Sinn und Unsinn des Positiven Denkens

Die seit einigen Jahren über uns hereinbrechende LOA (Law of Attraction) – Welle, früher einfach „Positives Denken“ genannt, polarisiert ja ganz ordentlich. Während die einen ihre Portion „The Secret“ brauchen wie das tägliche Stück Schoko, gibt es jede Menge erbitterter Gegner; sogar Experten, die wissen wollen, dass „positives Denken krank macht„, wie das z.b. der Psychotherapeut Dr. Günter Scheich in einem entsprechenden Buch kundgetan hat.
Der TV-Moderator und „Tutti Frutti-Show“ – Erfinder Hugo Egon Balder hat vor geraumer Zeit gar eine Schmähschrift unter dem Titel „Wunsch-Bullshit im Universum“ herausgebracht, in der er die Methoden anprangert, mittels derer selbsternannte Motivationstrainer und „Glücksgurus“ Menschen das Geld aus der Tasche ziehen – mit dem Verkauf dieses Buches dürfte die Intention des Herrn Balder allerdings vermutlich keine ganz unähnliche sein.

LOA-Kritiker: Hugo Egon Balder
Ich gebe ja ehrlich zu, dass ich so ziemlich sämtliche LOA-Bücher besitze- die guten und die weniger guten, alle haben sich irgendwann (von selbst?) in meine Bibliothek geschummelt. Ich lese sowas gerne, denn wenn ich mich wiedermal in einem finsteren, selbstverschuldeten „Tote Rockstars – Verschwörungs- Mind Control- New World Order„- Depressionsloch befinde, bringt mich die Lektüre diversen LOA – Lesestoffs auf andere, lichtvollere Gedanken; früher erfüllten Donald Duck – Comics den gleichen Zweck, das soll hier aber keineswegs als Wertung mißverstanden werden.

Hat früher auch geholfen: Die "Lustigen Taschenbücher"
Anfangs habe ich mir beim Lesen von LOA-Büchern oft Gedanken darüber gemacht, was die Autoren eigentlich mit ihren gebetsmühlenartig heruntergeleierten materiellen Versprechungen von mir wollen- als passionierter Radfahrer und eher ängstlicher Autofahrer interessiere ich mich kaum für den nagelneuen Ferrari, der nach ein paar Affirmationen plötzlich vor meiner Türe stehen soll. Steinreich und unglaublich gesund wäre ich zwar schon gerne, ich frage mich allerdings, ob das wohl wirklich mein einziges Lebensziel auf Erden sein soll. Man bekommt genau diesen Eindruck, wenn man sich das Hirn zuballern lässt von den höchst suggestiven Wortsalven, welche zum Beispiel von den LOA- Spezialisten im Film „The Secret“ (wie auch im entsprechenden Hörbuch und gedruckten Werk) auf einen abgefeuert werden.

Muss ich echt nicht haben: Ferrari
Irgendwann habe ich es dann kapiert: Es muss ja nicht unbedingt materielles Gut sein; das verwenden die bloß als Köder, damit sich auch die weniger bis gar nicht in esoterischem Gedankengut bewanderten Menschen damit auseinandersetzen. Was mich weiters störte, hat sich im Gespräch mit meinem Freund Bernhard Reicher aufgelöst; es war die Irritation über die Plattheit von „Wünsch es dir und es passiert„. Natürlich sind „The Secret“ und ähnliche Produkte hauptsächlich auf den amerikanischen Markt ausgerichtet- und im Gegensatz zu uns alles hinterfragenden Europäern funktionieren Amerikaner genau andersrum. Naiv vielleicht, deswegen aber nicht erfolglos. Wünsch es dir und das Universum besorgt es dir. Warum und wieso, ist eigentlich total egal.

Dringt man weiter in diverse LOA-Bücher vor, z.b. in die von Esther und Jerry Hicks ( „The Law of Attraction„, „The Law of Attraction – Geld„), beschleicht einen irgendwann ein gespenstisches Gefühl: die von ihnen gechannelte Wesenheit „Abraham“ scheint sich ständig zu wiederholen- die Botschaft von „Du allein erschaffst alles was in deinem Leben passiert“ wird mit kleinen Variationen ständig wieder von vorne erzählt und läuft damit irgendwann ins Leere; das brachte mich schon mal zu der Annahme, dass Abraham in Wirklichkeit eine Künstliche Intelligenz sei, ein Computerprogramm, eine Art esoterischer Chatterbot mit all den schleifenartigen Limitationen, die allen K.I’s derzeit noch zu eigen sind. Vielleicht geht es aber auch hier wieder genau darum, eine möglichst primitive Botschaft mit aller Macht in unser Denken zu hämmern- brachiale Gehirnwäsche auf LOA- Art sozusagen.

