Lee Harvey Oswald. Der sensible, politische interessierte und emotional instabile junge Mann dürfte bereits während seiner Dienstzeit auf einer Marinebasis im Japan der 1950er-Jahre vom CIA angeworben worden sein- hatte aber vermutlich bis ans Ende seines kurzen, wirren Lebens nur eine geringe Ahnung davon, was für ein Spielball finsterer Mächte er geworden war. In einem vielschichtigen, äußerst undurchschaubaren Spiel mit vorgetäuschten Spionageaufträgen, Doppelgängern, gefälschten Fotos und psychologischer Taktik wurde Oswald am 22. November 1963 letztendlich in jenes „Texas School Book Depository“ gelockt, von wo er mit einem veralteten, schlecht funktionierendem Gewehr jene Schüsse abgegeben haben soll, die den Tod des damaligen US- Präsidenten John F. Kennedy verursachten.

Jack Ruby erschießt Lee Harvey Oswald
Als er nach seiner Verhaftung erfuhr, wessen er angeklagt werden sollte, rief er: „I’m just a Patsy! (Ich bin nur ein Sündenbock!)“- eine Einsicht, die definitiv zu spät kam: zwei Tage später wurde er während seiner Überführung ins Gefängnis von Dallas von einem zwielichtigen Nachtclubbesitzer namens Jack Ruby erschossen. Der wiederum bestand nach seiner Verhaftung darauf, Teil einer Verschwörung zu sein, verfiel recht bald dem Wahnsinn und starb 1967 im Gefängnis.

Jim Garrison
Einer der wenigen, welche die umfangreiche und äußerst perfide Präparation Oswalds als Sündenbock durchschaut und letztendlich aufgedeckt hat, ist der 1992 verstorbene Bezirksstaatsanwalt Jim Garrison. Im Jahr 1988 erschien ein von ihm verfasstes Buch namens „On the Trail of the Assassins„, welches die Grundlage für den ein paar Jahre später gedrehten Film „JFK“ von Regisseur Oliver Stone bildete und für den Connaisseur erlesener Verschwörungstheorien ungefähr den selben Wert besitzt wie ein Château Mouton-Rothschild Jahrgang 1945 für den Weinliebhaber. Die verschlungene Geschichte um Oswald, den mysteriösen David Ferrie, Clay Shaw, Jack Ruby, das FBI , den CIA und unzählige andere, äußerst verwirrende Spuren im Mordfall JFK ist leider seit langer Zeit vergriffen, aber hier vom Server eures Docteurs als pdf-File (in deutscher Sprache!) downloadbar.

Dr. Frank Olson
Ein anderer, inzwischen zu tragischen Ehren gekommener Sündenbock ist Dr. Frank Olson. Der studierte Biochemiker arbeitete ab 1943 auf dem Militärstützpunkt Fort Detrick in Maryland, wo er biologische Waffen (die vermutlich später im Koreakrieg eingesetzt wurden) mitentwickelte. Er wurde 1949 Mitglied der Special Operations Division (ein CIA-Projekt) und dürfte Einblick in die damaligen, streng geheimen MKULTRA-Experimente bekommen haben. Als er gegenüber einem britischen Psychiater mit Geheimdienst- Kontakten namens William Sargant sein Gewissen erleichterte, unterschrieb er damit sein eigenes Todesurteil, welches in einer aufwendigen Inszenierung vom CIA vollstreckt wurde- er wurde innerhalb eines längeren Zeitraums heimlich unter LSD gesetzt, zu zahlreichen Psychiatern und sogar zu einem Hypnotiseur geschleppt. Der inzwischen depressiv und paranoid gewordene Olson machte gegenüber seiner Frau die Bemerkung, daß er einen „schrecklichen Fehler begangen habe“ und kehrte von einer kurz darauffolgenden Reise nach New York in Begleitung zweier Kollegen nicht mehr zurück: er stürzte am 28. November 1953 aus dem Fenster des Zimmers im 10. Stock des Hotels, in dem er Quartier bezogen hatte.

