Botschaften des Lichts, Botschaften des Todes

Hintergrundmusik: Ein Ausschnitt aus Mychael Danna’s vorzüglichem Soundtrack zu dem Film „Capote„.

Channeling, die Weitergabe von Botschaften eines körperlosen Wesens über einen Menschen als Medium, ist im Spannungsfeld des Paranormalen diejenige Disziplin, die den meisten Anfeindungen ausgesetzt ist. Gestandene Christen müssen natürlich davor warnen oder alles für Humbug erklären: Wenn eine Wesenheit wie Ramtha uns erläutert, daß wir Menschen alle göttlich, d.h. also Gott gleich seien, ist das in den Augen der Kirche reinste Häresie- muß es auch sein, denn wenn wir Gott sind, sind althergebrachte Religionen obsolet.

Auch in der Esoterikgemeinde sind Channelings umstritten; hier geht es weniger darum, ob das Phänomen existiert oder nicht- es geht um Glaubenskriege (der gute alte Glaube“ lässt sich wie’s scheint auch im Wassermannzeitalter nicht wegkriegen). Ein Beispiel: „Kryon vom magnetischen Dienst„, gechannelt von dem Amerikaner Lee Carroll, ist in diversen Eso-Foren ein heftigster Streitpunkt- während die einen „intuitiv spüren“, daß Kryon in Wirklichkeit ein Dämon ist, der mit seinen Messages subtil für Zwietracht sorgt, wird er von den Kryon-Anhängern mit glühenden Worten verteidigt- da fliegen die Fetzen, da werden Flamewars vom Zaun gebrochen.

Edgar Cayce, der schlafende Prophet

Edgar Cayce, der "schlafende Prophet"

Weitergaben von Geistwesen durch Medien gab es schon im antiken Griechenland (man denke nur an die diversen Orakel), zu Beginn des 20. Jahrhunderts waren spiritistische Botschaften der letzte Schrei (und meistens ein theatralischer Schwindel). Abseits von solchem Hokuspokus channelte der aussergewöhnliche Edgar Cayce (bekannt als der „schlafende Prophet„) von 1901 bis 1944 in fast 30.000 Sitzungen Botschaften zu damals noch exotischen Themen wie Reinkarnation oder Astrologie. In den 1930er-Jahren machte Cayce Prophezeiungen zu einer angeblich unter dem ägyptischen Sphinx existierenden „Halle der Aufzeichnungen„- die „Association for Research and Enlightenment“ (welche das Erbe Caceys verwaltet) sucht in einem (gelinde gesagt) äußerst seltsamen Zusammenschluß mit dem Stanford Research Institute und dem CIA seit einigen Jahren danach.

Jane Roberts

Channel für Seth: Jane Roberts

Mitte der 1960er-Jahre machte eine Hippie-Dichterin das Channeling populär und leitete damit gleichzeitig auch das (bis heute andauernde) „moderne“ Zeitalter der Esoterik ein: Jane Roberts war das Medium für eine spirituelle Wesenheit namens „Seth„- bis zu ihrem frühen Tod durch eine Autoimmunerkrankung im Jahr 1984 gab sie in regelmäßigen Sitzungen seine Botschaften wieder. Diese Weitergaben in tiefer Trance waren aufsehenerregend, weil bis dahin einer breiten Öffentlichkeit unbekannt: Da ging es um Parallelluniversen, die Illusion von Zeit und Raum und um die Simultaneität menschlichen Lebens (als Gegensatz zu den „nacheinander erfolgenden Existenzen der Inkarnationslehre).

Abseits der gechannelten Botschaften sind die erhaltenen Videomitschnitte der Seth-Sitzungen ein absoluter Eye-Catcher: Wild in ihrem Schaukelstuhl wippend, deklamiert Roberts mit theatralischen Gesten und grollender Stimme Monologe, die jedem Shakespeare-Darsteller zur Ehre gereichen würden.

Es ist irgendwie verständlich, daß das ausschweifende Gehabe von Roberts zusammen mit den radikalen Botschaften Seths gläubigen Christen damals wie die Wiederauferstehung des Leibhaftigen vorgekommen sein muss. Obwohl einem das lächerlich erscheinen mag, ist es andererseits nicht von der Hand zu weisen, daß sich die dunkle Seite ebenfalls durch diverse menschliche „Kanäle“ manifestiert hat – die Konsequenzen dafür musste zum Beispiel der Journalist und Autor Joe Fisher am eigenen Leib erfahren.

Der Kanadier hatte sich in zahlreichen, durchaus kritischen Büchern (von denen einige zu Bestsellern wurden) mit Themen wie Reinkarnation, Prophezeiungen und Nahtoderfahrungen befasst und begann ab Mitte der 1980er-Jahre mit den Recherchen für ein geplantes Buch über Channeling- das hätte er besser nicht getan, denn seine Ermittlungen wurden zu einer Einbahnfahrt direkt ins Herz der Finsternis.

