Elektrischem Strom sollte in der Welt der Esoterik viel grösserer Wert als bisher eingeräumt werden. Seit dessen Erfindung nämlich versuchten neugierige Experimentatoren mit den entsprechenden Apparaten Dimensionen und Welten jenseits unserer bekannten Realität zu erforschen. Über Radioapparate, Telefone, Tonbandgeräte, Fernseher, Videorecorder und Computer als mögliche Verbindung zum “Jenseits” habe ich hier ja schon ausführlichst berichtet.

Am Jenseits interessiert: Thomas Alva Edison
Strom brachte diverse Erfinder mit einem Hang zum Musischen auch sehr bald auf Ideen, wie man natürlich erzeugte Töne elektrisch verstärken oder verändern könnte – bis zur Idee, ungehörtes, “künstliches” Klangmaterial aus der Elektrizität heraus zu erzeugen, dauerte es nicht lange. Bereits bei den ersten konstruierten “elektrischen” Musikgeräten, diesen quasi archaischen Vorstufen zum späteren Synthesizer, fällt eines sofort auf: immer war da in der einen oder anderen Weise “Überweltliches” im Spiel – ob im Namen diverser Instrumente wie “Aetherophon” (1917), “Sphaerophon” (1920) oder “Heliophon” (1936) bis hin zum heutigen “Ethervox” oder in den Titeln zahlloser Musikstücke, wie z.b. “Music Out Of The Moon“, aufgenommen mit dem Theremin.

Jörg Mager und sein "Sphärophon"
Gerade der Theremin ist aus vielerlei Gründen ein nahezu “magisches” elektrisches Musikinstrument. Seine “drahtlose” Handhabung (er wird durch den Abstand beider Hände zu zwei Antennen berührungsfrei gespielt, wobei eine Hand die Tonhöhe, die andere die Lautstärke verändert, Quelle: Wikipedia) liess in den 1930er-Jahren den durch ihn Sounds erzeugenden Musiker eher wie einen Zauberer erscheinen; und die Töne, die er erzeugte, erschufen “andersweltliche” Bilder im Zuhörer, eine sehnsüchtige Mischung aus Spiritualität und Science Fiction. Diese spezielle Wirkung muss für unbedarfte Ohren damals unglaublich gewirkt haben, und lässt sich auch heute noch erahnen.

Lew Termen am "Theremin"
Die Magie des Theremin hat auch mit seinem mysteriösen Erfinder, Lew Sergejewitsch Termen zu tun: Der russische Physiker entwickelte dieses Instrument 1919/20 in seinem “Labor für elektrische Schwingungen” in Petrograd und präsentierte es zwei Jahre später in Moskau einer staunenden Öffentlichkeit. Als er 1927 auf Welttournee ging, um seine “Geistermusik” zu präsentieren, kehrte er nicht nach Russland zurück, sondern liess sich in New York nieder, nannte sich Leon Theremin und gründete eine Art “Science Fiction” – Studio, in dem er elektronische Spielzeuge für reiche Gönner bastelte.
Der Meister demonstriert sein Instrument…
1938 verschwand Termen spurlos – man vermutet heute, dass er vom sowjetischen Geheimdienst KGB entführt und zurück nach Russland gebracht wurde. Denn drahtlose Musikintrumente zu entwickeln, war nicht Termens einziges Hobby in Petrograd gewesen. Diesselbe Technologie konnte man nämlich auch für Metall- und Minensuchgeräte verwenden, ausserdem war der Erfinder in der Entwicklung der Fernsehtechnologie führend, welche vom KGB bereits damals für Überwachungsaufgaben eingesetzt wurde.
Die grosse Clara Rockmore am Theremin…
Während die westliche Welt Termen bereits tot wähnte, sass er eine Strafe als politischer Gefangener in einem Gulag in Sibirien ab, später arbeitete er in einem eigens für Wissenschaftler eingerichteten Gefängnis in Moskau weiter an diversen Überwachungstechnologien und entwickelte im Verbund mit anderen neuartige Flugzeugtypen; dafür wurde ihm auch der Stalinorden erster Klasse zugesprochen. Anfang der 1990er-Jahre, nun offizielles Mitglied der KPdSU, tauchte er wieder auf der Weltbühne auf und führte sein Theremin noch einmal auf verschiedenen Reisen vor. Er starb 97-jährig im Jahr 1993 als hochgeehrter Wissenschaftler in Moskau.

Elektronische Musikinstrumente fungierten auch in den 1950er- und 60er-Jahren des vorigen Jahrhunderts als “elektrische Himmelsleiter“, und das im ureigensten Sinn des Wortes: Weil das Zeitalter des Kalten Krieges mit seiner ständigen Bedrohung der Menschheit durch einen ultimativen Atomschlag ausgelöst von der einen und/oder anderen Supermacht das Leben auf eine paranoide Angstexistenz reduzierte, richtete sich das Sehnen vieler Amerikaner auf den Weltraum und seine noch wenig erforschten Wunder, vor allem aber auf sein Versprechen eines “besseren Lebens” – vielleicht irgendwo im Universum in einem bis dato noch nicht entdeckten Lebensraum.

Diese Sehnsucht gab sowohl einem musikalischen Genre (“Space Age Pop“) wie auch einem ganzen Zeitalter (“Space Age“) die entsprechenden Namen; unzählig die Schallplatten mit elektronisch erzeugten “Space“-Effekten. Und als schliesslich der bisher ganze Laborräume füllende Synthesizer mittels einer Erfindung des genialen Ingenieurs Robert Moog auf eine transportable und bezahlbare Grösse zusammenschrumpfte, gab es kein Halten mehr: nun endlich konnte man lange für unrealisierbar gehaltene Science Fiction-Träume in adäquate elektronische Musik übersetzen.
Mit der neuzeitlichen Verwendung des Synthesizers als rituelles Instrument für die Zurschaustellung oder Durchführung magischer Praktiken werden wir uns hier ein anderes Mal ausführlicher beschäftigen.







abgefahren und spannend, was da alles zusammenkommt, wie sich Zeitgeist(er) darin wieder findet und spieglt, Sphärenmusik und Mysterien(kult)m und das hat auch wieder etwas von Mythenbeschwörungen, Himmelprjektionen, Sehnsucht nach jenem was aus dem Geist dazukommt … schon gespannt bin, wie es weitergeht
liebe Grüße
“This is what the world is for, making electricity”
MGMT – Electric Feel