Alle Weltbilder sind Bilder von der Welt – also menschliche Versuche, die unfassbare Wirklichkeit und Wahrheit gleichnishaft abzubilden. Für dieses Unternehmen gibt es viele Möglichkeiten. Sie sind alle legitim – solange man sich bewusst bleibt, daß das Bild eben nur ein Bild ist, daß sich der Mensch in seiner – nicht zu vermeidenden – Subjektivität macht. Alles Sichtbare ist nur ein Gleichnis und jede Form drückt einen Inhalt aus. Ist man sich dessen bewusst, so werden die Bilder Brücken zur Wirklichkeit, sie werden zum Symbolon (griechisch: symbolon = zusammenwerfen), das uns in Verbindung bringen kann mit dem, was uns zur Ganzheit fehlt: mit dem Numinosen, dem Metaphysischen, dem Wirklichen.
Doch unser wissenschaftliches Zeitalter ist krank, es ist unheil, da es zu glauben anfing, daß die Bilder, die man von der Welt entwarf, bereits die Wirklichkeit selbst sind. Die Wissenschaft blieb in den Formen stecken und erklärte sie zur Wirklichkeit. Man beraubte die Formen ihrer Bedeutung – und die Welt sank in die Bedeutungslosigkeit; Formen ohne Sinn sind sinnlos. Die formale, materielle Welt wurde zum Selbstzweck – man glaubt, ohne das Numinose, das Metaphysische, ohne das „Göttliche“ leben zu können. Hier liegt der Fehler: vegetieren vielleicht, leben nicht. Denn Leben bezieht seinen Wert aus dem Sinn – und dieser liegt ausserhalb bloßer Formen, Funktionen oder Fortschrittsideologien.
Rüdiger Dahlke, aus „Das senkrechte Weltbild. Symbolisches Denken in astrologischen Urprinzipien„, Ullstein Verlag, 2005








Das ist der Punkt: Das die Wirklichkeit viel schöner ist, dass man immer nur ein schäbiges Abbild von ihr zeichnen kann und dieses für etwas höheres steht.
Abbilder find ich nicht schäbig, der Haken an der Ssche ist doch eher, dass das Abbild für die Wirklichkeit gehalten wird.
„Doch unser wissenschaftliches Zeitalter ist krank, es ist unheil, da es zu glauben anfing, daß die Bilder, die man von der Welt entwarf, bereits die Wirklichkeit selbst sind …“
In dieser Hinsicht ließe sich “ Wissenschaft“ auch als narzistisch bezeichnen. Ich tu mich aber damit schwer mir ein „wissenschaftliches Zeitalter vorzustellen“. Was soll das sein, was ist gemeint?? Werden da nicht auch, vom Autor, bissel Phrasen gedroschen, wie so oft in der Richtung?
Und, eine kreative Alternative wär es doch, sich selbst eine eigene, persönlich abgestimmte Korrespondenz-Tabelle zu kreieren. Also diese Korrespondenzen zu den Archetypen für sich selbst zu entdecken.
das selbst-entdecken ja sage ich auch immer
aber manchmal ist das schwer
wenn man das alleine machen muss
geheim
ist „kreative alternative“ nicht eine flucht
vor der wissenschaft die nur ein kleiner teil der wirklichkeit ist
die abbildbar ist
im vergleich zur wirklichkeit sind abbilder schäbig finde ich
hast du einmal versucht irgendetwas wahr abzubilden
ich kann das nicht
@ Arkis: „Und, eine kreative Alternative wär es doch, sich selbst eine eigene, persönlich abgestimmte Korrespondenz-Tabelle zu kreieren. Also diese Korrespondenzen zu den Archetypen für sich selbst zu entdecken.“ — Da stimme ich voll und ganz mit Dir überein
Genau das habe ich im Rahmen meines mythomagischen Systems gemacht… ist absolut lohnend!