Joe Fisher

Im Herz der Finsternis: Joe Fisher

In Toronto machte Fisher die Bekanntschaft einer Gruppe rund um ein Medium mit dem Pseudonym „Aviva Neumann„, welches ihm in einer Trancesitzung Botschaften einer Wesenheit namens „Filipa“ zu übermitteln begann. Filipa eröffnete Fisher, sie sei seine Seelengefährtin in zahlreichen gemeinsamen Inkarnationen gewesen, unter anderem im Griechenland des 18. Jahrhunderts. Diese Botschaften müssen in Fisher’s Bewusstsein irgendwie einen Schalter umgelegt haben- der einstmals kritische Journalist begann sich in diese „wiedergefundene“ Seelenverwandschaft hineinzusteigern; er tat das in einem solchen Ausmaß, daß seine bis dahin bestens funktionierende Ehe daran zerbrach.

Die Sirenen

Tödlicher Gesang: Die Sirenen

Weitere Verstorbene meldeten sich über das Medium Neumann bei Joe Fisher- in ausgedehnten Reisen recherchierte der Autor deren Biographien und Todesumstände. Man kann nur vermuten, daß er, der schließlich weitere Kontakte immer dubioserer Medien suchte, nicht nur auf „freundliche Geister“ getroffen sein dürfte. Sein Buch, das 1987 unter dem Titel „The Siren Call of Hungry Ghosts“ erschien, war letztendlich voll mit Warnungen, sich keinesfalls mit Medien und Channeling überhaupt einzulassen. Fisher, der für dieses Buch eine Auszeichnung des „Spiritual Science Institute of Canada“ erhielt, bekam sein Leben nicht mehr in den Griff: Gequält von einer Vielzahl persönlicher und finanzieller Probleme, gestand er in einem Brief an seinen Freund Patrick Huyghe (dem Verlagsleiter von Fisher’s Verlag Paraview Books), daß ihn gewisse Geister seit der Veröffentlichung des Buches „jagen“ würden. Kurz danach, am 9. Mai 2001, beging Joe Fisher Selbstmord, in dem er von einem Felsen nahe seiner Heimatstadt sprang.

Joe Fishers Buch

Nur für Leser mit starken Nerven: Joe Fishers Buch

Einen weiteren mysteriösen Fall, der Channeling sogar in die Nähe eines Mind Control – Protagonisten der CIA bringt, habe ich vor kurzem bei Recherchen zu meinem ewigen Lieblingsthema „Spiricom“ gefunden. Darin verwickelt ist eine geheimnisumwitterte Persönlichkeit namens Dr. Andrija Puharich- ein Name, der hin und wieder in diversen, einschlägigen Verschwörungs-Traktaten auftaucht. Puharich, ein Arzt mit großem Interesse an paranormalen Phänomenen, gründete im Jahr 1948 die „Round Table Foundation„, in deren Rahmen er in einem Labor im US-Bundesstaat Maine Menschen mit PSI-Fähigkeiten untersuchte (unter anderem das berühmte Medium Peter Hurkos, der sich an der Suche nach dem Serienkiller „Boston Strangler“ beteiligte)- in den 1970er-Jahren war übrigens auch ein junger Israeli namens Uri Geller eine prominente Testperson der „Round Table Foundation„.

1952 machte Puharich die Bekanntschaft eines seltsamen indianischen Arztes namens Dr. Vinod, der während Puharichs Laborexperimenten plötzlich Botschaften von Wesen empfing, die sich „Council of Nine“ (später auch nur „The Nine“ oder „Nine Principles„) nannten- in einer späteren Channeling-Sitzung enthüllte die Gruppe, sie seien die „neun mächtigen Hauptgötter des alten Ägyptens„.

Dr. Andrija Puharich (1918 - 1995)

Mysteriöse Persönlichkeit mit CIA-Verbindungen: Dr. Andrija Puharich (1918 - 1995)

Das nebulöse „Council of Nine„, welches sich ein wenig später schließlich schlicht und einfach als „God“ offenbarte, könnte möglicherweise viele Geheimnisse rund um die Pyramidenanlage von Gizeh ausgeplaudert haben. Näheres wissen wir leider nicht – allerdings gilt es heute als gesichert, daß Dr. Puharich in die MKULTRA- Experimente der CIA verwickelt war (er studierte ausserdem die Auswirkungen von ELF-Wellen auf den menschlichen Körper und besaß die Rechte an einschlägigen US-Patenten wie z.b. „Method And Apparatus For Improving Neural Performance In Human Subjects By Electrotherapy„).

Es wäre doch denkbar, daß Dr. Puharich die Botschaften der „Neun“ an seinen geheimen Arbeitgeber übermittelt hat, was wiederum ein Grund dafür sein könnte, warum der CIA zusammen mit der Edgar Cayce- Foundation (s.o.) zusammen in höchst ungewöhnliche Grabungen am (und vorallem unter) dem Gizeh-Plateau verwickelt ist; hier scheinen sich höchst merkwürdige Kreise zu schließen.

