Hintergrundmusik: Herbert Eimert – „Klangstudie II“ (1952)
Cipher (engl): die Chiffre, der Code, die Geheimschrift. Es gibt keine genialere Geheimschrift als das Voynich – Manuskript, benannt nach seinem Entdecker Wilfrid Michael Voynich. Der Buchhändler, leidenschaftliche Sammler und Jäger nach seltenen Büchern entdeckte 1912 in einem italienischen Jesuitenkolleg ein altes Schriftstück, welches ihn bis zu seinem Tod im Jahr 1930 nicht mehr loslassen sollte- es handelte sich um ursprünglich 116 gebundene Pergamentblätter (heute existieren noch 102, der Rest ist verlorengegangen) , abgefasst in einer unbekannten Schrift, reich illustriert.

Wilfrid Michael Voynich (1865 - 1930)
Für Obskuristan wäre das nicht weiter berichtenswert, aber hier kommt, was ich einfach geil finde: trotz unzähliger Versuche namhafter Sprachwissenschaftler und Kryptologen hat sich das Voynich-Manuskript bis heute allen Entschlüsselungsversuchen widersetzt – ein widerborstiger Stachel im Allerwertesten aller Codeknacker.

Sehen wir uns dieses seltsame Schriftstück einmal näher an: Das wichtigste daran scheinen die zahlreichen, aufwendig kolorierten Illustrationen zu sein- aber nicht mal bei diesen ist klar, was sie eigentlich darstellen sollen: es handelt sich um nicht klassifizierbare Pflanzen, Sternenkonstellationen, die es in der Geschichte unserer Erde niemals gegeben hat, rosettenähnliche Skizzen, deren Sinn vollkommen verborgen bleibt, und immer wieder seltsame Darstellungen von Frauen – diese sind nackt, haben gewölbte Bäuche und sitzen in wannenähnlichen Vorrichtungen mit Röhren, welche wiederum in organische(?) oder mechanische Vorrichtungen münden. Bäderkunde? Fortpflanzung? Der Sinn der Illustrationen ist nicht enträtselbar.

Und dann der Text: die Schrift ist unbekannt, fehlerlos von links nach rechts geschrieben. Da den Glyphen bis heute keine Buchstaben zugeordnet werden konnten, ist das dem Text zugrundeliegende Alphabet nicht bestimmbar. Zumindest hat man sich die Mühe gemacht, die Zeichen zu zählen: es sind 170.000. Viele dieser Zeichen könnten auch Ligaturen, d.h. Verbindungen zweier oder mehrerer Buchstaben zu einer Einheit sein- weswegen man nicht mit Sicherheit sagen kann, welche der abgebildeten Zeichen Wörter bilden und welche nicht.

Eine wissenschaftliche Bestimmung des Voynich-Manuskripts ist (wie gesagt) bis heute gescheitert, weswegen man in manchen akademischen Kreisen auch schnell dazu überging, es als „Fälschung„zu den Akten zu legen- andererseits haben anerkannte Experten die Handschrift auf 1500 n. Chr. datiert – für eine genauere Bestimmung von Alter und Echtheit müsste eine Radiokarbondatierung vorgenommen werden, dies ist meines Wissens allerdings noch nicht passiert.

Was also ist das Voynich-Manuskript? Ein mittelalterlicher Scherz oder doch der faszinierende Atlas einer Parallelwelt, vielleicht ein Reiseführer durch/in eine andere Dimension? Wenn man diese seltsame Handschrift auch nicht entschlüsseln kann, könnte sie wenigstens als Inspiration herhalten- Der Schriftsteller und Spezialist des Okkulten W.H. Müller hat in seinem längst vergriffenen Buch „H.P. Lovecraft – Schatzmeister des Verbotenen“ zum Beispiel die These aufgestellt, daß der grosse Cthulhu – Schöpfer sich durch das Voynich-Manuskript zu dem Mythos des „Necronomicon“ inspirieren hat lassen – das könnte zeitlich passen, da dieses 1922 in einer seiner Kurzgeschichten erstmals erwähnt wird; ein Jahr nachdem Voynich seine Handschrift publik gemacht hatte. Allerdings: in der umfassenden Korrespondenz Lovecrafts wird das Voynich – Manuskript kein einziges Mal erwähnt, weiters ist es durchaus möglich, daß das fiktive „Necronomicon“ eben doch auf einer tatsächlich existierenden, schwarzmagischen Schrift basiert – darüber unterhalten wir uns aber ein anderes Mal.

Hanspeter Kyburz
Der Schweizer Komponist Hanspeter Kyburz hat sich auf höchst kreative Weise mit dem Voynich-Manuskript auseinandergesetzt: er interpretierte die Glyphen als Notenwerte und verfasste auf dieser Grundlage das Werk „The Voynich Cipher Manuscript“ für Gemischten Chor und Ensemble – daraus gibt es hier einen kleinen Auschnitt zu hören.
Riesige Scans vieler Seiten des Voynich-Manuskripts gibt es hier.







hallo
stefan erdmann hatt es gelöst
mfg andreas
Wow, noch nie davon gehört, und sehr spannend! Unbekannte Sternenkonstellationen (!), hat sich mal jemand die Mühe gemacht herauszufinden welche das sind, bzw. von welchem Ort (im Raum) aus diese so erscheinen würden? Sicher eine sehr komplexe Aufgabe, aber mit einem Großrechner vielleicht zu bewerkstelligen…? Ich meine die Sternenkarte von Betty und Barney Hill hat sich ja nachträglich auch als real herausgestellt…
Faszinierend…:-)
@ andi : bei allem repekt für stefan erdmann, dessen bücher ich sehr spannend finde (vorallem „geheimakte bundeslade“) er hat einfach eine weitere theorie aufgestellt (ich glaube, es ging darum daß das voy- manuskript eine kartographie der inneren erde wäre, kann mich aber auch irren)- von einer „lösung“ des voynich-rätsels ist er trotzdem weit entfernt…
@tarek: die etablierte wissenschaft hat meines wissens sämtliche erforschungsversuche aufgegeben und hält es einfach für eine fälschung – nicht mal das alter des schriftstückes wurde bis jetzt ernsthaft erforscht (s.o.) – ich glaube man könnte noch zu sehr spannenden ergebnissen kommen, wenn man sich ernsthaft mit dem voy-manuskript auseinandersetzen würde…
lg
Le Docteur