@ Mailin! Wissenschaft ist im Wesentlichen Beobachtung, zählen, messen, wiegen … und so weiter, und stellt nur einen rationalen Teil unserer gesamten bewusstseins-strukturalen Entwicklung dar. Die Frage, was ist Wirklichkeit, kann niemals allein diese Gesamtheit tangieren, da sie lediglich auf dual perspektivischen Anschaungen basiert. Geht man darüber hinaus ließe sich eine weitere spannende Frage stellen, nämlich: wie geht Wirklichkeit, im Sinne von, wie wird sie gedacht, empfunden, gebaut und so weiter … wie geht das? Wie machen wir Wirklichkeit? Das ist die Frage. Die Welt bezw. Wirklichkeit wird ja von uns nicht nur gedacht und gesehen, also vom Kopfe her, sondern auch gefühlt und empfunden, also vom Gemüt her, und da sind wir schon ganz und gar nicht mehr rational, sondern irrational und sogar vorrational, also magisch und vor allem mythisch, denn dies sind eben auch Strukturen unseres Bewusstsein, die in uns wirken und durch die wir die Welt mit-formen, im weitesten Sinne.
Die Sache ist viel komplexer als man sie hier in wenigen Worten darlegen kann. Ein altes Alchymistenwort lehrt: „du musst alles selbst (allein) tun“. Dies schließt Inspiration, die auch von „fremder Seite“ kommen kann, ja nicht aus. Sicherlich, es ist, wie du sagst, manchmal schwer, aber die Antworten, die du dir selber geben kannst, von denen kannst du sicher sein, dass sie dir nicht nur von woanders her suggeriert wurden, insofern sind sie wesentlich, das heißt: deinem Wesen zugehörig. Sind sie wesentlich, sind sie auch eine Berreicherung für die Gesamtheit, denn du hast es mit eingebracht.
Ein kleiner Beitrag, schon etwas länger her, von mir, wenn du mal schauen magst .
http://artifexity.de/forum/viewtopic.php?t=178
@ Bernhard, ja, als ich mich neulich in deine Mythomagie Präsenz hineingelesen hab, sind mir lauter liebgewonne alte Bekannte darin begegnet.
Wir glauben ja nicht an Zufälle, das heißt, präziser, es gibt Zufälle die sind keine. Da gibt es einen, nennen wir ihn, geistigen Raum oder „Fluss“ ein current auf dem sich „Gefährten im Geiste“ begegnen und auch erkennen. Bin mir sicher du verstehst was ich damit sagen möchte.
Liebe Grüße
@ Arkis: Ja, ich weiß, was Du meinst *g*…
@Arkis
Klingt alles sehr spannend, teilweise verstehe ich es noch nicht ganz, hab aber grad nicht die Zeit, mich wirklich damit auseinnanderzusetzen.
Der Kern für mich ist wohl der, dass ich in einer Welt lebe, die in meinen Augen unstimmig, widersprüchlich ist. Früher dachte ich immer, man kann alles irgendwo nachlesen.
Mystik ist in meinen Augen etwas komplett anderes als Gefühle. Gefühle sind sinnlich. Mystik ist über-sinnlich.
Wissenschaft kann Beobachtungen, die sie nicht auffangen kann, nicht erforschen. Beobachtungen, die nicht materiellen Ursprungs sind, die es aber dennoch gibt.
Körper- Seele- Geist
Wenn ich sage, dass die heutige Wissenschaft unstimmig ist, dann darum, weil sie Seele und Geist oder mindestens die Seele ausklammert.
Fakt ist: Für einen objektiven Wissenschaftler gibt es nur Materie. Und da scheiden sich die Geister. Ich behaupte, dass es mehr gibt (auch als Gefühle, denn die sind auch an den Körper gebunden).
Das meinte ich mit Wirklichkeit. Dass es mehr gibt, ganz real.
Und jeder, der das erlebt, muss früher oder später an dem sogenannten Wissen verzweifeln, weil er merkt, dass es riesige Lücken aufweist.