Die wahre Identität von Abraham?
Inzwischen weiß ich, was den Botschaften von Abraham fehlt: da geht es kaum jemals um karmische Zusammenhänge, da werden keine „kosmischen“ Hintergründe“ geliefert, das „grössere Bild“ wird sozusagen einfach ausgeklammert. Diese Auslassung führt meiner Meinung nach auch zu den grössten Mißverständnissen im Rahmen des Positiven Denkens: Aussagen in der Art von „Hungernde Menschen in Afrika haben sich ihr Schicksal selbst gewählt“ führen in ihrer Unkommentiertheit naturgemäß zu verständlich negativen Reaktionen der LOA-Kritiker. Es steht allerdings auch zu befürchten, dass diese Kritiker keine irgendwie gearteten zusätzlichen „karmischen“ Erklärungsversuche akzeptieren würden.

Mißverständliche Aussagen: Jerry und Esther Hicks
Es geht auch besser: Wer sich und sein Universum rundherum neu zusammenbauen möchte, kann die Bastelanleitung dafür aus einem reichhaltigen Fundus intelligenter und beeindruckender Literatur auswählen- angeführt seien hier sämtliche Bücher mit den Weitergaben von Seth (in denen, wie ich immer wieder bemerke, eigentlich alles drinnensteht was man in dieser Richtung wissen muss), Amit Goswami’s wegweisendes Werk „Das bewusste Universum: Wie Bewusstsein die materielle Welt erschafft„, „Der Realitäts-Code: Wie Sie Ihre Wirklichkeit verändern können“ von Gregg Braden und nicht zu vergessen natürlich das klassische „Master Key System“ von Charles F. Haanel, welches (frei von irgendwelchen Auto-Materialisierungen) beim Lesen im englischen Original ja geradezu magische Kräfte entfalten soll- kann man hier übrigens umsonst online lesen oder downloaden.

The real "Key Master": Charles F. Haanel (1866 - 1949)
Manchmal reicht Lesen jedoch nicht: dann ist es Zeit, ein entsprechendes Seminar zu besuchen. Bereits zitierter Bernhard Reicher beschäftigt sich schon sehr lange mit der Möglichkeit, mittels sorgsam entwickelter Techniken das persönliche Umfeld bewusst zu verändern; Bernhard lebt seine Lehren auch selbst zu 100 Prozent, weswegen ich mich nicht scheue, dafür sehr gerne die Werbetrommel zu rühren: „Folge deiner Bestimmung“ und „Gestalte deine Realität“ sind die Mottos zweier Seminare, die er auf seiner Homepage anbietet, mehr Infos dazu hier.

Seit kurzem ist auch Bernhards neuestes Projekt online- da geht es um Mythomagie: hinter diesem faszinierenden Begriff verbirgt sich ein in jahrelanger Praxis entwickeltes magisches System, welches sich (Zitat) „…in seinem philosophischen Rahmen und dem verwendeter Symbolmatrices verschiedener magischer Techniken bedient: Mittels archetypischer Verfahren werden dabei durch symbol-logische Veränderungen in Teilen des Unbewußten auch Änderungen in der persönlichen Wahrnehmung ermöglicht… was ein neues Erleben der Realität herbeiführt.“ Damit erschließt sich ein unendlich reichhaltigeres und lohnenderes Universum, als es das Studium der meisten eingangs erwähnten LOA-Bücher je hervorbringen könnte. Ausführliche Informationen zur Mythomagie gibt es hier.