Lee Carroll, Medium der umstrittenen Wesenheit Kryon

Lee Carroll, Medium der umstrittenen Wesenheit Kryon

Es soll hier nicht der Eindruck entstehen, daß ich Channeling per se für gefährlich oder böse halte – die Auswahl der Beispiele von Joe Fisher und Andrija Puharich entstammt wohl hauptsächlich meinem sinistren Naturell.

Abgesehen davon gibt es bei den heutigen Heerscharen von gechannelten Botschaften spiritueller Meister vieles, das mich einfach nicht anspricht (Kryon zum Beispiel), manches was ich leidlich interessant finde (Thoth) und einiges, das ich wiederum sehr schätze (Botschaften des Kollektivs „Abraham„, genial auch die ausserirdische Wesenheit Ahastar).

Bernhard Reicher

Bernhard Reicher

Auf besagten Ahastar hat mich übrigens Bernhard Reicher aufmerksam gemacht- Bernhard ist für mich DIE Autorität zum Thema Channeling, ist er doch selbst ein Medium für gleich mehrere Wesenheiten namens Fíriel und der Grüne Mann; ausführliche Informationen dazu gibt es auf seiner Homepage.

Sehr empfehlenswert auch folgende CROPfm-Sendungen zum Thema:

Bernhard Reicher und Margret Rieder sprechen über das Thema Channeling
Live – Channeling mit Bernhard Reicher und Elke Maria Waclawiczek
Live – Channeling von Bernhard Reicher / Fíriel auf Video

~ von nachtstrom am November 29, 2008.

6 Antworten to “Botschaften des Lichts, Botschaften des Todes”

  1. Zum Thema Channeling gibts ein kostenloses und äußerst umfangreiches, wie gleichermaßen interessantes Werk von einer Frau Namens Laura Knight-Jadczyks.

    Zu lesen hier:

    http://quantumfuture.net/gn/welle/

    Vielleicht hilft dieses Werk dabei, Wesenheiten wie jene, die sich „Ashtar“ nennen, besser einzuschätzen, denn Laura hat das Thema Canneling selbst Jahrelang studiert und selbst seit 1994 praktiziert. Die Ergebnisse sind, gelinde gesagt, erstaunlich. Aber man muss es gelesen haben, um zu verstehen, was „wir in der Zukunft“ uns zu sagen haben….

  2. Danke vielmals für den Tipp, die Frau schreibt interessante Artikel- in einem Forum (http://truthaction.org/forum/viewtopic.php?t=2434) wird übrigens davor gewarnt, daß das „Cassiopaean Experiment“ ein gefährlicher Kult sein soll…..

    Interessant! Muß ich mich näher damit beschäftigen :) )

    Hab ihre Cassiopaeia-Homepage jetzt mal in meine Blogroll aufgenommen…

    Le Docteur

  3. Jo, „gefährlicher Kult“….. wundert mich überhaupt nicht. Das sind auch nicht die Einzigen, denen die Thesen dieser Gruppe zu abgefahren, zu gefährlich für den Geist zu sein scheinen. Bewegen sie einen doch dazu, selbst die ach so ehrenvolle Truther Gemeinde um Alex Jones, David Ike und wie sie alle heißen, auch aus einem anderen, nicht so glanzvollen Blickwinkel zu betrachten.

    Wenn man sich mal ansieht, mit wieviel Gegenwind sie zu kämpfen haben, wie sich die großen Verleger weigern ihre Bücher zu vertreiben und was noch so alles geschieht, um diesen „gefährlichen Kult“ mundtot zu machen, dann kommt in mir der Verdacht auf, dass sie mit ihren Ansichten nicht ganz Unrecht haben könnten. Ein David Ike hat da um einiges weniger Probleme, seine „Offenbarungen“ unters Volk zu bringen (und dabei sind sie sehr ähnlich, aber eben in ein paar entscheidenden Punkten doch anders). Ein Schelm, wer böses dabei denkt. ;)

  4. abgefahren sind die cassiopeia- thesen auf jeden fall, da kann man gar nicht mehr aufhören zu lesen! was für ein unglaubliches universum… warum die verschiedenen gruppen, die jeweils glauben die „wahrheit“ herausgefunden zu haben, sich allerdings gegenseitig dauernd als agenten des bösen bezichtigen müssen, ist mir naiverweise ein rätsel…

    le docteur

  5. Ja ja, die Agenten des Bösen sind immer und überall.
    Mir kommt es so vor, als hätte der große Obermufti irgendwann die Wahrheit genommen, in unzählige Teile zerbrochen und sie über die ganze Welt verteilt. Und nun sprechen aus jedem Mund die Bruchstücke und beahaupten das Ganze zu sein.

    Falls sie die Welle gelesen haben, würde es mich freuen, ihre persönliche Meinung dazu zu hören.

  6. hello!

    ich schreib grad an einem artikel über Laura Knight-Jadczyk, demnächst hier auf obskuristan zu finden! bis ich die „welle“ durchhab, wird aber noch ein bisschen Zeit vergehen…

    liebe grüße,
    le docteur

Eine Antwort schreiben