Die Familie von Frank Olson hat bis heute nicht aufgehört, nach den wahren Todesumständen des Wissenschaftlers zu forschen- widerwillige Teilgeständnisse des CIA haben im Lauf der Jahre den Verdacht erhärtet, daß Olson nicht in selbstmörderischer Absicht aus dem Fenster sprang. Die wahren Hintermänner der Tat werden aber vermutlich niemals ermittelt werden- die offiziellen Untersuchungen zum Tode Olsons sind schon lange abgeschlossen. Sündenböcke gibt es allerdings nach wie vor: das belegt das Schicksal des amerikanischen Mikrobiologen Bruce Edwards Ivins, der (ebenfalls in Fort Detrick beschäftigt) im Juli dieses Jahres Selbstmord begangen haben soll. Ivins, die bekannteste (und hochgeehrte) Fachkraft auf seinem Gebiet soll der alleinige Hauptverantwortliche für die Anthrax-Briefanschläge eine Woche nach der 9/11 – Katastrophe gewesen sein- obwohl er den danach folgenden FBI-Ermittlungen jahrelang mit Ratschlägen zur Seite stand, wandten sich genau jene Ermittlungen ab 2008 gegen ihn selbst.

Dr. Bruce E. Ivins
Die Beweislage für eine Einzeltäterschaft Ivins, nach dessen Selbstmord das FBI eiligst sämtliche Ermittlungsakten geschlossen hat, ist mehr als wacklig: Die wichtigsten Beweise werden unter Verschluss gehalten (womit sich die Ermittlungsbehörde FBI seit 9/11 bereits zum wiederholten Male wie ein Geheimdienst verhält) und die wenigen offengelegten Beweise deuten eher auf einen anderen (oder andere) Täter als auf Ivins. Doch auch in seinem Fall gab es eine „Inszenierung“ unter bekannten Vorzeichen: Er soll laut der Aussage einer äußerst dubiosen Zeugin große psychische Probleme gehabt haben (hatte aber seltsamerweise gleichzeitig die benötigte Freigabe, um in einem der gefährlichsten Hochsicherheitslabors der USA zu arbeiten), die Kontakte mit einem Psychiater dürften diese Probleme ausserdem eher verschlimmert haben; dies und die harten Ermittlungsmethoden des FBI, die gezielt auf die Diskreditierung des Spitzenwissenschaftlers hinarbeiteten, führten letztendlich zu seinem Ende unter bis heute ungeklärten Umständen und zu seiner posthumen Rolle als einziger in Frage kommender Anthrax – Attentäter.

Der „Fall Ivins“ lässt viele Fragen offen; alarmierende Fragen, denen Sachbuchautor Andreas von Rétyi in seinem neuen Buch „Denn sie wussten zuviel“ in einer unglaublich detaillierten und spannenden Recherche nachgegangen ist. Rétyi ist übrigens neben den hier so oft zitierten Fosar und Bludorf ein weiterer Lieblingsautor von mir- bei seinen zahlreichen Büchern zu Area 51, Bilderberger, Skull & Bones, Illuminaten und vielen weiteren, einschlägigen Themen kann man bedenkenlos zugreifen.

Andreas von Rétyi
Was mich sehr freut: Andreas von Rétyi ist bereits nächste Woche wieder einmal zu Gast in CROPfm und wird (unter anderem) zu seinem neuesten Werk Rede und Antwort stehen; weitere Infos zu dieser Sendung demnächst hier. Um die Zeit bis dahin zu verkürzen, möchte ich euch die Podcasts der vergangenen CROPfm – Sendungen mit Herrn Rétyi wärmstens ans Herz legen.







Randbemerkung: Aufgrund der Beziehung, in der Kerry Thornley, Mitbegründer der Diskordischen Bewegung, zu Lee Harvey Oswald stand, soll sich in der Kennedy-Akte eine Din-A4 Seite über den Diskordianismus finden. (Quelle: http://video.google.de/videoplay?docid=-6224314687831046185 00:08:35 )
Huch ja! Da fällt mir wieder ein, daß Garrison Kerry Thornley ja für ein Oswald-Double hielt… („What is definitely not Thornley’s imagination, though, is that he was dragged into the ‘Who Killed Kennedy?’ melodrama, testifying before the Warren Commission and targeted by Garrison, who thought Thornley might have been part of the conspiracy as a „second Oswald.“ The two men allegedly looked quite similar, and there was a weird series of coincidences linking them“, Zitat von http://www.reason.com/news/show/29229.html). Über die Verwicklungen des Diskordianismus-Hohepriesters in die JFK – Verschwörung muß ich unbedingt nochmal genauer recherchieren…
Le Docteur