Es gibt ein kleines aber feines Kriterium, mit dem man allerlei esoterische Texte auf ihre Kern-Aussage abklopfen kann und besonders gut funktioniert es bei dem ganzen „LOA“ Kram. Es ist eine einfache Frage, die man sich beim lesen stellen kann:
Stärkt der Text den Wunsch, die Welt so zu sehen wie sie ist, oder stärkt er damit den Wunsch, die Welt so zu sehen wie man sie gerne hätte?
Und da wir ja bekanntermaßen in einer rundum dualistischen Welt leben, entfaltet sich in dieser Frage die Unterscheidung zwischen Objektivität und Subjektivität.
Das Streben nach Objektivität ist der Versuch, alle Vorurteile, Wunschvorstellungen, Glaubensmuster und konditionierte Reflexe abzubauen, mit dem Ziel, die eigene Wahrnehmung in Einklang mit der äußeren Wirklichkeit zu bringen.
Das Streben nach Subjektivität ist der Wunsch, die Welt den eigenen Vorurteilen, Wunschvorstellungen und Glaubensmustern anzupassen, so dass das Äußere in immer größerem Maße dem Inneren gleicht.
Ein objektiver Geist bringt seine Wahrnehmung in Einklang mit der Welt. So verändert er sich selbst und erzeugt damit Ordnung, da er damit zu einem bewussten Teil der Wirklichkeit wird.
Ein subjektiver Geist versucht die Welt in Einklang mit seiner Wahrnehmung zu bringen. So verändert er die Außenwelt und erzeugt Chaos, da er damit in Konkurrenz zu anderen subjektiven Geistern tritt und weil naturgemäß jeder was Anderes will, ist Unordnung die Folge.
Jetzt kann man sich fragen, wer hat besonders bei dem ganzen LAO Kram ein Interesse daran, die Unordnung zu steigern? Und warum? Wenn wir die Seiten wählen können, auf der wir stehen:
Objektivität – Subjektivität
Ordnung – Chaos
Licht – Dunkelheit
Geist – Materie
Freiheit – Kontrolle
Selbstlos – Selbstsucht
Geben – Nehmen
Sein – Nichtsein
Ist dann nicht die Lüge der Wahrheit größter Feind? Und ist nicht Wunschdenken eine Aufforderung an das Universum, dich zu belügen? Und wir wissen doch, das Universum erfüllt dir deine Wünsche….
wie wäre es mit einfach nur denken?
absolut kostenlos
und effektiv
yes we can! *g*
Hihi. Jaja, die schöne Geldmacherei in Zeiten der Krise…. erst waren es die Wunderheiler aus Indien, nun sind es eben geistlose Bücher aus Amerika.
Was mir an dem ganzen Quatsch so aufstößt, ist die Tatsache, dass ein luftigleichtes tralalala Leben so erstrebenswert erscheint. Ich möchte doch gar nicht alles geschenkt bekommen. Ich möchte mich weiter entwickeln, möchte für etwas kämpfen und mir etwas „verdienen“. Leben eben. Dazu gehört nicht nur plüschiger Zuckertortenguß, sondern auch Herausforderung.
Und dann ist die Frage, was mit den Menschen allgemein so los ist. Keine Bodenhaftung mehr vorhanden. Jeder sucht krampfhaft nach einem Sinn, nach einer Antwort oder einer Botschaft, die ihm sagt, wie er leben soll. Wir lassen uns lieber das Glück diktieren, als es in uns selbst zu suchen. Zu anstrengend? Oder sind wir zu oberflächlich geworden, als dass wir imstande wären, nach Antworten in den Tiefen unseres Selbst zu suchen?
Übrigens, was ich unbedingt sagen wollte: KLASSE BILD auf der „Vorstellungsseite“ des Blogs. Ich habe laut lachen müssen. Ich mag das. Ernsthaft!
Herzliche Grüße
Interessantes Thema, leider so ungreifbar, wieso?
Wir leben in einer Welt, in der auf unsere Aktion doch recht zügig eine Reaktion mit geringer Latenz folgt, wir sehen im Nachhinein ganz klar: Dies war die Folge meines Handelns!
Hier verhält es sich ganz anders, ja, sogar oft widersprüchlich, obwohl man doch so optimistisch und mit guten Gedanken dabei war kam es genau umgekehrt, ich nehme daher an, dass das, was uns täglich widerfährt, das Resultat einer Mischung aus verschiedenen Ursachen ist, daher ist es fast unmöglich ein monokausales Erklärungsmodell hierfür heranzuziehen.
Ich möchte noch einmal ein großes Lob an den Autor diesen Blogs aussprechen, es bereitet mir immer wieder eine Freude in die Welt der Mysterien hineinzutauchen und sich durch neue Gedanken bereichern zu lassen
hello! danke für das kompliment, darüber freu ich mich immer *schnurrrr*
es gibt ja noch so viele mysterien zu entdecken, zu viele leider um hier darüber zu berichten, durch den dayjob fehlt einfach die zeit, aber ich bemühe mich!
@salzwasser: ja klasse foto, gell? ich kann richtig grantig dreinschauen wenn ich will
liebe grüsse,
euer doc
Bücher über Positives Denken sind, wie Du ja schon richtig erkannt hast, eine gute Methode, um mal Licht in seine düsteren, dem Ruin nahestehenden Gedanken zu bringen. Doch in der Regel helfen sie nur kurzfristig. Wenn man unser Gehirn als eine Festplatte betrachten würde, auf der sich ein Programm befindet, dass für einen gelegentlichen Absturz (Bankrott) sorgt, dann kann man dem Programm vielleicht helfen, wenn man eine zusätzliche Software installiert, die das Programm stabilisiert oder eben die Dateien noch einmal neu überschreibt, aber Tatsache bleibt, dass wenn man das Programm nicht deinstalliert, weil man vielleicht sehr daran hängt, dann wird es immer wieder mal für einen Absturz sorgen.
LOA-Bücher überschreiben einfach negative Programme, die mit Geld zu tun haben, aber dieses Überschreiben hält nicht lange vor. Manchmal einen Tag oder manchmal sogar ein paar Monate mit Erfolg. Solange das alte Programm nicht aufgelöst wird, nutzt das alles nichts… von Einflüssen aus anderen Leben und Sinn und Zweck von Reichtum jetzt einmal völlig abgesehen.
Liebe Grüße, Jonathan
P.S. Solche „Chatterbots“ gibts wirklich.
interessanter artikel. schöne pics. und überhaupt…ein wertvoller blog!
grüsse aus martin luthers geburts und sterbestadt eisleben, sachsen-anhalt
der_caine